Führungswechsel an der Netzschkauer Oberschule

Mit Jürgen Dillner geht morgen einer der dienstältesten Schulleiter Sachsens in den Ruhestand. Für seine Nachfolge hat der 66-Jährige schon vor Jahren die Weichen gestellt.

Netzschkau.

Nach mir die Sintflut. Mit dieser gar nicht so selten anzutreffenden Haltung kann Jürgen Dillner gar nichts anfangen. Bereits vor sechs Jahren hat der morgen in den Ruhestand gehende Leiter der Oberschule Netzschkau die Weichen für seine Nachfolge gestellt. Der Sport- und Englischlehrer fragte damals einen anderen Sport- und Englischlehrer seiner Schule, ob er sich das eines Tages vorstellen könne - nicht wegen derselben Vorliebe für diese Fächerkombination. "Ich weiß, dass er wie ich diese Ader hat, die an diese Schule gehört", sagt der 66-Jährige. Und Michael Lauer hat sie. Was ihm fehlte, das hat der 53-jährige Pädagoge in den letzten beiden Jahren gelernt. Als Stellvertreter von Jürgen Dillner. Ab 1. August führt der Rotschauer Michael Lauer die traditionsreiche Schule mit ihren 370 Schülern und 32 Lehrern.

"Ich weiß, dass ich in große Fußstapfen trete. Nicht nur was die Organisation des Schul- und Lehrbetriebes angeht. Das ist ohnehin mehr, als sich die meisten vorstellen können. Nein, Jürgen Dillner, das ist hier nicht nur mein Vorbild", sagt Michael Lauer - der eingeheiratete Ostsachse. Der neue Direx der Oberschule stammt aus Kamenz und kam der Frau wegen nach Netzschkau. Als junger Lehrer wurde nicht nur die Liebe zu seiner Frau auf die Probe gestellt. Zwei Jahre lang war Michael Lauer Anfang der 90er-Jahre nämlich in eine Schule nach Markersbach abkommandiert worden. In einer Zeit, in der es noch viele Lehrer gab. "Es war kein leichtes Reinkommen. 75 Prozent der Referendare haben sich damals einen anderen Beruf gesucht oder sind in andere Bundesländer gegangen", erzählt Michael Lauer. Er selbst hielt durch. Jeden Tag 75 Kilometer ins Erzgebirge auf Achse. Und dann wieder zurück. Auf den alten Zuckel-strecken, die heute keiner mehr fahren würde. Und dann noch kaum Aussichten auf die Traum-Schule in Netzschkau? "Das machst du nur, wenn das dein Beruf ist. Wenn du für die Sache brennst. Und so führt man auch eine Schule. So hat Jürgen Dillner sie immer geführt. Ich habe mir viel von ihm abgeguckt."

Auch die Hartnäckigkeit, mit der Jürgen Dillner beispielsweise den Ausbau von Mittel- und Grundschule zum Schulzentrum vorangetrieben hat. "Ich weiß nicht, wie oft er dafür in Dresden war. Aber es war sehr oft", erzählt Michael Lauer. Oder der heute in vielen Schulen gängige Blockunterricht. Netzschkau gehörte in einem Schulmodell 1996 zu den ersten Einrichtungen, die auf 90 Minuten Unterricht längere Pausen folgen ließen.

Wenn der Direx morgen geht, gibt es viele gute Wünsche. Von alten und jungen Kollegen, von einstigen und jetzigen Schülern, von allen, denen Schule und Leiter am Herzen liegen. Es wird ein Abschied auf Raten. Jürgen Dillner bleibt der Schule im Hinblick auf einen Vorstoß erhalten, der das Kultusministerium von einem Netzschkauer Schulversuch überzeugen soll: Die Einführung eines zehnten Schuljahrs für Hauptschüler. Zudem bleibt er in der Ausbildung von Seiteneinsteigern zu Lehrern aktiv.

Und einen guten Kontakt wird Jürgen Dillner auch darüber hinaus zu seinem Nachfolger pflegen. Die beiden Sport- und Fußballverrückten grillen mit weiteren Lehrern immer dann gemeinsam, wenn Deutschlandspiele bei Europa- oder Weltmeisterschaften anstehen.

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