In Netzschkau rauchen (fast) nur die Köpfe

Be Smart - Don't Start: Die Klasse 7b der Oberschule nimmt erfolgreich am Wettbewerb für rauchfreie Schulklassen teil - und spricht Schüler an, die schwach geworden sind.

Netzschkau.

Wie viele der insgesamt 374 Schüler der Oberschule Netzschkau Raucher sind? Auf diese Frage hin rauchen bei den Mädels und Jungs der 7b die Köpfe. Schließlich fassen Klassensprecherin Anne Günnel und Ramon zusammen: Es müssten um die 20 sein, vorsichtig geschätzt. Diese Angabe ist ernst zu nehmen, schließlich bringt die Klasse bei diesem Thema die wohl größte Kompetenz der Schule mit. Bereits im zweiten Schuljahr nimmt die 7b von Klassenlehrerin Gabriela Heinemann und Stellvertreterin Christiane Mühle am bundesweiten Anti-Raucher-Schülerwettbewerb "Be Smart - Don't Start" teil.

Und das erfolgreich - nicht nur, weil keiner in der Klasse zu Glimmstängel, E-Zigaretten, Shishas oder E-Shishas greift. Beim Tag der offenen Tür an der Einrichtung jetzt stellten die Siebener das Projekt und einen im Rahmen der Kampagne selbst gedrehten Film zum Thema vor. Der Streifen, für den Aliya Paetzold und Anne Günnel das Drehbuch geschrieben und Siebtklässler als Schauspieler vor der von Nadine Müller geführten Kamera agierten, war im Vorjahr bei einem gesondert geführten Be-Smart-Kreativ-Wettbewerb erfolgreich. Unter Tausenden Schulen schafften es die Netzsch-kauer mit ihrem filmischen, an der Schule gedrehten Plädoyer fürs Aufhören beziehungsweise fürs Nichtanfangen weit nach vorn und holten einen der dritten Plätze. "Wir bleiben weiter am Ball und haben uns für dieses Jahr Platz eins vorgenommen", sagt Ramon Purfürst.

Bei der von Quiz- und Spielangeboten thematisch abgerundeten Projekt-Präsentation wurde auch über Bemühungen der Siebtklässler gesprochen, auf die Raucher in den oberen Klassen einzuwirken. Allerdings wohl ohne Erfolg, wie Ramon Purfürst erzählt: "So richtig akzeptieren sie uns und unsere Argumente nicht." Dabei spricht alles dafür, das Rauchen aufzugeben, bringt Anne Günnel die in einer Ausstellung detailliert dargestellte Problematik auf den Punkt: "Man bezahlt auch noch dafür, dass man eher stirbt."

Besser als Aufhören - da ist sich die Klasse einig - ist es, sich gar nicht erst in den Teufelskreis der Abhängigkeit zu begeben. Und darüber führt die 7b akribisch Buch. Jede Woche wird abgefragt, ob einer in der Klasse geraucht hat. Bisher haben alle eine weiße Weste. Und das soll so bleiben. Schließlich ist der Hauptpreis des von dem Arzt und Kabarettisten Eckart von Hirschhausen unterstützten Wettbewerbs eine Klassenreise. Und die 7b reist gerne. Die 100 Euro Filmpreisgeld wurden in eine Ausfahrt investiert.

Die Förderung des Klassenzusammenhalts war eine Absicht, als Lehrerin Christiane Mühle die Sechstklässler auf den Gedanken der Be-smart-Teilnahme brachte. Für den Schulleiter ist das von Eltern unterstützte Projekt beispielgebend. "Hier ziehen Schule, Schüler, Projektträger und Eltern an einem Strang", kommentiert Michael Lauer die "Be smart"-Aktionen. Und wie sieht's mit den geschätzt 20 Rauchern aus? "Womöglich sind es ein paar mehr. Da richtig zu liegen, ist schwierig, da auf dem Schulgelände natürlich Rauchverbot gilt."

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