Ein Baum zur Erinnerung steht nun im Park der Generationen

Die Trauerselbsthilfegruppe für Angehörige von Suizidopfern hat in Reichenbach einen Spitzahorn gepflanzt. Das Thema wird damit zugleich aus der Tabu-Zone geholt.

Reichenbach.

Es ist vollbracht. Der Park der Generationen in Reichenbach ist seit Sonntagnachmittag um einen Spitzahorn reicher. Es ist ein Baum der Erinnerung. Er will an acht Menschen erinnern, die durch Suizid verstarben. Gestiftet und gepflanzt wurde er von der Trauerselbsthilfegruppe für Angehörige um Suizid aus Reichenbach im Hospizverein Vogtland und dem Verein Trees of Memory.

"Ein sehr guter und emotionaler Sonntag", resümiert die Reichenbacher Zahnärztin Anja Gürtler. Die Selbsthilfegruppe hatte sich 2014 gegründet, im selben Jahr, in dem sich ihr Bruder das Leben genommen hatte. Ihr ist es wichtig, das Thema aus der Tabu-Zone zu holen. "Man fühlt sich oft nur alleine gelassen. Mit dem Baum der Erinnerung wollen wir ein Zeichen setzen. Es hilft uns, mit der Trauer noch besser umgehend zu können", sagt sie.


Der Spitzahorn stammte vom Garten- und Landschaftsbau Team Petrik aus Oberwiera bei Waldenburg. Eine Familie aus Reichenbach hängte Schmetterlinge aus Keramik an den Baum. Der Gedenkstein wurde von der Firma Steinwerk Markus Schmidt aus Plauen gesetzt. Mario Dieringer, Vorsitzender des Vereins Trees of Memory, hielt eine bewegende Rede über die Trauer. Jeder trauere auf seine Weise. Manche könnten darüber sprechen und manche behielten es für sich.

Daran schloss sich der Vortrag zum Thema "Zurück ins Leben kämpfen" an, den Dieringer am Abend in der Begegnungsstätte am Nordhorner Platz hielt.

"Ende September/Anfang Oktober werden wir übrigens auch noch im Plauener Stadtpark eine Sommerlinde setzen", kündigte Anja Gürtler an.

Herzensangelegenheit der Selbsthilfegruppe ist es, das Thema Suizid mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, damit sich Angehörige von Suizidopfern nicht wie Aussätzige fühlen. Aufmerksam gemacht werden soll auch darauf, dass es für suizidal gefährdete Menschen Behandlungsmöglichkeiten, Beratungsstellen, Hotlines sowie hilfegebende Vereine und Selbsthilfegruppen für alle Betroffenen und Hinterbliebenen gibt.

Die Trauerselbsthilfegruppe für Angehörige um Suizid trifft sich einmal im Monat 17 bis 19 Uhr in der Begegnungsstätte Reichenbach, Nordhorner Platz 1. Das Angebot findet unter Leitung einer erfahrenen Trauerbegleiterin und einer Betroffenen statt. Ziel ist die Stabilisierung der Gesundheit, die Stärkung von Ressourcen und der Austausch mit Betroffenen. Das Angebot ist kostenfrei und unabhängig von Glaube und Religion. Hospizverein Vogtland, Telefon 03765 612888 und 0174 7125976.

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