Farbenfrohe Welt der Edelfrauen und Ritter unterhält Burgbesucher

Beim Burgfest in Mylau haben sich Freunde des Mittelalters mit Gauklern, Musikanten und Darstellern getroffen. Die Besucher konnten auch auf ungewöhnliche Weise aktiv werden.

Mylau.

Besucher kommentierten das Mittelalterfest auf Burg Mylau unter anderem mit: "Immer dasselbe." Und auch so: "Wahnsinn, was hier alles geboten wird." Fakt ist: Wer wollte, konnte zuschauen, genießen, mitmachen, ausprobieren, etwas mit nach Hause nehmen, also jede Menge Spaß haben. Vor allem am Samstag nutzten viele Besucher die Chance, denn am Sonntag meinte es Petrus weniger gut mit den Veranstaltern. Insgesamt kamen nach Aussage von Lothar Wolf vom Burgförderverein etwa 2000 Besucher zur 19. Auflage.

Kinder konnten diesmal deutlich mehr machen als in den Vorjahren: malen, Bogen oder Armbrust schießen, sich schminken lassen, Wachs kneten, Karussell fahren und mehr. Die Kunsthandwerker gaben Auskunft über ihre Produkte und die Herstellung, so wie Kai Pan aus Saalburg. Er hatte sich 2015 beruflich neu orientiert und war zum Brandmalkünstler geworden. Er schwärmte von seiner kreativen Tätigkeit, die den Puls runterfährt: "Der Sinn des Lebens ist glücklich sein. Geld macht nicht glücklich." Das gab er einer Gruppe junger Männer mit auf den Weg, die ihn mit ihren Bedenken bezüglich des Broterwerbs konfrontierten.

Anita Zedler aus Weida hat er jedenfalls inspiriert. Nachdem sie ihn beim Winkingerfest in Hohenfelden traf und seine Leichtigkeit im Umgang mit dem Brandmalgerät sah, kaufte sie sich auch eins. "Ich bin noch am Anfang und komme immer wieder zum Schauen und Fragen", sagte sie.

Als Gäste in stilgerechten Gewändern gaben sich zum Beispiel Agnes Burggräfin von Meißen zu Leisnig und Markus von Breytenbach die Ehre, zusammen mit Hund Milo von Leisnig, einst wegen seines Einsatzes bei Niederwildjagden Biberhund genannt, jetzt der Rasse Schnauzer zugeordnet. Sie gehören zum Mildensteiner Bund, einer Mittelaltergruppe im Stil eines Minnehofes aus dem 13. Jahrhundert. Markus sagt das, was viele Mittelalterdarsteller immer wieder betonen: Man ist eine große Familie, kennt sich, respektiert sich, unter Händlern und Darstellern gibt es keine Diebstähle. "Und die Kinder hier haben es gut, jeder passt auf sie auf", meinte Markus. Das Paar besuchte gerade Daniel Rönz aus Fraureuth, der mit selbst gemachten Schilden sowie geschmiedetem Schmuck auf dem Fest war. "Ich habe selbst ein Schild gebraucht und mit dem Bau begonnen. Dann wollten andere auch eins, und so hat sich das entwickelt", erklärte er zu seinen Schildern, die aus Sperrholz und Leder oder Tierhaut bestehen und zwischen 100 und 260 Euro kosten. Bemalt werden sie mit den Wappen der Eigentümer. Etwa zwölf Stunden dauert der Bau. Solche und ähnliche Kampfhilfen kamen beim Schwertkampf zum Einsatz, für den in diesem Jahr die Ritterschaft zu Reychenfels in Kooperation mit der Gruppe Viteris Ossa abwechselnd im unteren Burghof und in der Vorburg auftraten. Für die Vorführungen vereinten sie Wikinger aus dem 9. Jahrhundert mit der Ritterschaft aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. "Das geht insofern, als die Wikinger später mit den Rittern im Kampf waren, als Söldner", erklärte Christian Klitzsch alias Baron Tristan Wiborg aus Apolda, der zwischen den Kämpfen zum Lederbaron wurde und seine mittelalterlichen Produkte anbot. Klitzsch war zum ersten Mal in Mylau und meinte: "Hier ist es schön, aber noch besser wäre es, wenn man ranfahren könnte." Für die Ritter, deren Rüstungen schon mal 20 bis 30 Kilogramm wiegen, hieß es im Vorfeld ordentlich schleppen. Auch der steile Berg zwischen Vorburg und Burg machte den Kämpfern in ihrer Montur zu schaffen. Sie demonstrierten verschiedene Kampfstile von Vollkontakt bis Freistil, wobei sich die Wikinger ohne Rüstung gegenüber den bewegungseingeschränkten Rittern als deutlich gewandter zeigten. Trotzdem wurden ihre Vorführungen zum Erlebnis: Wann dürfen Kinder sich schon einmal an Wikingern, Knappen, Rittern, Fürsten und Baronen auslassen und auf den Rüstungen herumspringen! Nach der Vorführung war das erlaubt, und es machte sichtlich Spaß.

"Wir waren viele Jahre nicht hier, Wahnsinn, was alles los ist. Und so viele Gewandete", meinte Frank H. Zaumzeil aus Kleingera angesichts des mittelalterlichen Treibens.

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