Chronist lässt Bergbau wieder aufleben

Der Irfersgrüner Peter Burkhardt verbindet vieles mit der Erzförderung am Höllberg. Er hat dazu ein Buch geschrieben.

Lengenfeld.

Der Teil der Ortsgeschichte über den Bergbau wäre wohl bald in Vergessenheit geraten, hätte Peter Burkhardt, der Ortschronist aus Irfersgrün, nicht akribisch den Wolframit-Abbau in Pechtelsgrün erforscht und dokumentiert.

Dem Vergessen wollte Burkhardt etwas entgegensetzen: "Sehr viele junge Menschen aus der Umgebung wissen nicht einmal mehr, dass es diese Grube überhaupt gegeben hat, dabei hat mit dem Bergbau erst die Entwicklung des Dorfes richtig begonnen", so Burkhardt kürzlich während eines Vortrages vor Mitgliedern des Lengenfelder Kulturbundes. Es war schon der zweite Termin dieser Art für den Autor. Auch die Irfersgrüner Landfrauen luden sich den Ortschronisten als Referenten über den Bergbau zu ihrem Dorftreff ein. Beim ersten wie beim zweiten Vortrag füllte sich der Saal fast bis auf den letzten Platz. Es ist vor allem die ältere Generation, die noch eigene Erlebnisse und Erinnerungen mit dieser Zeit verbindet, die dem Vortragenden lauscht.

Gegen das Vergessen hat der 68-Jährige ein Buch geschrieben, das noch in diesem Jahr erscheint. Ein Leipziger Verlag bringt es heraus. Das Buch ist auch ein ganzes Stück Erinnerungen an eine unbeschwerte und glückliche Kindheit und Jugend des Autors, wie er immer wieder betont. Er wohnte in einem der Siedlungshäuser, die damals im Zuge des Bergbaus entstanden. "Es war eine schöne Zeit damals. Es ging uns gut", erinnert sich Burkhardt. Die Häuser waren vergleichsweise modern ausgestattet mit Bad, Wohnküche, WC und Kinderzimmern, während in Nachbarorten die Leute das Klo noch über den Hof hatten und das Wasser im Flur holen mussten.

Im Kulturhaus in der Bergarbeitersiedlung gab es große Feste mit damals prominenten Künstlern, wie Eberhard Cohrs, den vier Brummers oder Fred Bertelmann, Namen die zu jener Zeit jedes Kind kannte. Burkhardt: "Wir standen als Kinder heimlich hinter dem Vorhang und haben die Auftritte verfolgt." Kinder durften die Veranstaltungen eigentlich nicht besuchen.

Theateraufführungen, Musikabende und ein insgesamt reges, geselliges Leben prägten den Alltag. Der erste Fernseher des Dorfes stand in der Verwaltungsbaracke. Dort trafen sich die Kinder Sonntagnachmittag und abends die Erwachsenen. Glückliche Ferienwochen verlebte Burkhardt im Ferienlager des VEB Wolfram Zinnerz Pechtelsgrün in Heringsdorf an der Ostsee. Dort lernte er auch seine spätere Frau Christel kennen, mit der er verheiratet ist.

Das Buch erscheint im 50. Jahr nach dem Ende des Bergbaus. Das Vorkommen an Wolframit war 1968 erschöpft. 33 Jahre förderten die Bergleute das begehrte Erz, dass nicht nur für die Glühfäden in der Glühbirne geeignet war, aus dem man auch besonders harten Stahl herstellen konnte, was vor allem die Kriegsindustrie nutze.

Mit Beginn des Bergbaus 1935 blühte Pechtelsgrün auf. Es siedelten sich viele Familien an, von denen Nachkommen noch heute im Ort wohnen. Das Dorf erhielt Busverbindungen in die umliegenden Orte. Das Kulturhaus entstand. Diesen Aufschwung hat Pechtelsgrün dem Volksschullehrer Curt Gerber zu verdanken, der als Hobbygeologe das Vorkommen entdeckte. Er profitierte jedoch nicht vom Fund.

Um das Gestein waschen zu können, entstand eine Drahtseilbahn zur ehemaligen Sandgrube in Plohn. "Davon gibt es leider fast keine Fotos", so der Ortschronist. Der Ausbruch von Silikose, einer typischen Bergarbeiterkrankheit, auch Staublunge genannt, gehört zu den düsteren Kapiteln der Pechtelsgrüner Bergbaugeschichte. 13 Bergarbeiter verstarben innerhalb von vier Jahren, weil es keine Befeuchtung des Gesteins gab und die Arbeiter den Staub direkt nach der Sprengung und über die Belüftung einatmeten.

Burkhardt geht in seinem Buch auch der Frage nach: Was ist geblieben von damals? Die Siedlungshäuser stehen noch. "Ich finde sie heute so schön wie damals. Sie passen gut in die Landschaft", so Burkhardt. Von der Drahtseilbahn stehen noch einige Betonfundamente im Wald. Ein paar Gebäude gibt es noch am Höllberg. Das einstige Kinderferienlager an der Ostsee verfiel und musste später einer Ferienhausanlage weichen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...