Ein Prosit der Gemütlichkeit

Wie eine Mini-Brauerei im alten Pferdestall dasDorfleben in Waldkirchen bereichert. Am 18. August ist offizielle Eröffnung.

Waldkirchen.

Craftbier, was so viel heißt wie "handgemachtes" Bier, ist auch in Deutschland in Mode. Seitdem für kleines Geld komplette Brauanlagen für den Hausgebrauch zu haben sind, setzen immer mehr Hobby-Braumeister auf erfrischend-leckeres Selbstgebrautes.

Im Lengenfelder Ortsteil Waldkirchen wird am Samstag, 18. August, um 17 Uhr mit Bürgermeister, Ortsvorsteher und Pfarrer eine solche Hobby-Brauerei eröffnet. MEINE Vogtlandbierbrauerei soll sie heißen, wobei MEI und NE für die Familien Meichsner und Neumann stehen, die diese Craftbier-Brauerei für den Eigenbedarf geschaffen haben und sich die Kosten ebenso teilen wie das Ergebnis der Arbeit. Sie könnte aber genauso gut 1. Pferdestallbrauerei Sachsens genannt werden. Entstanden ist sie im ehemaligen Pferdestall auf dem Hof von Johannes Meichsner.

"Ich habe 100 Schubkarren Holz umgelagert, den Fußboden erneuert, Mauerwerk rausgespitzt, die Wände verkleidet sowie eine Ablage in Form einer alten Feuerstelle und eine Wasserentnahmestelle aufgemauert", erzählt Meichsner. Hinzu kamen viele liebevolle Details: ein Pferdegeschirr, eine alte Schrotmühle, ein Dengelbock, Milchkannen, ein Scheffel und historische Litermaße sowie alte Bierkrüge. Klappt man das Tischchen für die Verkostungen nach oben, wird es flugs zur Dartsscheibe.

Mit der 30 Liter Braugut fassenden Brauanlage und Fertigmischungen haben die beiden Hobby-Brauer seit dem 8. Juni vier Biersorten kreiert: Zum einen ein Weizenbier mit Namen Weizena, zum anderen ein Porter-Bier mit Namen Fritzporter. "Weil zwei unserer Großväter Fritz hießen." Hinzu kam das Edwin's, in Erinnerung an den ehemaligen Ortschronisten Edwin Schubert, der 103 Jahre alt wurde. Bier Nummer 4 nennt sich mit einem Augenzwinkern "Nischd's", sodass man gelöst die Frage bei der Polizeikontrolle beantworten kann: "Was haben Sie getrunken?" Die Biere sollen am 18. August verkostet werden. Zudem wurde begonnen, aus Äpfeln einen Cider zur Gärung zu bringen.

Als die Landeskommission des Wettbewerbes "Unser Dorf hat Zukunft" am 16. Mai Waldkirchen besuchte, war die frisch eingerichtete Mini-Brauerei eine Station. Unter dem Motto "Das Wir gewinnt" holte sich das Dorf den Sieg. Genau um dieses Zusammengehörigkeitsgefühl dreht sich alles bei Christoph Neumann und Johannes Meichsner. "Hier geht es nicht um Umsatz, sondern um Kommunikation bei einem Schluck Bier. Aber auch um ein Stück Dankbarkeit, dass wir uns solche Momente noch gönnen dürfen, obwohl es auf der Welt überall brodelt", sagt Johannes Meischner. Bei 200 Litern Bier pro Jahr, die für jeden Hausbrauer steuerfrei sind, wird es ohnehin beim Verkosten bleiben. Sollte einmal mehr gebraucht werden, sei man mit der Hausbrauerei vom "Bayrischen Hof" in Grünbach in Kontakt. Na dann: Prost!

Die Gemütlichkeit strahlt aus. Bäckermeister Gruner nutzt die Braumalz-Rückstände, den Treber, und bäckt Treberbrot. Als die Postfrau vorbeischaut, bietet Meischner ihr eine Scheibe davon mit Speckfett an. "Lecker", so ihr Urteil. Sogar seinen einstigen Klassenkameraden Bernd hat er ins Kleinod im ehemaligen Pferdestall gelotst - und im Brauerei-Tagebuch verewigt. Die "Freie Presse" steht dort jetzt als Besucher Nummer 68.

Diese Woche traf sich daheim bei Meichsner auch die Friendship Force of Vogtland, ein international vernetzter Freundschaftsverein zur Völkerverständigung. Mit dabei: die Thailänderin Arunee Wangwannalat aus Bangkok. "Bei ihr waren wir 2017 zu Gast und lernten, wie die Menschen dort essen und wohnen", sagt der Hausherr und blickt voraus: "Es wäre schön, wenn wir mit Freunden gemeinsam ein Weihnachtsbier, für den Obstbauverein ein Apfelbier oder für den Spaß ein Whiskybier brauen würden."

Übrigens: Eine Etage höher hat Johannes Meichsner den alten Taubenschlag ausgebaut. Dort befindet sich ein Heim-Kino mit elf Originalsesseln aus einem Chemnitzer Lichtspieltheater. Meist gucken dort die Enkel. "Neulich im Gespräch mit dem Pfarrer kamen wir darauf, dass es so viele Witwen in Waldkirchen gibt. Für sie wäre ein Kinonachmittag auch mal schön", hat er schon die nächste Idee im Kopf.

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