Disput um Einsatz des Pfluges

Lehrlinge und Ausgelernte der Reichenbacher Berufsschule waren gestern zur praktischen Vorführung auf dem Feld. Dabei ging es um ein Gerät, das bei Landwirten umstritten ist.

Reichenbach/Neuensalz.

Der Pflügerwettbewerb lebt, obwohl viele Betriebe gar nicht mehr pflügen und zur konservierenden Bodenbearbeitung mit anderen Geräten übergegangen sind. Obwohl Pflügen als nicht mehr zeitgemäß galt, scheint sich nun das Blatt zu wenden: Pflügen ist wieder im Kommen, seit der Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat unter Beschuss geriet.

Gunter Stumpf organisiert als Vorsitzender des Absolventenvereins der Landwirtschaftlichen Fachschule Plauen den Wettbewerb mit. Er sagte: "Die Gesellschaft muss sich entscheiden, was sie will, Erosionsschutz und Verzicht auf den Pflug, dafür einen erhöhten Spritzmitteleinsatz oder Pflügen und dafür weniger Chemie aufs Feld, aber eben auch eine stärkerer Erosion."

Vor diesem Hintergrund trafen sich gestern auf einem Feld bei Neuensalz vorwiegend Lehrlinge und Gesellen zum Pflüger-Kurs, teils um sich Wissen anzueignen, teils um sich auf den Wettbewerb vorzubereiten, der am 1. September stattfindet. Der Disput über das Für und Wider des Pflügens teilt die Landwirte in zwei Lager: Gegner und Befürworter des Pflügens. Treffen sie aufeinander, beginnt eine heftige Diskussion. Stumpf ist Pfluggegner, als solcher organisiert er trotzdem mit Überzeugung den Wettbewerb, "weil sich die Lehrlingen und jungen Gesellen hier messen und sich neues Wissen aneignen können", sagte der Vereinsvorsitzende. Er bricht eine Lanze für den Pflugverzicht: "Was sollen wir in so trockenen Jahren wie diesen den Boden noch wenden? Damit das bisschen Restfeuchtigkeit auch noch verdunstet." Danilo Körner aus Wohlhausen, Pflugbefürworter, hielt dagegen: "Damit die Unkräuter nicht immer neue Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel entwickeln, damit wir den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern können. Im Bio-Anbau, der ohne Chemie auskommen muss, geht ohne Pflügen überhaupt nichts." Dann fanden sie einen gemeinsamen Nenner: Die Trennung zwischen konventionell und Bio sei sowieso quatsch. Man sollte voneinander lernen und die jeweils bewährten und guten Erfahrungen vom anderen übernehmen, so Körner und Stumpf.

Während die Organisatoren die Parzellen für die Übungsstunde absteckten und diskutierten, beschäftigen sich die 23 Lehrlinge des Beruflichen Schulzentrums Vogtland aus Reichenbach des zweiten und dritten Ausbildungsjahres mit den Grundbegriffen des Pflügens. Die erklärten ihnen Johann Singer und Max Schuster. Beide nahmen voriges Jahr erfolgreich am Landespflügen teil und qualifizierten sich für den Bundeswettbewerb. Sie zeigen den angehenden Landwirten, wie man eine Pflugschar einstellt, wie man das Feld einteilt und worauf bei hartem Boden zu achten ist.

Die Wettbewerbsteilnehmer wollen nächsten Samstag auf einem Feld hinter dem Baywa-Gelände an der B 169 ab 9 Uhr starten. Drei bis Acht-Scharpflüge treten an. Auch drei Pferdegespanne haben sich angemeldet. Wendepflüge sind ebenso zugelassen wir Beetpflüge. Wendepflüge lassen sich drehen. Beetpflüge können das nicht. Die Feldbearbeitung gilt hier als anspruchsvoller. "Beetpflügen wird deshalb auch Königsdisziplin beim Pflügen bezeichnet", so Körner.

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