Gestank: Anwohner lassen nicht locker

Ein neuer Stall soll Gerüche bei der Reichenbacher Agrargenossenschaft lindern. Betroffene zweifeln, ob das reicht. Das Ordnungsamt räumt Probleme ein - zumindest teilweise.

Reichenbach.

Ein Teilsieg ist es schon mal - wenn auch ein eher kleiner. "Das Ordnungsamt hat uns gegenüber endlich zugegeben, dass es tatsächlich eine Geruchsbelästigung gibt", sagt Horst Maslo. "Das hat uns gut getan." Immerhin kämpfen er und einige Nachbarn an der Plauenschen Straße in Reichenbach seit Jahren gegen Gestank, der aus den Kuhställen der nahe gelegenen Agrargenossenschaft austreten soll.

Im Rathaus hält man den Ball allerdings eher flach. "Im Verfahrensablauf wurde der Stadtverwaltung bekannt, dass es Geruchsbelästigungen im Bereich der Plauenschen Straße gibt", räumt Dirk Postler zwar ein. Der Referent des Oberbürgermeisters ergänzt aber: "Diese bewegten sich jedoch nach Auskunft der zuständigen Landesdirektion bisher im Rahmen der zulässigen Grenzwerte." Immerhin habe Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) wegen der Anwohnerbeschwerden kürzlich eine erneute Überprüfung bei der Landesdirektion beantragt.

Damit geht der Streit zwischen Anwohnern und Agrargenossenschaft in die nächste Runde. Immer in den Nachstunden, so der Vorwurf von Horst Maslo und seinen Nachbarn, trete aus den Rinderställen beziehungsweise der Biogasanlage der Agrargenossenschaft Reichenbach ein penetranter Gestank aus. Und zwar so regelmäßig, dass man fast schon die Uhr danach stellen könne.

Die Anwohner vermuten, dass abends ein Ventil geöffnet oder sonst eine technische Vorrichtung betätigt werde. Dies weist Genossenschafts-Geschäftsführer Lars Bittermann allerdings strikt zurück. Die Erklärung für die regelmäßige Geruchsbelästigung sei eine andere. Zu später Stunde kühle die Atmosphäre nun einmal ab und dadurch änderten sich Luftströmungen. Außerdem rieche kalte Luft intensiver, als warme. "Dann sind die Moleküle dichter gepackt."

Doch die Situation werde sich seiner Einschätzung nach bald verbessern. Denn zurzeit baut die Agrargenossenschaft einen neuen Stall für 500 Jungrinder und 400 Milchkühe. Noch dieses Jahr soll er fertig sein. Der bisherige Stall aus den 1970er-Jahren fällt dann dem Abrissbagger zu Opfer. Und dieser Altbau sei die Hauptquelle der üblen Gerüche. Bittermann: "Wir hoffen, dass dies zu einer deutlichen Verbesserung führt."

Genau daran aber zweifeln die Anwohner der Plauenschen Straße. Immerhin habe sich die Zahl der Rinder in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Und viele Tiere stinken nun einmal mehr als wenige Tiere. Abgesehen davon, so Anwohner André Turban liege das wahre Problem vermutlich eh woanders. "Das ist kein normaler Kuhstallgeruch", so Turban. "Das stinkt nach Ammoniak. Und zwar so schlimm, dass man nachts davon wach wird."

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