"Es wäre ein Klacks gewesen, eine Bank im Osten zu überfallen"

Krimi-Literatur-Tage: "Gentleman-Bankräuber" Reiner Laux liest beim Mords-Spektakel auf Schloss Netzschkau

Reiner Laux gehört zu den prominenten Gästen des Mords-Spektakels, das am Samstag als einer der Höhepunkte der Krimi-Literatur-Tage auf Schloss Netzschkau über die Bühne geht. Der Autor spricht über sein Leben als nie ertappter Bankräuber zwischen 1985 und 1995, über das er sein erstes Buch geschrieben hat. Das aktuelle Buch, das er beim "Mords-Spektakel" vorstellt, befasst sich mit der Gefängniszeit. Gerd Möckel hatte den Mann aus Köln am Telefon.

Freie Presse: Herr Laux, muss die Sparkasse Vogtland Sicherheitsvorkehrungen treffen, wenn Sie am Samstag anreisen?


Reiner Laux: Oje, nein, das alles ist verdammt lang her. Mit diesem Kapitel meines Lebens habe ich lange abgeschlossen. Zumindest, was die Überfälle angeht. Die Erfahrungen daraus sind allerdings sehr lebendig und lehrreicher Bestandteil meiner Lesungen und meines Engagements etwa für straffällig gewordene Jugendliche. Zudem arbeite ich beim Dachverband der kritischen Aktionäre mit. Wenn sich vogtländische Banker dafür interessieren, sind sie herzlich aufs Schloss eingeladen.

Und in Ihrer aktiven Zeit sozusagen, waren Sie da auch im Vogtland aktiv?

Weder da noch sonst irgendwo im Osten. Ich hatte als Bankräuber auch eine Art Berufsehre. Eine Bank im Osten so kurz nach der Wende auszurauben, das wäre ein Klacks gewesen. Dort gab es weder Erfahrungen damit noch die Sicherheitsvorkehrungen des Westens.

Dennoch konnten Sie 13 Banken ausrauben, ohne je dabei gefasst zu werden. Wie das?

Ich habe mich akribisch darauf vorbereitet, habe studiert, woran die meisten Überfälle scheitern. Unter anderem habe ich bei meinen Überfällen großen Wert auf Schnelligkeit gelegt. Ich war nie länger als 40 Sekunden in der Bank. Außerdem habe ich die Bank-Angestellten und Kunden höflich behandelt und gesiezt. Doch es gibt kein perfektes Verbrechen. Ich hatte mich einer Freundin anvertraut, die sich dann bei einer Größe des Rotlichtmilieus verplappert hat. Der Mann hatte selbst genug auf dem Kerbholz und hat mich dann wegen 20.000 Mark Kopfgeld und fünf Jahren Straferlass angezeigt. Das war damals wirklich ein Schlag, da ich beschlossen hatte aufzuhören und in Portugal ein Open-Air-Kino zu eröffnen. Ich bin zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Erst in dieser Zeit ist mir die Tragweite meines Handelns richtig klargeworden.

Inwiefern?

Als höflicher, elegant und schnell auftretender Zorro-Bankräuber hatte ich ein romantisiertes Outlaw-Selbstverständnis. Ich kam aus einem eher linken Milieu und hatte meine Überfälle auch als Schlag gegen die Banken gesehen. Einen Teil der Beute habe ich an soziale Organisationen gespendet und dazu das Geld stets in einer anderen Zweigstelle der gerade überfallenen Bank eingezahlt. Das waren selbstbefreiende Grenzüberschreitungen. Allerdings hatte ich mir die Überfälle damit auch schöngeredet. Erst im Gefängnis begriff ich, dass ich Schuld auf mich geladen hatte. Ich hatte Menschen, wenn auch nur kurzzeitig, in Geiselhaft genommen und vielleicht in Schrecken versetzt. Die Angestellten und Kunden konnten ja nicht ahnen, dass ich Pazifist bin und eine leere Gaspistole in der Hand halte.

Wie sind Sie überhaupt zum Täter geworden?

Ich habe in einer WG mit fünf Frauen gelebt und war verantwortlich für das WG-Konto. Als wir einen persischen Studenten vorübergehend aufnahmen, zahlte dieser weder Miete noch seine immensen Telefonate in den Iran. Nachdem er uns elf Monate hingehalten hatte, war er plötzlich verschwunden, und wir standen mit Tausenden Mark Schulden da. Die Bank forderte das Geld, und ich hatte nur noch wenig Zeit, ansonsten wären alle Daueraufträge gekappt worden. Nachdem alle legalen Wege gescheitert waren, kam mir der zunächst irrwitzige Gedanke, das Geld dort zu holen, wo es liegt. Ich überfiel relativ unvorbereitet die erste Bank.

Heute engagieren Sie sich etwa für jugendliche Straftäter und ehrenamtlich im Dachverband der Kritischen Aktionäre ...

Im Gegensatz zu älteren Straftätern, die manchmal bis zu 40-mal vorbestraft sind, ist bei den Jungen noch alles möglich. Insbesondere während der Haftzeit versuchte ich ihnen klarzumachen, dass man mit dem kriminellen Weg letztlich immer scheitert. Ich als der angeblich so erfolgreiche und smarte Outlaw sei ja das beste Beispiel. Wenn ich ihnen das erzählte, war das überzeugender als jeder Sozialarbeiter. Und so konnte ich sie oft überzeugen, über eine solide Ausbildung und auf legalem Wege Erfolg und Anerkennung zu suchen. Beim Dachverband unterstütze ich Kampagnen, die sich gegen menschenverachtende und kriminelle Machenschaften nicht zuletzt der Banken richten - und führe so meinen Kampf gegen die Banken auf legale Weise fort. All das, jedoch vor allem die Schilderung und Analyse meiner teilweise doch recht spektakulären Gefängniszeit, wird Thema in Netzschkau sein.

Mords-Spektakel auf Schloss Netzschkau am Samstag, 18 Uhr (Einlass ab 17.15 Uhr) mit den Autoren Reiner Laux, Isabella Archan, Friederike Schmöe, Bernd Hesse und Leon Sachs. Karten zum Preis von 21,50 Euro gibt es in allen "Freie Presse"-Shops und online via meinticket.freiepresse.de.

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