Menschen mit Behinderung lassen "Träumen" freien Lauf

Der Dia-Shop Reichenbach präsentiert zusammen mit den Göltzschtalwerkstätten der Diakonie Auerbach eine besondere Ausstellung. 44 Bilder von neun Kreativen.

Reichenbach.

Im Dia-Shop Secondhand-Einrichtungshaus, das sich im ehemaligen Einkaufsmarkt in der Andreas-Schubert-Straße 1 im Reichenbacher Neubaugebiet befindet, wird am kommenden Dienstag, 14 Uhr eine besondere Bilderausstellung eröffnet. In Zusammenarbeit mit den Göltzschtalwerkstätten der Diakonie Auerbach sind unter dem Titel "Meine Träume" 44 Malereien und Zeichnungen von neun Künstlern zu sehen.

Alle Bilder wurden von Menschen mit Behinderung geschaffen, die in den Werkstätten tätig sind oder waren. Sie bilden einen Querschnitt des Schaffens der Jahre 2014 bis 2016 in dem von Heinz Wüst geleiteten Kreativkurs. Der ausgebildete Diakon und Heilerziehungspfleger hat in Rebesgrün 42 Jahre lang in Funktionen vom Angestellten bis zum Leiter von fünf Heimen mit 50 Mitarbeitern gearbeitet. Um bildungsunfähige, aber förderfähige Menschen hatte sich zu DDR-Zeiten die Kirche zu kümmern. Die Arbeit lief in Regie der "Inneren Mission", die nach der Wende zum Diakonischen Werk wurde. Ende 2017 ging Wüst in den Ruhestand.


Schon Jahre vorher trieb ihn eine Idee um. Unter den Menschen, die in der Behindertenwerkstatt arbeiteten, da war er sich sicher, gibt es verborgene kreative Talente. "Ich habe mit der Werkstattleitung gesprochen, um eine Arbeitsgruppe zu bilden. Der Kreativkurs traf sich schließlich alle 14 Tage. Dabei ging es weniger darum, dass große Kunst herauskommt, als darum, dass die Teilnehmer Spaß haben, unterschiedliche Techniken erlernen und ihr Können entwickeln", sagt Wüst. Am Anfang habe man mit Wasserfarben gemalt und mit Bleistift gezeichnet. Heute oft mit Acryl auf Leinwand. Auch mit Strukturpaste. Und zwar, ohne dass mit Bleistift vorgezeichnet wird. "Da haben wir etwas erreicht", freut sich der Kursleiter mit dem weißen Rauschebart.

Von den neun Teilnehmern, deren Werke ausgestellt werden, haben fünf inzwischen aus verschiedensten Gründen die Werkstatt verlassen. Das Projekt aber geht weiter. Wüst leitet im Ruhestand ehrenamtlich den Kreativkurs weiter, ebenso einen Glaubenskurs und die Theatergruppe in der Kirchgemeinde. "Aktuell entsteht ein fünfteiliges großes Werk, das den Lebensbogen von der Kindheit bis ins hohe Alter schlägt. Ein Regenbogen verbindet die einzelnen Teile", erzählt er.

Jens Keidel, Fachbereichsleiter der Diakonie-Tochterfirma Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Unternehmungen, freut sich, dass die Ausstellung jetzt in Reichenbach gezeigt werden kann. Vorher war sie schon in der Wohnstätte "Kirsche Haus", in der Diakonie-Begegnungsstätte und in der Sparkasse Auerbach zu sehen. "Drucke der einzelnen Werke können auch erworben werden", macht Keidel aufmerksam. Der Erlös soll in den Weiterbestand des Projektes fließen.

Sabrina Weber vom Dia-Shop Reichenbach meint: "Ich bin glücklich, dass wir die Ausstellung bei uns zeigen können, und hoffe, dass dadurch viele neue Leute in unseren Laden kommen."

Das Dia-Shop Secondhand-Einrichtungshaus, das vier Filialen im Vogtland hat, ist Teil des Integrationsprojektes der Diakonie Auerbach, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit Behinderung eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bieten. Außerdem gehören die Bereiche Dia-Home, Dia-Clean und Dia-Fit dazu.

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