"Das Fahrgefühl ist gigantisch"

Frank Albert aus Lengenfeld ist der wohl einzige Hochradfahrer der Region. Jetzt hat der Oldtimer-Fan auf einer Spazierfahrt an die Göltzschtalbrücke alle Blicke auf sich gezogen - und über Vorzüge und Herausforderungen seines seltenen Hobbys geredet.

Netzschkau/Lengenfeld.

Wenn Frank Albert in die Pedale tritt, dann mag er sich fühlen wie einst Thomas Stevens. Der Abenteurer und Autor aus England hatte im 19. Jahrhundert als erste Mensch die Erde auf einem Hochrad umrundet. Und bei dieser Unternehmung lagen ihm die Menschen oft zu Füßen. Massen jubelten ihm zu, es gab etappenweise Rummel ohne Ende. Im Fall von Frank Albert freilich fallen die Begeisterungsstürme ein paar Stärken kleiner aus. "Aber überall wird geguckt, überall werde ich angesprochen", erzählt der Lengenfelder bei einem Stopp an der Göltzschtalbrücke. An das Wunder aus Ziegeln und Naturstein war der Fan alter Verkehrsmittel auf einer Spazierfahrt von Ellefeld aus geradelt, dort hat der selbstständige Maschinenbauer seine Oldtimer-Werkstatt.

Hochrad fährt Frank Albert seit ein paar Jahren - wohl als einziger Vogtländer und mit wachsender Begeisterung: "Die Ruhe beim Fahren ist genial. Kein Surren einer Schaltung, keine Schaltgeräusche, das Rad hörst du nur, wenn du über ein Blatt fährst. Das Fahrgefühl ist gigantisch." Und wie reagieren die anderen Verkehrsteilnehmer? "Es ist erstaunlich. Im Alltag sieht man ja oft die düstersten Gesichter. Wenn ich mit dem Rad auftauche, hellen sich meist die Mienen auf. Man sieht eben: Es geht auch anders."

Auf den Hochrad-Trichter gekommen war Frank Albert bei einer Wanderausstellung des Deutschen Fahrradmuseums in Senftenberg vor drei Jahren. Da durften die Besucher auch mal auf ein Hochrad klettern. "Ich hab's aus Gaudi gemacht und hatte sofort Blut geleckt. Meine Euphorie bekam dann allerdings aufgrund der Preise für Original-Repliken einen leichten Dämpfer." Schließlich fand der Vogtländer in einer tschechischen Hochradschmiede das Passende. Dort wurde ihm das Rad gewissermaßen auf den Leib geschneidert - anders als bei modernen Rädern gibt es ja keinen höhenverstellbaren Sattel. Überhaupt sind es die Eigenheiten eines Hochrades, die einen Mann mit dem Faible für's Besondere reizen.

Stichwort: Aufsteigen und losfahren mit dem einst eher ambitionierten Dandys vorbehaltenen Rad. "Das musst du erst üben. Bevor ich das Rad vom Meister ausgehändigt bekam, musste ich ihm zeigen, dass ich fahren kann." Stichwort Bremsen: "Die Vorderbremse ist tödlich, da ja der Schwerpunkt auf dem Vorderrad liegt. Die falsche Dosierung, und du liegst unten." Also bremst Frank Albert auch mit den Pedalen - das ist möglich, da das Rad keinen Freilauf hat. Zudem gibt es eine Fußbremse. Dazu steigt der Pedaleur auf den zum Anfahren genutzten Aufstiegbügel und bremst mit der Schuhsohle, bis die Socken qualmen. "Damit hat das Hochrad sogar drei Bremsen, eine mehr als gefordert", erzählt Frank Albert über einige Gespräche mit Polizisten. "Die sehen erst mal bloß die Handbremse, sind dann aber schnell beruhigt."

Die großen Geschwindigkeiten sind mit einem Hochrad sowieso nicht drin. Stichwort Tempo: So bei 30 Sachen ist Schluss. Ließe Frank Albert bei diesen Tempo mal die Beine baumeln, könnte er die Pedale kaum wieder einfangen. Ebenso wäre es fast unmöglich, freihändig zu fahren. Das Rad kommt dabei schnell ins Trudeln. "Schon das Richtung anzeigen mit nur einer Hand am Lenker ist nicht ohne."

Stichwort Berge. "Da musst du schon Liebhaber sein, schalten geht ja nicht." Also bestimmt das Hochrad die Streckenwahl. Was gerade noch so geht, sind Steigungen wie die der Straße von Lengenfeld hoch nach Eich. 145 Höhenmeter auf drei Kilometern vom Markt bis zum Bahnübergang. Dafür macht Frank Albert mit einem Tritt ganz schön Meter. Bei einem Raddurchmesser von 1,30 Metern beträgt der Abrollumfang immerhin vier Meter.

Nicht von Pappe sind auch andere Zahlen, die der Lengenfelder in Sachen Fahrzeug-Raritäten zu bieten hat. In seiner Werkstatt blitzt es nur so von Oldtimer-Lack. Zwölf Autos sowie elf Motorräder und Roller stehen dort. Kein Wunder bei einem, den das Sammelfieber im Jugendalter gepackt hat. Derzeit arbeitet er final an einem B 1000 und werkelt beim Warten auf die nächsten Bauteile schon an einem der legendären Gelände-Tatra 8x8. Darüber hinaus gibt es weitere ungezählte Vorhaben. "Meine Freunde sagen, so alt wirst du nicht, um das alles zu schaffen. Aber damit kann ich leben."

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