Jeder Nagel hilft dem Ehrenmal

Zur Finanzierung eines Denkmals gingen die Hauptmannsgrüner einen ungewöhnlichen Weg. Er ist noch nicht zu Ende gegangen.

Hauptmannsgrün.

Ein Denkmal für im Krieg Gefallene ist auch immer ein Politikum. Das war Marion Dick bewusst, als sie am Sonntag - dem Volkstrauertag - im Heinsdorfer Ortsteil Hauptmannsgrün bei der Übergabe eines Mahnmals sprach. "Man kann sich streiten, wofür man Geld ausgibt", sagte die Bürgermeisterin. Aber die Gefallenen seien nicht die gewesen, die die Kriege angezettelt haben.

"Geweiht wurde es ja 1925, heute ist die Übergabe nach der Sanierung und Neugestaltung", so die Bürgermeisterin. Sie bedankte sich bei allen, die das Projekt möglich gemacht haben. Ortschaftsrat und Dorf-Club gehören dazu, aber auch Bürger und Unternehmen. Rund 10.000 Euro waren veranschlagt. Die Schlussrechnung fehlt noch. "Ich denke, wir haben hier gemeinsam eine nachhaltige Sache geschaffen", so Dick. "Wir haben einen Platz, um der Gefallenen aus dem Ort zu gedenken. Wir sind ihre Nachfahren."

Der Dorf-Club übergab einen Scheck über 375 Euro, denn die Rechnung könnte am Ende etwas teurer werden. Das Geld stammt von einem Nagelbild. Die Mitglieder des Dorf-Clubs hatten es malen lassen. Dann wurden Ziernägel gegen Entgelt eingeschlagen. Die Nägel zeichnen Konturen und Schrift nach. Es gibt noch blaue und grüne Flächen ohne Nägel. Die Bürgermeisterin regte an, noch ein wenig weiter zu nageln.

Andreas Spiller vom Dorf-Club erklärte die Tradition der Nagelbilder. "Sie entstanden nach dem Ersten Weltkrieg, um etwas Geld einzunehmen und an die Bedürftigen weiterzugeben", sagte er. "Wir haben einiges von den Spenden bezahlt und es gab auch viel Unterstützung, zum Beispiel mit Technik oder Material", sagte Club-Chef Lars Hölzel. Anfang April haben viele fleißige Hände begonnen, den Urwald hinter dem Gedenkstein zu roden. Dann wurden die alten Steine entfernt. Die hauptsächlichen Bauarbeiten erledigte eine Firma. Heimatforscher kümmerten sich um die Namen der gefallenen Bürger aus dem Dorf. Auf der ursprünglichen Tafel, die zu DDR-Zeiten entfernt wurde, standen nur die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg. Die Akteure waren sich jedoch einig, dass die nicht heimgekehrten Hauptmannsgrüner beider Weltkriege auf die Namenstafel sollen. Um den Stein herum wurde gepflastert, dahinter Bodendecker gepflanzt. Damit soll der Pflegeaufwand niedrig gehalten werden. Ortschaftsrat und Dorf-Club haben Bereitschaft signalisiert, sich mit um die Anlage zu kümmern.

Am Denkmal fehlt noch eine Edelstahltafel, die ein Stück Geschichte beschreibt. An ihrer Stelle wurde vorerst eine Schiefertafel mit gelaserter Schrift aufgestellt. "Wir tauschen sie aus, wenn die andere kommt. Es soll ja alles möglichst lange halten", so der Ortschaftsratsvorsitzende Bernd Prenzel. Auf der Tafel steht, dass der gefallenen Hauptmannsgrüner bereits 1921 mit einer Gedenktafel in der Waldkirchener Kirche gedacht wurde. Das "Kriegerdenkmal" im Ort wurde am 7. März 1925 eingeweiht. In den 1970er Jahren wurden die Namen und das Eiserne Kreuz entfernt. Seitdem steht "Schützt den Frieden" auf dem Stein. Die Tafel enthält die Namen von 18 Gefallenen aus dem Ersten und 53 aus dem Zweiten Weltkrieg auf. Manche Familiennamen tauchen bei beiden Kriegen auf.

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