Jürgen Golle nimmt Abschied in Reichenbach

Der Zwickauer Komponist beendet seine aktive Laufbahn. Auf Burg Mylau erklingt am 28. Oktober dazu eine Uraufführung.

Reichenbach.

Der Zwickauer Komponist Professor Jürgen Golle, Jahrgang 1942, nimmt Abschied von seiner überaus erfolgreichen kompositorischen Arbeit. Diese erstreckt sich über Vokal-, Kammermusik- und Orchesterwerke. Er stehe nun endgültig vor dem Ruhestand.

Golle belegt das mit einem Zitat von Hermann Hesse: "Voll Lust und nicht vergebens war das unruhvolle Spiel des Lebens." Die letzte Etappe dieser glücklichen schöpferischen Unrast will er in Reichenbach zum Abschluss bringen: in einem Calliope-Kammerkonzert auf Burg Mylau am Sonntag, 28. Oktober, unter anderem mit der Uraufführung eines Liederzyklus'.

Golles Laufbahn war durch die Musik bestimmt, dies schon in der Kindheit. 1954 bis 1958 war er Mitglied des Thomanerchores Leipzig. Auch im Studium hatte die Musik Priorität. Er absolvierte eine Lehrerausbildung für die Fächer Musik und Deutsch am Pädagogischen Institut Zwickau und studierte an der Musikhochschule Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig. Dort legte er 1969 das Staatsexamen als Komponist und Pädagoge für Musiktheorie ab. 1971 folgte die Promotion im Hauptfach Komposition. Seit 1967 gab er sein Wissen und Können weiter und lehrte an der Musikhochschule Leipzig und in Zwickau, wo er 1993 zum Professor berufen wurde. 2005 ging er in den Ruhestand. Als Komponist erlangte Golle rasch und bis heute außergewöhnliche Popularität, vor allem durch sein Engagement für die Chorbewegung und seine vielen intelligenten und effektvollen, stets gut singbaren Werke für verschiedenste Chorbesetzungen. Auffällig ist in seinen Liedern die Nähe zur Literatur: Ausgesuchte Texte waren und sind stets wichtiger Anspruch seiner Vokalkompositionen. Von diesem Schatz profitieren Chöre deutschlandweit.

Der Frauenchor Reichenbach ist stolz auf sein Golle-Repertoire, besonders auf den dem Frauenchor gewidmeten Liederzyklus "Aquarelle". Golles Verdienste wurden international gewürdigt: 1991 war er Preisträger des V.-E.-Becker-Wettbewerbes in Bad Brückenau, 1992 der Erste Preisträger des Kompositionswettbewerbes des Badischen Sängerbundes. 1999 erhielt er den Kompositionspreis der AG Europäischer Chorverbände. Auch auf dem Gebiet der Instrumentalmusik kann Golle auf ein bedeutendes Gesamtwerk verweisen. Manche seiner Kompositionen wurden mit den Ensembles der Vogtland Philharmonie aufgeführt, so zum 200. Geburtstag Robert Schumanns oder in Würdigung seines eigenen 70. Geburtstages durch die Uraufführung der Hesse-Gesänge "Blütenzweig im Winde" in den Serenadenkonzerten von 2014.

Nun soll der berühmte Kompositionsstift seine Ruhe finden. Die Reichenbacher Musikfreunde sind stolz, dass Golle diesen Abschied in Reichenbach begeht.

* Unser Autor Wolfgang Horbeck ist Leiter des Frauenchores Reichenbach.

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