Historischer Zinnleuchter erinnert an den Großvater

Andenken an liebe Menschen gehören für viele Vogtländer zur Weihnachtszeit. Für Christa Just ist ein mehr als 100 Jahre altes Stück besonders wichtig.

Hauptmannsgrün.

Die Wohnräume von Christa Just verwandeln sich in der Adventszeit in eine große Weihnachtsausstellung: Pyramiden, ein Bauernhof und ältere Spielsachen verteilt sie liebevoll im ganzen Haus. Die Seniorin berichtet: "Ich haben so viel Weihnachtsdekoration, dass ich jedes Jahr etwas anderes hervorhole und aufstelle." Ein Stück ist ihr besonders an Herz gewachsen: ein Zinnleuchter mit acht Armen, der an der Decke an einem Haken hängt und zwar ganzjährig.

Christa Just: "Es ist ein Erbstück von meinem Opa. Für ihn war dieser Leuchter eine Art Heiligtum. Nur zu den Weihnachtsfeiertagen und nicht etwa schon während der Adventszeit, hat der das wertvolle Stück vom Boden geholt." Und: "Wir als Kinder mussten dann stundenlang mit dem Lappen und mit Elsterglanz den Leuchter auf Hochglanz polieren. Das war gar nicht so einfach, denn es blieben immer ein paar Schlieren auf dem Material zurück." Glänzte der Leuchter dann, bestückte ihn der Großvater mit acht Kerzen, die angezündet wurden. Das alles spielte sich in der Küche ab, nicht etwa im Wohnzimmer. Die Hauptmannsgrünerin: "Bei den Bauern war es früher nicht üblich, sich täglich im Wohnzimmer aufzuhalten. Dieser Raum war nur ganz besonderen Anlässen vorbehalten, etwa wenn Besuch kam, zu Ostern, zur Kirmes oder einmal zu Weihnachten. Auch nur dann wurde der Ofen angeheizt."

In der Adventszeit schmückte bei Familie Just ein Adventskranz den Tisch. Dieser wurde dann vom Zinnleuchter abgelöst. In der großen Wohnküche spielte sich das Familienleben ab. "Erst, als später Fernseher aufkamen, haben wir uns öfter im Wohnzimmer aufgehalten", so die Seniorin. Über die Jahre blieb der Leuchter in Familienbesitz. "Zinn ist sehr weich und empfindlich. Im Laufe der Jahre war der Leuchter an zwei Stellen kaputt gegangen. Er hing dann einige Zeit nicht mehr an der Decke. Vor ein paar Jahren habe ich ihn von einer Fachfirma reparieren lassen. Seitdem hängt er das ganze Jahr über in unserem Wohnzimmer. Zur Adventszeit hänge ich dann noch ein paar weihnachtliche Anhänger ran", so Christa Just.

Auf das Polieren verzichtet die Besitzerin heute allerdings. "Der Fachmann hat mir davon abgeraten, den Zinnleuchter zu polieren", sagt sie. Von einem Historiker weiß die Hauptmannsgrünerin, dass Zinnleuchter, wie sie einen besitzt, in der Zeit zwischen 1810 und 1860 Mode waren. Zu der damaligen Zeit muss es wohl mehrere Zinngießer in Reichenbach gegeben haben, die solche Stücke anfertigten. "Aber, wo mein Opa seinen Leuchter her hat, das weiß ich leider nicht", sagt Christa Just.

Seit vier Jahren beteiligt sich die Hauptmannsgrünerin mit einigen ihrer Dekorationsstücke an der Weihnachtsausstellung in Irfersgrün. Die Landfrauen organisieren die Schau für einen Abend zum Pyramidenanschieben. Dieses Jahr hatte sie einen Tafelwagen aus Holz mitgebracht, dem aber leider das Pferd verloren gegangen ist. "Dieser Tafelwagen ist etwa 60 Jahre alt. Es war das Lieblingsspielzeug meines Bruders", erinnert sich Christa Just noch gut an diese Zeit.

Sie hat nicht nur die Weihnachtsdekoration der Familie in Ehren gehalten. Auch viele Spielsachen aus ihren und den Kindertagen der eigenen Kinder sind erhalten geblieben, so ein riesiger Teddy, den ihr Sohn von seinem Opa geschenkt bekam. "Den Teddy hat mein Vater in Reichenbach erwischt. Es gab ja kaum etwas zu der Zeit. Das war schon fast ein Wunder. Er hat ihn in den Rucksack gepackt und ist mit dem Moped und dem Teddy auf dem Rücken nach Hause gefahren. Allerdings hat sich mein ältester Sohn vor dem Teddy gefürchtet, weil er so groß war. Dem Jüngeren dagegen war er ständiger Begleiter", so Christa Just über weitere Familienerbstücke.

Familienschätze gesucht: Haben Sie ein weihnachtliches Erbstück, an dem Ihr Herz hängt? Zeigen Sie es uns und erzählen Sie uns die dazugehörige Geschichte. Hinweise per Telefon unter 03765 559515541 oder per E-Mail an: Red.Reichenbach@freiepresse.de.

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