Greiz würdigt Besucher-Magnet

Eine neue Ausstellung im Greizer Sommerpalais widmet sich der 250-jährigen Geschichte des traditionsreichen Gebäudes.

Greiz.

Die Schau, die am Samstag in Greiz eröffnet wurde, kann man getrost als einen lobenswerten Akt der Gerechtigkeit bezeichnen. Das Greizer Sommerpalais, in dem bislang unzählige Ausstellungen stattfanden, die Kunst, Künstler oder markante regionalgeschichtliche Jubiläen ehrten, steht jetzt einmal selbst im Mittelpunkt. "250 Jahre Sommerpalais" ist die hauptsächlich im ersten Obergeschoss, der Beletage, noch bis Oktober zu sehende Präsentation überschrieben.

Es handelt sich um kein leichtes Thema. Beim Bombenangriff auf Schleiz am 8. April 1945 wurde das fürstliche Hausarchiv der ansässigen Reußen vernichtet, in dem sich auch die Bauunterlagen für das Sommerschloss befanden. Lange Zeit war deshalb sogar das Jahr der Vollendung des Gebäudes umstritten. Eine Jahreszahl auf einem Kamin, ein Tagebucheintrag von Heinrich XI. Reuß ältere Linie, dem Bauherrn, sowie Nachweise über nach 1770 vorgenommene Ausstattungen einzelner Räume sprechen für 1769. Was Einzelheiten des Bauablaufs angeht, bleiben erhebliche Lücken, brachten lediglich Zufallsfunde - etwa während der Sanierung und Restaurierung von 2005 bis 2011 - ein wenig Licht ins Dunkel. Und es gibt Dokumente, die zumindest die Vorbereitung der Bautätigkeit beleuchten. Das sagte Eva-Maria von Máriássy, die Direktorin des Sommerpalais', zur Eröffnung der Ausstellung - und das schlägt sich auch in den versammelten Exponaten nieder.


Da finden sich Architektur- und Einrichtungsmusterbücher, die sich die Reußen aus Paris schicken ließen, da kann man alternative Entwürfe für das Palais, einzelne Rechnungslegungen oder Reste von Wandbespannungen sehen. Es gibt ferner imposante zeitgenössische Darstellungen des Palais' - etwa auf dem Goache-Gemälde eines unbekannten Meisters vor 1799 oder einer Lithografie von 1837, die der bekannte Aquarellist und Architekturmaler Carl Friedrich Heinrich Werner schuf. Heinrich XI. (1722 - 1800) ist von dem prominenten Adelsporträtisten Johann Friedrich Leberecht Reinhold in Deckfarben auf Leinwand festgehalten: groß, schlank, ernst und stolz auf ein Sammelsurium von Bauplänen für sein Palais zeigend, das am nach Süden zeigenden Giebel die Inschrift "Maison de belle retraite" ("Haus der schönen Zuflucht") trägt.

Dass das Kleinod auch bewegte Perioden erlebte, unterschlägt die Schau nicht. Aussagekräftig hingewiesen wird auf die insgesamt 15 schweren Hochwasser, den Beschuss mit Sprenggranaten zum Ende des Zweiten Weltkriegs und die Besitzerwechsel, die es gab bis zur Aufnahme 1994 in die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Karikaturen, die das Sommerpalais freundlich abbilden, weisen auf die reiche Kunsttradition hin, die sich mit dem Haus verbinden, das nach der 1919 erfolgten Abdankung von Reuß älterer Linie die fürstlichen Sammlungen aufnahm und in dem im Jahr 1975 das Satiricum begründet wurde, das als ein Ort der komischen Zeichenkunst nationaler Bedeutung erlangte.

Mit der vom Neuberin-Trio der Vogtland Philharmonie exzellent umrahmten, gut 200 Gäste zählenden Eröffnung der Ausstellung mit Grußworten der Stiftungsdirektorin Doris Fischer und der Greizer Landrätin Martina Schweinsburg sind die Greizer Bemühungen um das Thema nicht erschöpft. So lädt Eva-Maria von Máriássy in Abständen zu ausgiebigen Führungen ein, es gibt ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm, und die Klasse 9 c des Ulf-Merbold-Gymnasiums hat unter entsprechender fachlicher Anleitung einen Video-Führer durch das Sommerpalais erarbeitet, der für Kinder gedacht ist und der auch eine Reihe klug ausgedachter Geschichten erzählt.

Das Sommerpalais ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montags ist nur am Pfingstmontag geöffnet. Die Ausstellung "250 Jahre Sommerpalais" kann noch bis zum 6. Oktober besucht werden. www.sommerpalais-greiz.de

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