Im Oldtimerbus auf der Suche nach Spuren der Bauhaus-Schule

14 Stationen hielt die geführte Tour am Samstag bereit. Bauten von Rudolf Ladewig, Curt Feiler und Fritz Löffler standen im Fokus. Eine Wiederholung ist schon geplant.

Reichenbach.

Das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus war Anlass für eine geführte Bustour, die am Samstagnachmittag stattfand. Das Neuberinhaus sowie die Vereine Aqua et Natura mit Wolfgang Viebahn und der Förderverein Kunsthalle mit Frank Lorenz hatten die Organisation übernommen. Die beiden Herren sorgten an den 14 Stationen sowie während der Fahrt für Informationen zu Architekten, Baumeistern, Gebäuden sowie deren Einordnung aus Sicht des Denkmalschutzes und der Baugeschichte.

Dabei wurde schnell deutlich, dass in Reichenbach zwar kein echter Bauhausarchitekt am Werk war, es aber dennoch eine Reihe interessanter Gebäude gibt, die der Bauhausschule zugeordnet werden können. Sie werden vor allem in den Stil der Klassischen Moderne und der Neuen Sachlichkeit zugewiesen, die eng mit der Bauhaus-Architektur verbunden sind. Gebäude wie das der früheren Entbindungsstation in der Albertistraße befinden sich in ähnlicher Form in Tel Aviv, wo die so genannte Weiße Stadt als weltweit größtes Konzentration von Gebäuden der Bauhaus-Architekten gerade eine Renaissance erlebt.


Im Mittelpunkt der Informationen standen die beiden Architekten Rudolf Ladewig und Curt Feiler sowie der Baumeister und Architekt Fritz Löffler. Selbst für Teilnehmer mit Vorwissen waren manche Fakten neu, zum Beispiel die zum Bildhauer Johannes Göldel (1891 bis nach 1946 - Todesdatum nicht exakt bestimmbar). "Der Name ist weitgehend unbekannt. Bei den acht bekannten Werken des Künstlers wird Reichenbach dreimal genannt", erklärte Viebahn. Die Figuren sind an der Textilfachschule, als Kreuzigungsgruppe an der Marienkirche sowie als Skulptur über dem Eingang zum Krematorium zu sehen.

Sowohl Ladewig als auch Feiler hatten Wohntürme konzipiert, die den Anforderungen an modernes, preiswertes Wohnen entsprachen. Während der Tour wurden die Gebäude in Mylau und Reichenbach besucht. Die meisten Gebäude mussten vom Bus aus betrachtet werden. Nur die Katholische Kirche, die Trauerhalle und der Wasserturm waren zugänglich. Dass im Haus von Fritz Löffler an der Schlachthofstraße wieder eine Familie Löffler wohnt, ist Zufall, denn beide sind nicht miteinander verwandt.

Unterwegs gab es auch für den Heimatforscher Viebahn Neuigkeiten, zum Beispiel, dass die ehemalige Orchesterschule in Mylau seit einem Jahr unter Denkmalschutz steht. Auf der Denkmalliste hatte er sie noch nicht gefunden. Auch die Katholische Kirche in der Marienstraße hatte er zuvor nie betreten. Wie Viebahn vermittelte hier Pfarrer Reichl Fakten weit über die architektonischen Besonderheiten hinaus. So erfuhren die Besucher, dass die beiden Pfarrer Johannes Derksen (1898 bis 1973) und Ludwig Kirsch (1891 bis 1950) konsequent gegen Faschismus auftraten und dafür sogar inhaftiert wurden. Noch schlimmer erging es dem Architekten Rudolf Ladewig, der 1945 im KZ Neuengamme ermordet wurde.

"Wir haben im Fernsehen eine Dokumentation über Bauhaus gesehen und uns deshalb dafür interessiert. Die Tour ist noch besser als wir uns das vorgestellt haben. Man bekommt so viele tiefgründige Informationen. Dadurch merkt man erst einmal, wie wenig man über seine Stadt weiß", sagte Kristin Fischer aus Reichenbach. Den voll besetzten H6-Bus Baujahr 1958 von den Reichenbacher Verkehrsbetrieben steuerte Martin Gruschwitz sicher durch die bisweilen engen Straßen, was ohne Servolenkung und andere Entlastungen eine echte Knochenarbeit ist. "Da braucht man kein Fitnessstudio", scherzte er, darauf von mehreren Teilnehmern angesprochen.

Da die Plätze für Tour begehrt waren, wird es im September eine weitere Bauhaus-Tour geben. Der Kartenverkauf startet am 23. Juli. Die Liste für Reservierungen liegt im Neuberinhaus bereit.

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