Mit Biogas und Fördergeld: Stadtwerke bauen Kraftwerk

Eine Million Euro werden am Reichenbacher Heizwerk-Standort investiert. Die Agrargenossenschaft ist mit im Boot.

Reichenbach.

Die Stadtwerke Reichenbach (SWR) errichten am Obermylauer Weg ein zweites Blockheizkraftwerk. Die Kosten belaufen sich inklusive der Anschaffung, des Umbaus und der Bereitstellung auf eine Million Euro, wie SWR-Geschäftsführer Lars Lange im Gespräch mit der "Freien Presse" erklärte. Die Umsetzung der Investition am Standort des Heizwerkes ist schon bald beabsichtigt. Nächstes Jahr soll die Anlage bereits ans Netz gehen.

Ebenso wie beim 2010 errichteten ersten Kraftwerk beträgt die Leistung 800 Kilowatt (kW). Anders aber sieht es beim Zweck der Anlage aus. Das erste Blockheizkraftwerk erzeugt jährlich mehrere Millionen Kilowattstunden Strom und speist die am Obermylauer Weg anfallende Wärmeenergie ins Reichenbacher Fernwärmenetz ein. Der geplante Neubau dient in erster Linie jedoch einem anderen Zweck.

"Wir wollen in den Regelenergiemarkt einsteigen", erklärt Lars Lange. Das neue Kraftwerk soll für mehr Stabilität im bundesdeutschen 50-Hertz-Netz sorgen. Es soll "Fluktuationen ausgleichen". Die überall in den Kraftwerken erzeugte Energie muss mit der Abnahme am Markt stets im Gleichgewicht stehen - und wer sich als Energieerzeuger dieser Aufgabe stellt, darf mit Förderung rechnen. "Das ist dem Staat viel wert", argumentiert Lars Lange. Und die Stadtwerke wollen davon profitieren - und letztlich Reichenbach.

Der Geschäftsführer blickt weit in die Zukunft und versucht, die Stadtwerke stabil aufzustellen. Zugleich, argumentiert Lars Lange, sichere das mit erneuerbarer Energie betriebene Kraftwerk die Energieversorgung auch dann noch, wenn Kohle- und Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen.

Eine Schlüsselrolle beim Betreiben des Blockheizkraftwerkes spielt das von der Agrargenossenschaft Reichenbach gelieferte Biogas. Über eine 3,3 Kilometer lange Leitung fließt das zu 67 Prozent aus Gülle und ansonsten aus Pflanzen erzeugte Gas von der Biogasanlage in Rotschau zum Heizwerk. Die Kapazität reiche aus, um beide Kraftwerke mit der ökologisch sinnvollen und effizienten Energie zu beliefern. Der Druck in der Leitung müsse nur etwas erhöht werden. Lange spricht von einer "zukunftsorientierten Infrastruktur", die in Reichenbach entstehe, regionale Wertschöpfung inklusive. Und mit Biogas und anderen alternativen Energien steuern Stadtwerke und Agrargenossenschaft einen Kurs, der beiden hilft.

Dabei räumt der SWR-Geschäftsführer ein, dass es zwischen Stadtwerken und Agrargenossenschaft einst geknirscht hatte. Als die Biogasanlage in Rotschau 2006 die Energieversorgung für die Paracelsus-Klinik übernahm, fühlten sich die Stadtwerke "aus dem Markt gedrängt", wie Lars Lange rückblickend sagt. Von heute auf morgen verlor der Energielieferant seinen stärksten Abnehmer. Doch heute sind beide Unternehmen - der Landwirtschaftsbetrieb und der Energieversorger - regionale Partner. Beiden half der Deal, auch neue Arbeitsplätze sind entstanden.

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