Ein Mann namens Benz aus Reichenbach

Richard Benz, der heute vor 135 Jahren geboren wurde, gilt als bedeutender Germanist und Kunsthistoriker.

Reichenbach.

Aus Reichenbach im Vogtland kamen viele bedeutende Persönlichkeiten, so die Neuberin, Heinrich Dathe, Otto Eduard Schmidt und Wolfgang Mattheuer. Weniger bekannt ist Richard Edmund Benz, der heute vor 135 Jahren in Reichenbach geboren wurde.

Als bedeutender Germanist und Kunsthistoriker hat er bleibende Verdienste als Geisteswissenschaftler. Als zweitjüngstes Kind von neun Geschwistern wurde er am 12. Juni 1884 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Reichenbach geboren. Im frühen Kindesalter zogen seine Eltern mit ihm nach Dresden, wo sein Vater auch an der Frauenkirche tätig wurde. Ab 1902 studierte Richard Benz in Heidelberg, das auch zu seinem Lebensmittelpunkt werden sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sein Werk als wesentliches Element der damals angestrebten konservativen Sinnstiftung der jungen Bundesrepublik betrachtet. 1952 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und 1959 das Große Bundesverdienstkreuz. 1954 wurde er zum Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gewählt und erhielt im gleichen Jahr Ehrenbürgerwürde in seiner Wahlheimatstadt Heidelberg. 1966 verstarb der als Privatgelehrter tägige Richard Benz in Heidelberg.


Bei der Vielzahl seiner Veröffentlichungen nahm er in seiner Autobiografie "Lebens-Welten und Bildungsmächte meiner Jugend" auch Bezug auf seine Kindheit in Reichenbach. "Wenn ich an Reichenbach denke",schrieb er, "dann taucht das alte Pfarrhaus vor mir auf, ein früheres Deutschordenshaus mit geheimnisvollen unterirdischen Gängen, der Kirche und dem Friedhof gegenüber an einem freien Platze gelegen, wo die Stadt eigentlich zu Ende schien; nach der Rückseite, dem Bach und den Hügeln zu, dehnte sich der größere Pfarrgarten, wo ein eigener kleiner Platz von Feuerlilien umgrenzt meinen Spielen vorbehalten blieb, da ich den wilden Spielen und Abenteuern meiner älteren Geschwister erst nur Zuschauer war. Zwei elementare Katastrophen geben die Schreckensakzente in diesem friedlich unbewussten nur in wenig Einzelheiten mir noch deutlichen Daseins: ein Hagelwetter, das die Scheiben durchschlug und vor dem wir uns aus den Zimmern in die dunklen Vorplätze flüchteten; und eine große Feuersbrunst. Ich fühle noch, wie meine Mutter mich aus dem Bett reißt - die Kirche brennt, ein hölzernes Gitter gegenüber steht in Flammen, ich sehe das als Erstes, die schräg gekreuzten Balken weithin glühend wie eine erregende Illumination; auf den großen steinernen Stufen im Hause und vor dem Hause lagern obdachlos gewordener Menschen, die man mit Warmbier stärkt; als Letzter kommt mein Vater aus der brennenden Kirche, Balken stürzen hinter ihm zusammen - er hat mit Lebensgefahr die Kirchenbücher gerettet."

Die Katastrophen, die Benz hier so plastisch beschreibt, beziehen sich auf den Altstadtbrand vom Juli 1886 und das Hagelunwetter mit faustgroßen Eisstücken vom August 1884 von dem ihm seine Eltern erzählt haben dürften.

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