Kretschmer lobt das Vogtland als Pionier beim Breitband-Internet

Gut 22.000 Haushalte und 3400 Firmen im nördlichen Vogtland sollen bis 2020 von höheren Übertragungsraten profitieren, darunter auch Kobra Formenbau Lengenfeld. Sachsens Ministerpräsident zeigte sich angetan vom Weg des Kreises - er hörte aber auch Kritik.

Lengenfeld.

Der Startschuss für das Breitband-Internet-Projekt Vogtland-Nord ist gestern in Lengenfeld gefallen. Im Unternehmen Kobra Formen, Weltmarktführer bei Stahlformen für Betonsteine, wurden die Fördermittel überreicht und die Verträge unterschrieben.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) lobte den Vogtlandkreis als Pionier in Sachsen. Er habe sich frühzeitig für die bessere Breitbandversorgung stark gemacht und dafür auf Kreisebene die Koordinierung übernommen. Eine Kombination aus Bundes- und Landesförderung ermöglicht es, auch jene Gebiete zu erschließen, in denen ein Ausbau durch die Netzbetreiber wirtschaftlich nicht tragfähig ist.

Das Projektgebiet Vogtland-Nord umfasst Teile von Plauen, Auerbach, Ellefeld, Elsterberg, Falkenstein, Lengenfeld, Netzschkau, Neuensalz, Neumark, Neustadt, Pausa-Mühltroff, Plauen, Pöhl, Reichenbach, Rodewisch, Rosenbach, Steinberg und Treuen. Bis Anfang 2020 sollen mehr als 22.000 Haushalte und mehr als 3400 Unternehmen von höheren Bandbreiten profitieren. 550 Kilometer Glasfaserkabel und mehr als 350 neue Verteiler sind dafür nötig. Anders als beim Vectoring mit 100 Megabit pro Sekunde verspricht der jetzt beginnende Ausbau mit Glasfaser bis ins Haus eine Datenübertragungsrate bis zu 1 Gigabit pro Sekunde im Download und bis zu 500 Megabit im Upload. Das biete beste Voraussetzungen für Video-Streaming, Gaming, Arbeiten von zu Hause, Virtual Reality, Telemedizin oder Smart-Home.

Wie dringend die Wirtschaft Highspeed-Internet braucht, verdeutlichte Holger Stichel, Geschäftsführer der Firma Kobra Formen. "Bislang mussten wir uns mit einer 100 MBit-Standleitung der Telekom nach Chemnitz behelfen. Bei einer Unternehmerreise der IHK nach Litauen haben wir uns die Zukunft angeschaut", sagte er. Für die Firma mit 450 Mitarbeitern, die weltweit 2000 Kunden zählt, 56 Millionen Euro Umsatz erzielt und 75 Prozent seiner Produkte exportiert, sei schneller Datenaustausch unabdingbar.

Das Projekt Vogtland-Nord hat ein Volumen von rund 26 Millionen Euro. 50 Prozent und damit 13,17 Millionen Euro kommen aus der Bundesförderung. Diese Mittel überreichte gestern im Auftrag des Bundes Tim Brauckmüller, Chef der Berliner Agentur Atene Kom.

Den Förderbescheid des Freistaates Sachsen über 40 Prozent und damit 10,4 Millionen Euro aus dem Programm "Digitale Offensive Sachsen" übergab Ministerpräsident Kretschmer persönlich an Vogtland-Landrat Rolf Keil (CDU). "Eine Zukunft im ländlichen Raum gibt es nur mit Breitbandanschluss", ist Kretschmer überzeugt. Er betonte, dass der Freistaat auch den zehnprozentigen Eigenanteil der Kommunen übernehmen werde. Mit dem Doppelhaushalt 2019/20 wolle man einen Breitbandfonds Sachsen mit 700 Millionen Euro einrichten.

"Die Digitalisierung schreitet voran. Deshalb brauchen wir Hochleistungsnetze", sagte Landrat Keil. Er erinnerte, dass die Aufträge für das Gebiet Vogtland-Nord bereits im Februar vergeben wurden. Dass die Förderbescheide fünf Monate später kommen, sei alles andere als Highspeed. "Bei aller Dankbarkeit: Das muss schneller gehen", sagte er.

Für das Erschließungsgebiet der Stadt Plauen erhielten die Stadtwerke Strom Plauen den Zuschlag. Für die weiteren Gebiete ging der Auftrag an die Deutsche Telekom. Der Landrat unterzeichnete gestern die Verträge mit beiden Unternehmen. Nun wird gebaut.

Das Projektgebiet Vogtland-Süd mit Markneukirchen, Oelsnitz, Klingenthal, Schöneck, Mühlental und Muldenhammer soll schon 2019 durch die Telekom realisiert sein. Über 3000 Haushalte und 31 Unternehmen sollen dort profitieren. Kosten: rund 5 Millionen Euro.

Wo genau der Breitbandausbau erfolgt, zeigt diese Karte:

www.freiepresse.de/vbreitband

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