Junge Musiker schildern Herbststurm

Das Jugendzupforchester Sachsens hat in Mylau die Saison der Musikreihe Calliope beendet. Eine Irfersgrünerin war Dreh- und Angelpunkt.

Mylau.

Aus langen, gemächlich tropfenden Tönen wurden allmählich kürzere, rascher vorankommende Motive. Dann verdoppelte und verdreifachte sich die Geschwindigkeit, wobei weder Klangkultur noch Reinheit nachließen. Im Gegenteil: Es perlte und strahlte weiter, dass es eine Freude war. So begann das Konzert des Landesjugendzupforchesters Sachsen am Freitag im Ratssaal der Mylauer Burg. Auf den Pulten lagen die Noten für Johann Pachelbels berühmten Kanon.

In mitreißender, hohen Ansprüchen gerecht werdender Art des Musizierens ging es gut zwei Stunden weiter. Am Ende spendeten die etwa 70 Zuhörer begeistert Beifall im Stehen. Ein würdiger Abschluss der diesjährigen Calliope-Kammermusikreihe! Der aus 13 Mädchen und fünf Jungen bestehende, Mandolinen und Gitarren aufbietende Klangkörper hatte Werke älterer Meister wie Antonio Vivaldi und Henry Purcell im Programm. Es waren aber auch zeitgenössische Stücke zu erleben, etwa von Jürgen Golle und Annette Schneider, beide aus Zwickau. In Duo-Besetzungen erklang darüber hinaus Musik des auf den Spuren von Astor Piazzolla wandelnden Argentiniers Maximo Diego Pujol.

Die wohl eindrücklichste Interpretation gelang mit Yasuo Kuwaharas Werk "Song of Japanes Autumn", das den Kampf japanischer Bauern gegen Herbststürme beschreibt. Dabei kamen die Stärken des Ensembles geballt zum Tragen: frappierende Geschlossenheit, breit gefächerte Dynamik, ein langer Atem bei der Gestaltung markanter Höhepunkte, saubere spieltechnische Abläufe, selbst wenn das Tempo rasant anzieht. Erfreulich auch, dass mit Katja Wolf eine Vogtländerin Dreh- und Angelpunkt des Geschehens war. Die Irfersgrünerin, die nach ihrem Gitarren-Studium in Weimar als freiberufliche Dozentin und Instrumentalistin arbeitet, leitet seit 2015 das 1993 gegründete Landesjugendzupforchester. Ihr Dirigat vereinte wunderbar Präzision und Beweglichkeit. Sie strahlte zugleich Ruhe und Ansporn aus, vergaß bei aller souveräner Führung nie das Gemeinsame des Musizierens: jenes kostbare Geben und Nehmen, das letztlich erst besondere Konzerterlebnisse möglich macht.

Die Initiatorin der Calliope Reihe, Sarah Stamboltsyan, unterstützt von ihrem Mann Arthashes, würdigte am Freitag neben der Leistung der jungen Gäste auch den Veranstaltungsort. Seit drei Jahren sei ihre Reihe unter dem Motto "Kammermusik ohne Grenzen" in der Burg Mylau beim Futurum Vogtland bestens aufgehoben. 2020 steht - wie gewohnt im Wechsel zwischen Mylau und dem Forum an der Reichenbacher Wiesenstraße - der zehnte Calliope-Jahrgang an.

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