Ibug-Fund entpuppt sich als wahrer Schatz

95 Jahre lang lag ein altes Lok-Nummernschild im Dreck. Die Netzschkauer Modellbahner haben jetzt die Geschichte der dazugehörigen Lok zumindest teilweise rekonstruiert.

Netzschkau.

Ein etwa 100 Jahre alte Lok-Schild, das Ronald Dressel aus Reichenbach im August bei einem Treffen ehemaliger Eisenbahner auf dem Ibug-Gelände in Reichenbach auf einem Kanalschacht fand, ist der neue Ausstellungs-Schatz des Modelleisenbahnclubs "Göltzschtalbrücke". Im Vereinssitz an der Netzschkauer Schützenstraße hat jetzt Günter Wengorz vom Verein auf das neue Stück aufmerksam gemacht - auch im Hinblick auf die letzte Öffnung der Schau am nächsten Wochenende; die nächste Öffnung gibt's erst wieder im Advent.

Auch dann wird das in einer Vitrine unter der Überschrift "120 Jahre Bahnbetriebswerk Reichenbach" ausgestellte Schild wieder zu sehen sein. Auf dem Schild aus Stahlguss steht die Nummer 5680, darunter der Schriftzug "Cassel". "Ein wahrer Schatz, den Ronald Dressel da aus dem Dreck zog", erklärt Günter Wengorz. "Korrekt heißt dieses Schild Länderbahnen-Lokomotivschild. Es ist eine Art Nummernschild für Lokomotiven. Diese Art von Schildern wurde 1925 gegen Reichsbahnnummernschilder ausgetauscht. Vermutlich lag das Schild fast 95 Jahre als Abdeckung auf dem Kanalschacht", vermutet der Modellbahner. Darauf deuten auch dessen abgeschlagene Ecken hin - nur so hatte es gut in die Einfassung des Kanals gepasst. Ronald Dressel als Freund des Vereins hatte das Schild gereinigt, restauriert und es als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Nummer und Schriftzug geben auch Auskunft darüber, an welcher Lok es einst befestigt war: "An einer preußischen Lok der Baureihe G 12. Wir wissen von dieser Lok, dass sie noch bis 1967 im Bahnbetriebswerk Weimar in Dienst war", erzählt Günter Wengorz und lacht: Die Vitrine vom Bahnbetriebswerk Reichenbach hat auch viel mit seiner eigenen Lebensgeschichte zu tun. Ein Foto in der Vitrine zeigt den heute 68-Jährigen als 24-jährigen Lokomotivführer auf einer Diesellok.

Raritäten wie das Schild sind begehrte Sammlerstücke und schlagen den Bogen zwischen Eisenbahngeschichte und Modelleisenbahnbau. Das zeigt ein Blick auf die riesige Anlage mit ihren detailgetreuen Nachbildungen oder auch ein Blick in Vitrine Nummer zwei, die ebenfalls jedes Jahr mit einer Wechselausstellung versehen wird.

Für die zweite Vitrine hat sich Günter Wengorz das 80-Jährige der Dampf-Lokomotiven-Baureihe 50 ausgesucht. "Mir ist wichtig, jeweils ein Foto des Originals zu zeigen und dann die Lok originalgetreu nachzubauen", berichtet der Bastler. Sechs solcher Modelle hat Günter Wengorz bereits fertiggestellt. Auch eine Art Rohling, noch ganz ohne Farbe und Details, zeigt er den Besuchern. "Manchmal bleiben die Leute vor der Vitrine stehen und fragen, was es mit dieser halbfertigen Lok auf sich hat. Das ist für mich dann eine Gelegenheit, über die Geschichte der Dampfloks zu sprechen, denn alle hier gezeigten Modelle waren auch rund um Reichenbach im Einsatz." Die 50er Baureihe sei auch deshalb etwas Besonderes, weil es lediglich nur noch zwei oder drei Loks in Museen gebe. Am Samstag blieb auch Dietmar Rother aus Mylau genau an dieser Vitrine stehen. "Ich komme jedes Jahr hierher. Wir kennen uns schon ewig. Ich war Lokschlosser im Bahnbetriebswerk. Deshalb interessiert mich alles, was mit Eisenbahn zu tun hat, auch wenn ich keine Modellbahnanlage zu Hause habe."

Am kommenden Wochenende öffnen die Modellbahner für diese Saison letztmalig ihre Pforten. Danach verwandelt sich der Ausstellungsraum in eine große Werkstatt. "Wir gestalten Bereiche neu, meist noch detailgetreuer als vorher, entstauben, schmieren die Loks. Ende Oktober beginnen wir aufzuräumen, um die Ausstellung dann wieder für die Besucher am ersten Adventswochenende öffnen zu können", sagt Steffen Böhm vom Vorstand des Vereins.

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