Duo Calliope bietet klingende Kostbarkeiten

33. Orgelsommer mit Sarah und Artashes Stamboltsyan

Reichenbach.

Johann Sebastian Bach hatte Söhne, die mehr als achtbar komponierten, zeitweise den Ruhm des Vaters noch überstrahlten. Daran erinnerte das Konzert des Reichenbacher Orgelsommers am Montag in der Marienkirche.

Zu Anfang spielten Sarah Stamboltsyan (Cembalo) und Artashes Stamboltsyan (Violine), die seit 2002 als Duo Calliope auftreten, ein Allegro von Carl Philipp Emanuel Bach, des viertältesten Bach-Nachkommen, das es in sich hatte. Über einem ungestüm wogenden Klangteppich setzte die Violine - scheinbar nach Lust und Laune - schlanke, hellwache Schlaglichter, die sogleich wieder entschwanden. Musik muss nicht unbedingt zielgerichtet und restlos durchdacht sein. Das Rätselhafte, Ungewisse hat auch etwas für sich, könnte die Botschaft lauten.


Der Abend des aus Armenien kommenden, seit 1995 in Reichenbach wirkenden Musikerehepaars, der "Sommerfantasien" überschrieben war, bot noch manche ähnliche Kostbarkeit: so die D-Dur Sonata aus opus 5 des Barockmeisters Arcangelo Corelli, die bis heute ein Muster an künstlerischem Gewicht und Originalität ist, oder die Suite nach altem Stil des Amerikaners Ephrem Zimbalist (1889-1985), in der hinter überlieferten strengen Formen zuerst verborgen, später ganz unverhüllt ein ganz anderer, neuerer Puls schlägt. Auch ein armenischer Komponist wurde gewürdigt. Von Arno Babajanyan (1924-1983) erklang eine seiner bekanntesten Kompositionen, die wunderbar gelöste, von tiefem innerem Frieden zeugende Aria Vocalise. Dabei handelte es sich um eine eigene Bearbeitung, bei der Sarah Stamboltsyan ihr Können als Organistin zeigen konnte.

Das Konzert war nicht nur geprägt von außerordentlichen kammermusikalischen Qualitäten, einem tadellosen Zusammenspiel etwa oder der ausgefeilten Gestaltung der einzelnen Stücke. Das Programm war auch als ein Bekenntnis zu Toleranz und Vielfalt in der Musik zu verstehen. Da kam die austarierte barocke Klangcharakteristik zu ihrem Recht wie die Richtung Wiener Klassik weisende Tonwelt Christoph Willibald Glucks oder die leidenschaftlich pulsierende, Schmelz und Hingabe verlangende Melodik Peter Iljitsch Tschaikowskys. Das Duo bewies, dass eine solche interpretatorische Breite mit Bravour zu schultern ist. Die rund 100 Besucherinnen und Besucher in der Marienkirche dankten mit langem begeistertem Beifall.

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