Heimatschutz-Verein kritisiert Hängepartie um Elstersteilhänge

Die Regionalgruppe Vogtland blickt wegen Corona auf ein zwiespältiges Jahr 2020 zurück. Der 6. Heimattag soll 2021 nachgeholt werden.

Reichenbach.

Zwei ungelöste Probleme hebt die Regionalgruppe Vogtland des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz in ihrer jetzt vorgelegten Bilanz für 2020 hervor.

Zum einen geht es um das Groß-Naturschutzgebiet "Elstersteilhänge unterhalb von Plauen". Wie Regionalgruppen-Vorsitzender Wolfgang Viebahn kritisiert, "weigert sich die Leitung des Vogtlandkreises seit Jahren beharrlich, dieses von ihr selbst auf den Weg gebrachte Projekt endlich Realität werden zu lassen". Die vogtländischen Kreisgruppen des Nabu, des BUND, des Vereins Sächsischer Ornithologen und des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz fordern gemeinsam mit dem Bezirks-Naturschutzbeauftragten immer wieder, die Ausweisung dieses Groß-Naturschutzgebietes. Jedoch sei bislang der Einfluss lokaler Politiker gegen diese Ausweisung stärker, sodass die Verwaltung des Vogtlandkreises diese auch 2020 zum wiederholten Male verschoben habe.

Zum anderen besteht ein bislang ungelöstes Problem um die gepachtete Immobilie des ehemaligen Wanderheims in Heinersgrün. "Der Landesvorstand hat beschlossen, sich gemeinsam mit der Gemeinde Weischlitz um neue Eigentümer zu bemühen und damit das Haus abzustoßen", informiert Viebahn.

Das Natur- und Umweltzentrums Pfaffengut Plauen als institutionelles Mitglied des Vereins habe 2020 vielfältige Aktivitäten entfaltet. Das Team um Leiterin Beate Groh verstehe es hervorragend, eine Vielzahl von Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, sodass ein sehr großer Kreis von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erreicht wird. In enger Zusammenarbeit mit dem Förderverein Pfaffengut Plauen unter Leitung von Ilona Gogsch und dem Team des Pfaffengutes plante die Regionalgruppe für April den 6. Gesamtvogtländischen Heimattag, der sich besonders mit der Weißen Elster als der Flusslandschaft des Jahresbefassen wollte. Dieser musste wegen Corona zunächst auf den November 2020 verschoben werden und fiel dort letztlich dem Lockdown zum Opfer. "Nun hoffen wir auf das Frühjahr 2021", erklärt Viebahn. Und für den 20. November 2021 ist im Pfaffengut das 13. Vogtländische Baumseminar "Aus der Praxis der Gehölzpflege" geplant.

Von der Regionalgruppe initiiert und gefördert wurde die Erarbeitung des Buches "Das Kriegsende im nördlichen Vogtland. Die Schicksalstage vom Januar bis Juni 1945". Daran waren zehn Heimatforscher beteiligt. Das 231 Seiten starke Buch fand ein großes Echo und erschien in einer Auflage von 950 Exemplaren. Beim Wettbewerb um den Sächsischen Landespreis für Heimatforschung 2020 wurden die Autoren mit einer Ehrenurkunde bedacht.

Wegen Corona konnten 2020 nur fünf Vorträge gehalten werden, darunter zwei neu erarbeitete. Aus der Sicht der Regionalgruppe Vogtland des Landesvereins war das Johann-Andreas-Schubert-Kolloquium aus Anlass des 150. Todestages des Konstrukteurs der Göltzschtalbrücke der Höhepunkt der Arbeit im Jahre 2020. Die Veranstaltung begann an der Göltzschtalbrücke - bei strömendem Regen. Um 10 Uhr begann das Kolloquium vor coronabedingt immerhin 50 Teilnehmern im Ratssaal Reichenbach mit einem festlichen Akt: Prof. Hans-Jürgen Hardtke, der in Reichenbach aufgewachsen war, wurde mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt geehrt. Beleuchtet wurden unter anderem Leben und Werk des gebürtigen Vogtländers Schubert, technische Innovationen rund um die Göltzschtalbrücke, das Baugeschehen der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn, Hypothesen warum die Brücke Ende des Zweiten Weltkrieges erhalten blieb und die aktuelle Studie zur Umfeldgestaltung der Göltzschtalbrücke. Seinen Abschluss fand das Kolloquium im original nachgebauten Lokschuppen der Rollbock-Bahn in Oberheinsdorf.

Die Regionalgruppe Vogtland ist seit 2017 auch Mitherausgeber des "Heimatkalenders für Reichenbach und Umgebung". Der Kalender 2021 steht im Zeichen des 750. Jahrestages der Erstnennung Reichenbachs als "civitas" und von 750 Jahren Weißensand.

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Tauchsieder
    22.12.2020

    Er muss nicht die Hängepartie kritisieren, er muss sich nur die Frage gefallen lassen: Was hat der Heimatschutzverein selbst unternommen, um dieser sogenannten Hängepartie ein Ende zu machen?
    Ob diese unter Schutzstellung dieses Jahr kommt, oder in den nächsten Jahren, ist doch nur eine Frage der Zeit. Diese Flächen sind schon jetzt geschützte Flächen (FFH-Gebiet "Elstersteilhänge") und mit der Einstufung in eine höher Schutzkategorie tut sich halt der Landkreis schwer. Dies aber auch nur, weil er sich an solchen Flächen schon die Finger verbrannt hat. Manchmal ist eben Behördennähe nicht immer von Vorteil und wenn man dann noch auf finanzielle Mittel dieser Behörden angewiesen ist wird`s gleich doppelt schwer. Ein kaum lösbarer Spagat.