Höhere Brötchenpreise erwartet

Infolge der Trockenheit und geringeren Erntemengen steigen die Preise, etwa bei Weizen. Doch rechtfertigt die Erhöhung eine Verteuerung der Backwaren? Die Bäcker-Innung Vogtland sagt Ja. Es gibt aber auch andere Stimmen.

Reichenbach/Plauen.

Die Auswirkungen des zu trockenen Sommers bekamen zuerst die Bauern und Gärtner zu spüren. Demnächst schlagen sich geringere Erntemengen und schlechte Qualitäten in den Preisen der Geschäfte nieder. Gurken zogen im Preis bereits an, Brokkoli, Kohlrabi und Spinat ebenfalls. Die Kartoffelpreise sind deutlich höher als voriges Jahr im selben Zeitraum, auch Äpfel kosten zum Teil mehr als 2017. Das ergaben statistische Auswertungen des Bundesministeriums für Ernährung.

Als nächstes dürften die Preise für Backwaren steigen. Davon geht zumindest Jörg Schürer, der Obermeister der Bäckerinnung Vogtland, aus. Der Grund dafür seien steigende Preise beim Weizen. Schürer: "Je nach Abnahmemenge der Bäcker steigen die Preise für Weizenmehl zwischen fünf und sieben Prozent. Eine Verteuerung der Rohstoffe zieht meist auch eine Verteuerung des Endproduktes nach sich." Inwieweit der einzelne Bäcker die Verteuerung des Mehls auf seine Backwaren umlege, sei jedem selbst überlassen. Schürer glaubt jedoch, dass die Preise bei Brötchen um 2 bis 5 Cent und beim Brot um 10 bis 15 Cent steigen könnten. Damit falle die Verteuerung jedoch verträglich aus, findet der Bäckerinnungs-Chef und rechnet vor: "Bis zu Drei-Personen-Haushalte müssten etwa 1,50 Euro mehr im Monat für Backwaren ausgeben." Angesichts der Preise, die Verbraucher bereitwillig für Konsumgüter, Urlaubsreisen oder Autos ausgeben, sei eine solche kleine Preiserhöhung für ein Lebensmittel durchaus verkraftbar.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die insbesondere die angekündigte Preissteigerung bei Backwaren infolge der Weizenpreisverteuerung nicht so recht nachvollziehen können. Heiko Hölzel, Geschäftsführer der Marienhöher Milchproduktion, erinnert sich noch: "Als 2013 das letzte Mal die Weizenpreise stiegen, damals auf bis zu 280 Euro die Tonne, hoben die Bäcker die Preise auch schon an. Später sind die Weizenpreise wieder auf etwa 160 Euro pro Tonnen gefallen. Ich kann mich nicht erinnern, dass auch die Backwaren billiger wurden. Derzeit notieren die Märkte Weizenpreise um die 200 Euro pro Tonne." Außerdem müsse man bedenken, dass in so einem Brötchen lediglich Mehl für ein paar Cent stecke, so Hölzel.

Auch ein Vertreter aus der Mühlenbranche, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagt: "Der Anstieg des Weizenpreises rechtfertigen eine Preiserhöhung bei Backwaren eigentlich nicht." Zumal die Erhöhung weniger drastisch ausfalle als noch vor ein paar Jahren, und es zwischendurch keine Absenkung der Backwaren-Preise gegeben habe, wohl aber eine Absenkung der Weizenpreise.

Preiskalkulationen legt kein Betrieb gern offen. Beim Discounter kostet ein Kilo Weizenmehl Typ 405 um die 35 Cent. Wie viel jedoch der Bäcker für sein Mehl bezahlt, möchte Schürer nicht sagen: "Dazu kann ich keine Zahlen nennen, das kommt auf die Abnahmemenge an. Ein Betrieb, der mehrere Tonnen kauft, bezahlt weniger als einer, der nur 500 Kilogramm abnimmt." Die Einschätzungen zur Preiserhöhung bei Backwaren durch Vertreter anderer Branchen möchte Schürer nicht kommentieren, nur so viel: "In die Kalkulationen anderer Branchen würde ich jedenfalls nicht eingreifen. Die Landwirte fordern hohe Entschädigungen infolge der Trockenheit vom Staat. Ob diese Kalkulationen stimmen, kann ich schließlich auch nicht beurteilen."

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