Bus-Rundfahrt führt zu historischen Mühlen und Brücken

Ein Reichenbacher Verein bietet eine Tour mit einem Oldtimerbus zu Sehenswürdigkeiten der Industriekultur an. Einige Bauwerke tun bis heute ihren Dienst.

Reichenbach.

Der Verein Aqua et Natura bietet für Samstag mit Blick auf das Jahr der Industriekultur, das 2020 sein wird, eine Rundfahrt zwischen Reichenbach, Unterheinsdorf, Lengenfeld und Mylau an. Die Teilnehmer können den Oldtimer-Bus H3 B erleben.

Im Gebiet der Tour liefen einst mehr als 30 Wasserräder in Mühlen und nach 1800 auch in Fabriken. Am Spektakulärsten ist das Laufwasserkraftwerk Schotenmühle, das als eines der ersten in Sachsen ab 1895 Mylau mit elektrischem Strom versorgte. Das Wasser wurde ab 1927 über eine 280 Meter lange Holzdaubenleitung aus Lerchenholz zugeführt, im Volksmund "Mastdarm von Mylau" genannt. Die Mylauer hatten zudem ein Kraftwerk mit Dampfmaschine, Generator und Kühlturm errichtet. Nach der Rekonstruktion von 1927 konnte das Wasserkraftwerk automatisch bedient werden.


Reichenbach selbst besaß, gemessen an den heutigen Ortsgrenzen, 27 Wasser- und zwei Windmühlen. Am Reichenbacher Teil des Raumbaches standen fünf Mühlen. Als letztes original erhaltenes Mühlengebäude, das sogar unter Denkmalschutz stand, wurde 2003 die Angermühle abgebrochen. In Unterheinsdorf zeugt noch heute die Bauhülle der Böhme-Mühle von dem bis 1987 dauernden Mahlbetrieb.

An der Göltzsch und ihren Nebenbächen wurden mehr als 120 Standorte von Wassermühlen festgestellt. Die Klopfer-Mühle zählt zu den ältesten nachweisbaren Mühlen und wurde schon 1438 genannt. 1426 wurde erstmals eine Hammermühle an der Göltzsch erwähnt - vermutlich die 1896 abgebrannte Schotenmühle. Weitere Hammermühlen wurden zu Mahl-, Säge- oder Walkmühlen. Nach 1800 trieben einige Wasserräder Spinnereien an, sogar in der Bünaumühle. Die Klopfermühle ist heute die einzige Mühle an der Göltzsch, die noch mit Wasserkraft Getreide verarbeiten kann, die letzte, noch gut erhaltene Mühle an der Göltzsch mit klassischen Mahlsteinen steht in Weißensand. An drei Standorten wird heute mit Hilfe des Göltzschwassers Strom erzeugt, so in der Ketzelmühle in Netzschkau, die zu einer Fabrikmühle ausgebaut worden war.

An der Route befinden sich historisch bedeutende Brücken, vor allem die drei Großbrücken aus drei Jahrhunderten: die Göltzschtalbrücke (Bauzeit 1846-1851), die Autobahnbrücke Weißensand (1937-1938) und die Raumbachtalbrücke (2005-2007), deren Konstruktionen die Entwicklung der Brückenbautechnik verdeutlichen. Die größte dieser Brücken ist die Göltzschtalbrücke, die noch im 21. Jahrhundert Dienst tut. Als älteste Brücke ist die Mylauer Stadtbrücke schon 1460 erwähnt. Weitere alte Brücken standen bei der Hammermühle in Lengenfeld, in Weißensand und in Schneidenbach bei der Schotenmühle. Alle diese Brücken sind jedoch im Laufe der Zeit durch Neubauten ersetzt worden. Die älteste erhaltene Brücke der Göltzsch steht in Mühlwand, die Egersche Brücke. Sie wurde nach einem Unfall einer Postkutsche beim Queren der Hochwasser führenden Göltzsch, bei dem ein Mensch ums Leben kam, 1756/57 errichtet und hat mit ihren zwei Bögen bis heute jedem Hochwasser standgehalten. Diese Brücke, über die bereits Napoleon gezogen ist, steht heute unter Denkmalschutz. Der Freistaat Sachsen hat sich vor zwei Jahren bereit erklärt, diese Brücke zu erhalten und touristisch zu erschließen.

Die Bustour wird begleitet von Wolfgang Viebahn. Vorgesehen ist ein Besuch in der Klopfer-Mühle. Am Alaunwerk Mühlwand kann ein Imbiss eingenommen werden. An den Brennpunkten des Geschehens stehen Experten bereit, beispielsweise Werner Albert, Claus Keßler an der Egerschen Brücke und Wolfgang Richter an der Göltzschtalbrücke.

Die Anmeldung erfolgt zum Selbstkostenpreis von 15 Euro bei Wolfgang Michel unter Telefon 03765 13649. Abfahrt ist 13 Uhr am Betriebshof Gerlach, Rosa-Luxemburg-Straße. Die Tour dauert etwa vier Stunden.

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