Kirche zieht sich zurück: Runder Tisch löst sich auf

Wille zur Gemeinsamkeit fehlt in bisherigem Zusammenschluss - Neues Bündnis will Arbeit fortsetzen

Reichenbach/Plauen.

Die evangelisch-lutherische Kirche hat ihre Arbeit und moderierende Rolle am Runden Tisch für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtlandkreis eingestellt.

In einer von Superintendentin Ulrike Weyer und Pfarrer Hans-Jörg Rummel unterzeichneten Mitteilung heißt es: "Wir sind dankbar für die aktive, kooperative und engagierte Zusammenarbeit, die wir an vielen Stellen erlebt haben, auch für den Rückhalt, den wir von verschiedener Seite bekommen haben." In den letzten Jahren sei es jedoch "immer schwieriger geworden, die breite Zivilgesellschaft sowie den Großteil der Parteien an einem Tisch zu versammeln. Es fehlte bei einigen wiederholt ein erkennbarer Wille zur Gemeinsamkeit." Schmerzhaft habe man erleben müssen, "dass verschiedene Akteure ihre Mitarbeit aufkündigten und der Runde Tisch zunehmend in Misskredit gebracht wurde". Das habe nicht dem Anliegen gedient. So sei man zur Einschätzung gelangt, "dass wir als Kirche unsere Aufgabe als Moderatorin nicht mehr erfüllen können". Aktiv begleitet habe sie den Prozess hin zu einer neuen Organisationsform, um aktuelle Herausforderungen aufnehmen zu können. Weyer und Rummel versichern: "Unabhängig von all dem, werden wir uns als Kirche ... weiterhin für Demokratie, Toleranz und Menschenrechte einsetzen."

Zugleich informiert die bisherige Koordinatorin am Runden Tisch, Ulrike Liebscher, dass sich am 7. Januar nun ein Bündnis für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtlandkreis gegründet habe. In der konstituierenden Online-Sitzung wurden als Sprecher Felix Bräunlich und Ulrike Liebscher gewählt.

Der Runde Tisch hatte sich 2012 auf Initiative des damaligen Superintendenten Matthias Bartsch gebildet, um rechtsextremistischer Propaganda und Aufmärschen sowie Gruppen entgegenzuwirken, die den Rechtsstaat diskreditieren. (us)

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33 Kommentare
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  • 0
    0
    Jemand
    19.01.2021

    Nicht ein einziger roter Daumen?

    Ist das Desinteresse oder Ignoranz?
    Bei diesem wichtigen Thema vermute ich Zweitens.

  • 0
    0
    Jemand
    18.01.2021

    Der bibeltreue Pastor hat auch den Vorstand der St. Martini Gemeinde hinter sich:

    https://www.bibelundbekenntnis.de/aktuelles/es-geht-um-bibel-und-bekenntnis-nicht-nur-in-bremen/

    Die Stellungnahme ist auch sehr interessant.

    Es ist immer wieder höchst erstaunlich, wie ein Verein mit so problematischen Strömungen (der Verein selber nennt das beschönigend "Vielfalt") in der Gesellschaft hohes Ansehen genießt.

  • 0
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    inoino
    17.01.2021

    Modernisierende Rolle der Kirche - das klingt eigenartig, wenn man sieht, wie gespalten die Kirche intern diesbezüglich ist. Der Fall Olaf Latzel zeigt das mehr als deutlich. Der im Nov. wegen Volksverhetzung verurteilte Pastor hat trotz bzw. auf Grund hetzerischer Predigten viele Anhänger (die es nicht schön finden, dass er auf Grund öffentlichen Druckes vom Dienst enthoben ist). Das ist bemerkenswert, wenn man sich z. B. folgende Predigt durchliest:
    "Da muss man eben auch Schnitte machen, wie hier Gideon. Schnitte – und ich sag das ganz bewusst. Der Name Gideon heißt: Hacker! Hacker! Ja, der ist nicht so … nach dem Motto: 'Ich häng mal ein Betttuch drüber über die Aschera (ein Götzenbild, das in der Textstelle so genannt wird, YM), damit's nicht gesehen wird, dann hab ich ja meinen Protest ausgedrückt' … oder ‚Ich mach' mal heimlich nachts ein Graffiti drauf'. Gott sagt: ‚Umhauen! Verbrennen! Hacken! Schnitte ziehen."

    https://www.csd-bremen.org/2020/pressemitteilung-29/