Klare Regeln für die Corona-Ambulanz

"Wer sich gesund fühlt, ist hier falsch": Allgemeinmediziner Dr. Udo Junker appelliert zum Auftakt in Plauen an Vernunft und Augenmaß aller Patienten - Anmeldungen sind nur über die Hausärzte und das Gesundheitsamt des Vogtlandkreises möglich

Plauen.

Knapp eine Woche nach Rodewisch und Reichenbach ist am Montagnachmittag in Plauen eine Corona-Ambulanz gestartet - ohne Gedränge und ohne Warteschlangen. Offiziell als erster Patient hat sich 14 Uhr Jens Reinwald testen lassen. "Ich gehe von einer normalen Erkältung aus", sagte der Fernfahrer in Diensten eines Thüringer Unternehmens, bevor er die Praxis betrat. Doch der Plauener war in mehreren Gebieten mit einer Häufung von Corona-Fällen unterwegs. Als nach der Rückkehr Beschwerden auftraten und Symptome ins Krankheitsbild passten, konsultierte er seine Hausärztin. "Sie hat sich um meine Anmeldung gekümmert", berichtet Jens Reinwald. Inzwischen sei auch seine Ärztin in Quarantäne.

Und hier die wichtigsten Fakten und der Ablauf in Plauen:

Die Corona-Ambulanz startet mit insgesamt 15 Ärzten sowie weiteren Mitarbeiterinnen im Haus 14 des Helios Vogtland-Klinikums Plauen. Zum Auftakt am Montagnachmittag betonte der Allgemeinmediziner Dr. Udo Junker, es seien weitere Ärzte für die Praxis nötig. Geöffnet ist wochentags 14 bis 17 Uhr und an Wochenenden 10 bis 12 Uhr.

Wer sich krank fühlt, kann nicht einfach in der Corona-Praxis auftauchen. Nur wer sich über seinen Hausarzt oder das Gesundheitsamt anmelden ließ, wird untersucht und behandelt. Die Anmeldung ist nicht mit Überweisungsschein nötig, es reichen Fax, E-Mail, SMS oder auch eine WhatsApp-Nachricht vom Hausarzt. Telefonisch geht es indes nicht. "Wer sich gesund fühlt, ist hier falsch", betonte Udo Junker. Die Kapazität der Corona-Ambulanz sollte ausschließlich Risikopatienten mit entsprechenden Krankheitssymptomen vorbehalten bleiben.

Statt eines Wartezimmers gibt es einen geräumigen Vorplatz, der genug Abstand zwischen den wartenden Patienten ermöglicht. Nach Aufruf betritt der Patient durch die Außentür den Hauptraum der Corona-Ambulanz.

Erster Schritt für jeden ist es, die Hände mit Desinfektionsmittel aus einer rechts auf einem Tisch bereitstehenden Flasche einzureiben. Denn wer bereits infektiös ist, soll seine Keime nicht verteilen.

Ein improvisierter Tresen mit bis zur Decke gespannter Folie dient als Barriere zwischen Patient und Mitarbeiterinnen. Der Patient reicht seine Chipkarte durch eine Öffnung, eine Art Fenster, und wird nach seinen Beschwerden und seinem Umfeld befragt. Die Aussagen werden auf einem Fragebogen vermerkt.

Der Arzt kümmert sich dann um den Abstrich, fragt Details ab und legt fest, wie es weitergeht. Schwere Fälle werden in der Rettungsstelle in Haus 3 eingewiesen. Der Arzt kann und wird in vielen Fällen anordnen, dass die Patienten zu Hause bleiben sollen. Doch auch wer eine Angina oder andere im Vergleich zu Covid 19 leichtere Erkrankung aufweist, erhält Krankenschein und Rezept.

Fünf Minuten pro Patient - das ist als Zeitvorgabe so zu schaffen. Udo Junker spricht von einem Kampfziel, das sich nur erreichen lässt, wenn jeder mitmacht und Rücksicht auf andere nimmt. Am ersten Tag kamen 25 Patienten.


Corona-Ticker: Jetzt 30 Fälle (+14) im Vogtlandkreis

Im Vogtlandkreis ist die Zahl der Covid-19-Erkrankten weiter gestiegen. Waren es am Freitag 16 Fälle, hat sich die Anzahl der Infizierten bis Montag auf 30 erhöht. Sie verteilen sich in der Region wie folgt: Treuen: 4, Lengenfeld: 3, Oelsnitz: 2, Falkenstein: 2, Jößnitz: 2, Reichenbach: 2, Muldenhammer: 2 sowie je 1 Erkrankter in Adorf, Rotschau, Rosenbach, Plauen, Limbach, Neumark, Mylau, Bad Elster, Netzschkau, Elsterberg, Rodewisch, Hartmannsgrün und Klingenthal. Laut Kreisbehörde werden die Fälle medizinisch betreut. Keine Angaben kann das Gesundheitsamt allerdings dazu machen, ob Betroffene auch bereits stationär aufgenommen werden mussten und inwieweit Risikogruppen betroffen sind. (em/us)

Ärzte im Ruhestand sind aufgerufen, sich im Gesundheitsamt des Vogtlandkreises zu melden. Sie sollen Testzentren unterstützen und gegebenenfalls zur Unterstützung des Rettungszweckverbandes und der Kliniken zum Einsatz kommen. Das Landratsamt hat am Montag einen entsprechenden Aufruf gestartet. Darin heißt es: "Bitte melden Sie sich, jede medizinische Hilfe wird gebraucht!" Interessenten wenden sich mit Namen, Ausbildungsstand, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Angaben zur Verfügbarkeit an folgende Adresse: paessler.marion@vogtlandkreis.de, Telefon 03741 300-1070. (bju)

Helfer werden von der Plauener Tafel gesucht. Laut Geschäftsführerin Konstanze Schumann verfügt die Einrichtung derzeit über "Ware im Überfluss". Auch hätten sich ausreichend Helfer gemeldet, die bei der Tafel mit anpacken möchten. Allerdings bleiben zurzeit Bedürftige offenbar lieber zu Hause, um sich vor Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Schumann sucht Helfer, die gepackte Warenkörbe zum Preis von vier Euro an die Bedürftigen verteilen. (bju)

Die Volksbank Plauen verkürzt auf Grund der Coronapandemie die Öffnungszeiten ihrer Filialen. Bis auf die Filiale Treuen bleiben aber alle Geschäftsstellen geöffnet. Die neuen Öffnungszeiten gelten ab dem heutigen Dienstag. Dabei wird im Interesse aller empfohlen, "nicht erforderliche Filialbesuche zu verschieben". Der Zahlungsverkehr werde mit allen Bezahlmöglichkeiten unverändert aufrecht gehalten. "Dazu gehört auch die ausreichende Versorgung mit Bargeld an den Geldautomaten", teilte die Volksbank am Montag mit.

Gewerbeabfälle können ab sofort wieder entsorgt werden. Wie das Landratsamt am Montag mitteilte, besteht für Gewerbetreibende des Vogtlandkreises ab dem heutigen Dienstag wochentags in der Zeit von 9 bis 15 Uhr die Möglichkeit, Gewerbeabfälle auf Wertstoffhöfen in Oelsnitz und Schneidenbach anzuliefern. Die Abgabe kommunaler und privater Abfälle ist weiter nicht möglich. (bju)

Die Tafel Reichenbach schließt vorübergehend. Laut der Vorsitzenden Petra Düntsch sollen so Gäste und Mitarbeiter geschützt werden. Zudem seien Spenden in den vergangenen Tagen "rapide zurückgegangen". Das Büro ist wochentags von 9 bis 11 Uhr erreichbar unter Telefon 03765 717893. (bju)

Die Stadt Plauen sperrt ihre Aussichtstürme.Wer einen Blick von oben auf Plauen werfen möchte, hat derzeit schlechte Karten. Wegen der Coronakrise hat die Stadt Plauen ab

sofort den Bärenstein- sowie den Kemmlerturm gesperrt. Das gilt vorerst bis zum 19. April. (bju)

Da die traditionelle Abc-Schützenparty bei Concepcion Seidel am Altmarkt in Plauen in diesen Tagen wegen der Coronaepidemie ausfallen muss, geht das Unternehmen verstärkt ins Internet, um Kunden für Schulranzen und die anderen Waren zu finden. Ab Dienstagnachmittag sollen die mehr als 150 Ranzen und alles andere auf der Homepage der vogtländischen Firma zu finden und bestellbar sein. (bju)


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