Kämpfer Karl holt kräftig auf: Bald geht's in den Kindergarten

Der kleine Werdaer hat eine lebensbedrohliche Knochenkrankheit überwunden und ist wieder daheim im Vogtland. Über den Spender, dessen Knochenmark ihn rettete, ist nur wenig bekannt.

Werda.

Der kleine Karl kommt dem Besucher an der Tür entgegen, gibt ihm die Hand und zeigt den Weg ins Wohnzimmer. Stolz präsentiert er dort seine Tiere, erklärt, wie sie heißen und welche Geräusche sie machen. Unglaublich, dass dieser aufgeweckte, fröhliche Junge noch vor zwei Jahren todkrank war. "Vor Erwachsenen hat er überhaupt keine Scheu, weil er so viele Ärzte, Krankenschwestern und sonstiges Krankenhaus-Personal kennengelernt hat", sagt Mutter Vanessa Müller (31). Schon kurz nach Karls Geburt im Mai 2016 zeigt sich, dass seine Schädelnähte (Fontanellen) zu schnell zuwachsen, dadurch hat das Gehirn zu wenig Platz. Karls Sehnerv wird geschädigt, die Operationen beginnen. Erst im März 2017 kommt die richtige, niederschmetternde Diagnose: Infantile Osteopetrose, auch Marmorknochenkrankheit genannt. Die Knochen verdichten sich, verdrängen das Mark. Einzige Überlebenschance für das Baby ist eine schnelle Knochenmark-Transplantation.

Karl hat Glück im Unglück: Mehrere potenzielle Spender werden entdeckt. Einer hat haargenau die Stammzellen, die der Kleine benötigt. Am 30. Mai 2017 findet die Transplantation statt. Alles klappt bestens. Doch trotz der hohen Passgenauigkeit, greifen die fremden Stammzellen Karls Körper an: Er bekommt Ausschlag, sein Magen-Darm-Trakt wird so schwer attackiert, dass er über eine Magensonde ernährt werden muss. Starke Medikamente halten das Immunsystem in Schach, damit es nicht noch mehr Schaden anrichtet. Karl lebt mit seiner Mama, manchmal auch mit dem Papa, in der Uniklinik Ulm. Er kämpft. Und es wird klar: Die Transplantation war erfolgreich, inzwischen gilt der kleine Junge als vollständig geheilt. Seit November 2018 ist die Familie wieder in Werda vereint. Noch muss er regelmäßig zu Untersuchungen und nimmt Medikamente. Doch die Mutter ist zuversichtlich: "Hoffentlich können wir bald alles absetzen." Während der heißen Juni-Tage hat die Familie ihren ersten richtigen Urlaub gemacht, an der Ostsee. "Zuerst war ihm das Wasser nicht geheuer - dann ist er mit dem Papa in die Wellen gerannt", sagt Vanessa Müller. Und Karl strahlt dazu.


Der Dreijährige holt zuhause schnell auf, was er versäumt hat, auch dank Frühförderung und Logopädie. Er klettert, rutscht und planscht, und er hat seinen eigenen Kopf, inklusive der normalen Trotzphasen. Bald soll kein Unterschied zu anderen Jungs seines Alters zu merken sein - bis auf die Sehschwäche, die bleiben wird. Seit kurzem trägt er eine Brille.

Zwei Jahre nach einer Knochenmarkspende besteht die Möglichkeit, mit dem Spender Kontakt aufzunehmen - wenn beide Seiten dies wollen. "Offenbar möchte unser Spender das nicht, leider", so die Mutter. Über die Klinik haben sie ihm schon Dankesbriefe zukommen lassen, ihn über Karls Fortschritte unterrichtet. Eine Antwort kam nicht. "Wir wissen nur, dass ein junger Mann gespendet hat, offenbar aus dem Großraum Köln. Wir sind ihm jedenfalls sehr dankbar."

Ab Herbst wird Karl in den Tirpersdorfer Kindergarten gehen. So schnell wie möglich soll er die Impfungen nachholen, die er wegen seines geschwächten Immunsystems nicht bekommen konnte. Weil diese fehlen, hatte er bisher wenig Kontakt mit anderen Kindern. "Wenn einige zu wild sind, hat er manchmal Angst. Daran muss er sich erst gewöhnen", sagt Vanessa Müller. Aber ihr Karl hat wesentlich schlimmere Herausforderungen gemeistert.

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