Kunstrasen-Debatte verunsichert Vereine

Das drohende Kunstrasenverbot ab 2022 sorgt im Vogtland für Unruhe. Das erste Planungsbüro zieht Konsequenzen.

Reichenbach/Plauen.

Millionen flossen in den vergangenen 30 Jahren im Vogtland in die Errichtung von Kunstrasenplätzen. Die aktuelle Debatte um Kunststoffgranulate als Füllstoff wirbelt in der Region Staub auf. In der Kritik sind die Granulate, da sie in die Umwelt und ins Abwasser geraten können. Auch feiner Plastestaub ist für Kritiker ein Argument gegen solche Sportstätten. Das drohende EU-Verbot ab 2022 ruft im Vogtland unterschiedliche Reaktionen hervor, wie eine Umfrage von "Freie Presse" ergab.

Als wirtschaftlichen Supergau für die betreffenden Vereine bezeichnet Thomas Geigenmüller das Verbot, sollte es tatsächlich eintreten. Geigenmüller ist Büroleiter und Projektleiter für Sportplätze beim Falkensteiner Architekturbüro Fugmann und Fugmann. Das Büro plante unter anderem den Kunstrasen für den Trainingsplatz in Lengenfeld, den Platz in Adorf und den Belag für das Vogtlandstadion in Plauen. Täglich gingen seit Beginn der Kontroverse Nachfragen besorgter Auftraggeber ein, bestätigt Geigenmüller. "Deshalb haben wir für uns schon festgesetzt, dass wir ab 2020 beim Kunstrasenbau keine Lösungssysteme mit Granulaten mehr nutzen", sagt er. In einem bundesweiten Netzwerk tauscht sich Geigenmüller mit Kollegen über die jüngste Diskussion aus. "Es tut sich gerade einiges, obwohl es noch keine Einschränkungen gibt." Als Alternativen werden Füllungen aus Kork, Sand oder mit Gras ergänzte Hybrid-Rasen-Plätze diskutiert.


Unterdessen drängt Sören Voigt, der sich als Landtagsabgeordneter für die CDU im Bereich Innenpolitik über Jahre für die Förderung von Sportstätten im Vogtland einsetzte, auf lange Übergangszeiten für bestehende, mit hohem finanziellen Aufwand sanierte Plätze. "Es ist eine unausgegorene Geschichte, die für Verunsicherung sorgt, aber völlig an der Realität vorbei geht", kritisiert Voigt und empfiehlt: "So lange es keine gesetzlichen Änderungen gibt, sollten Kommunen Ruhe bewahren und die Zeit nutzen, um ihre Plätze zu erneuern." Ein Verbot widerspreche der Fördermittelbindung, die für solche Plätze gilt. "Das wäre ja töricht", meint der Landtagsabgeordnete.

Das Problem: Der Zustand der Sportanlagen im Vogtland wird nicht zentral erfasst. Auch der Kreissportbund hat keinen lückenlosen Überblick, wo im Vogtland Kunstrasenplätze existieren und in welcher Qualität, bestätigt Geschäftsführer Michael Degenkolb auf Nachfrage. Es sei an der Zeit, diese Bestandsaufnahme zu schaffen, fordert er in Richtung der Kreisverantwortlichen. Landtagsabgeordneter Voigt sieht diese Aufgabe beim Städte- und Gemeindetag (SSG), da dort die Kommunen vertreten sind.

Der Chef des SSG, der Klingenthaler Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU), will das Thema zum nächsten Treffen mitnehmen, sagte er auf Nachfrage. Hennig ließ auf dem Dürrenbachsportplatz in der Stadt erst voriges Jahr neuen Kunstrasen auslegen - ohne Granulat. Als Füllstoff für den Vollkunstrasen kam Sand zum Einsatz. "Nie und nimmer würde ich unter den derzeitigen Vorzeichen einen Granulat-Kunstrasen in Auftrag geben", sagt Hennig. Die Stadt fahre auf Dauer trotz der höheren Investition sogar günstiger, da das Nachfüllen des Granulats wegfällt. "Wir setzen auch darauf, dass der Rasen aufgrund seiner höheren Dichte etwa fünf Jahre länger hält", meint Hennig.

Umstritten sind vor allem "schwarze" Granulate, die teilweise farbig ummantelt werden. Es sind Füllstoffe aus geschredderten Altreifen. In der Region stellt ein Recyclingbetrieb im Zwickauer Land die Granulate her. Wenn das Geld nur für die günstigste Variante eines Kunstrasens reicht, kommen schwarze Granulate zum Einsatz, erklärt Planer Thomas Geigenmüller. Auch auf Plätzen im Vogtland. "Wir haben uns stets gegen schwarze Granulate ausgesprochen und sie für unsere Plätze nicht verwendet", betont der Planer. Das Problem fehlender Finanzkraft für den Eigenanteil beim Sportstättenbau sieht auch Hennig, der aktuell um das Amt als Vizepräsident im SSG in Dresden kandidiert. Eines seiner Kernthemen ist, dass Flächenkommunen höhere Finanzspritzen für ihre Aufgaben brauchen. Mindestens eine halbe Million Euro müsse eine Kommune für einen Sportplatz einplanen, sei er auch noch so klein, betont Hennig. "Für Gemeinden ist das oft nicht drin, wenn sie sich nicht mit anderen zusammentun."

Selbst Plauen verschob die Sanierung eines maroden Kunstrasenplatzes in der Ostvorstadt auf 2022. Dann sei das nötige Geld da, hieß es aus dem Rathaus. Wie Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) sagte, wird vor dem Hintergrund der Debatte an eine Variante mit Korkfüllung als Alternative gedacht. (mit us)

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