Insekt des Jahres liebt blühende Wiesen und Insekten-Hotels

Die Rostrote Mauerbiene ist weder selten noch vom Aussterben bedroht. Trotzdem sind ihre Lebensräume bedroht. Gartenbesitzer können den pelzigen Insekten helfen.

Reichenbach.

Das Insekt des Jahres 2019 ist ein Frühlingsbote. Allerdings einer, den kaum einer wahrnimmt. Mit 8 bis 14 Millimetern Körpergröße ist die pelzige Wildbiene unscheinbar. Sobald anhaltende Fröste vorbei sind, kommt sie aus ihrem Winterquartier.

Die Rostrote Mauerbiene zählt unter den 400 in Sachsen heimischen Wildbienenarten zu denen, die am häufigsten vorkommen. Trotzdem rückt ein am Senkenberginstitut in Müncheberg angesiedeltes Kuratorium genau diese Art 2019 in den Fokus. Reiner Tschaschke, Hobby-Entomologe bei der Neumarker Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), kennt den Grund: "Die Lebensräume vieler Insekten werden immer weniger." Wie andere Bienen auch, braucht die Wildbiene, die wie eine kleine pelzige Hummel aussieht, blühende Wiesen. Dort kann sie Nahrung sammeln. Ganzjährig nur mit Gräsern bewachsene Flächen gleichen aus Bienensicht leergeräumten Regalen im Supermarkt.

Für ihre Fortpflanzung braucht die Rostrote Mauerbiene, wie es der Name erahnen lässt, Spalten oder Löcher in Mauern.

Bei ihrer Wohnungssuche entpuppt sich die kleine Biene als Kulturfolger. Schlüssellöcher, Hohlräume in Rollläden oder die Bohrungen in Ikea-Regalen finden die kleinen Bienen als Wohnung passend. Totholzhaufen eignen sich. Wer etwas für Insekten tun möchte, stellt eines dieser schicken Insektenhotels auf, von denen Tschaschke sagt, dass der korrekte Namen Brut- oder Wohnstätte für Insekten lauten müsste. Egal, wie der Gartenbesitzer die Ansammlung von verschiedenen Hölzern mit mehr oder weniger kleinen und großen Hohlräumen nennt, die Mauerbiene findet solche Angebote toll und zieht bereitwillig ein. "Ich habe ein Insektenhotel für den Kindergarten in Reuth gebaut. Wir wollen es im Frühjahr aufstellen. Aber schon während es bei mir an der Wand lehnte, haben es die ersten Insekten entdeckt und sich dort eingenistet", so der Entomologe.

Um die Insekten bei der Wohnungssuche zu unterstützen, braucht es einen geeigneten Standort. Schimmel an den Wänden mögen die kleinen Bienen nicht. "Der Standort sollte trocken und sonnig sein. Feuchtigkeit zerstört die Gelege der Insekten", erklärt Tschaschke. Der kleinen Mauerbiene möchte ihre Ruhe in ihrem Zuhause, denn sie bewohnt ihre Niststätte fast ein dreiviertel Jahr lang. Holzhaufen umschichten oder Mauern verfugen gleicht einem Rausschmiss der Mieter. Tschaschke: "Die Bienen suchen sich einen Nistplatz, legen dort ihre Eier ab, versorgen die Eier mit Pollen, der den später schlüpfenden Larven als Nahrung dient und verschließen die Löcher mit Lehm."

Im Inneren wächst die kleine Larve heran und lässt es sich dank der Fürsorge ihrer Mutter gut gehen. "Die Larve entwickelt sich in ihrer Nisthöhle zur fertigen Biene und verfällt dann in eine Winterstarre, aus der sie erst im Frühjahr erwacht", beschreibt Tschaschke den Kreislauf, der sich mit dem Schlupf der Bienen aus ihren Löchern schließt. Wenn die jungen Weibchen ihre alten Nisthöhlen verlassen, sitzen davor schon wartende Männchen, um eine neue Generation kleiner pelziger Mauerbienen in die Welt zu setzen.

Vor der Mauerbiene müssen sich die Menschen nicht fürchten. Sie ist nicht stechlustig. Sie bildet auch keine Staaten. Jede weibliche Biene ist für sich allein unterwegs und legt in die Hohlräume bis zu 20 Eier. Das zeitige Frühjahr sei der richtige Zeitpunkt, um eine Nisthilfe für Insekten aufzustellen. Tschaschke, der in der Werkstatt des Natur- und Umweltzentrums Oberlauterbach arbeitet, baut dort auch Insektenhotels, die es vor Ort zu kaufen gibt.

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