Modelleisenbahner eröffnen Saison

Im Schützenhaus in Netzschkau zeigt der Club Göltzschtalbrücke nicht nur kleine Züge. Auch Kurioses wurde in die Szenerie eingebaut.

Netzschkau.

In die Netzschkauer Modelleisenbahnausstellung ist Leben gekommen: Das konnten die Besucher nun am ersten Ausstellungswochenende der Saison erleben. Vereinschef Bernd-Peter Dörfel: "Die Knöpfe waren im vergangenen Jahr schon da, aber noch nicht in Betrieb. Jetzt funktioniert alles."

Staunend schauten die Besucher auf den winzigen Fotografen, dessen Blitzlicht nach dem Knopfdruck aufleuchtete. Nur wenige Zentimeter weiter war ein Mann zu sehen. Ein aufleuchtender Strahl geht nahe eines Baumes nieder: "Er verrichtet seine Notdurft", erklärte der Vereinschef dazu. Die Aktionen erfolgen zeitversetzt. Dörfel: "Es würde sonst Probleme geben, nicht bei den Lichtern, aber bei den mechanischen Teilen, wenn die acht Stunden pausenlos in Betrieb sind." Mechanisch bewegt wird zum Beispiel die Hollywoodschaukel in einem Limbacher Garten, auf der ein Liebespärchen sitzt. Dass es ein Limbacher Garten ist, erklärt sich aus der Anlage heraus, die ein Stück Netzschkauer Zeitgeschichte aus den 1980er-Jahren zeigt. Neben der Feldstraße fährt der Zug unterhalb des Kuhberges weiter in Richtung Limbach. In der anderen Richtung steht das Gelände der früheren Netzschkauer Maschinenfabrik Nema, in der viele Einheimische beim Bau von Kältetechnik in Lohn und Brot waren. Eine Szene, die auf dem Zugbrett stattfindet, haben sie jedoch nie erlebt: Die Olsenbande aus den dänischen Krimi-Filmen hält sich für Dreharbeiten auf dem Betriebsgelände auf.

Die Mitglieder des Modelleisenbahnclubs Götzschtalbrücke haben in den vergangenen Wochen noch einmal Hand angelegt, um die Besucher mit solchen Details zu überraschen. Helga Pfeifer begeisterte sich zum Beispiel für eine Szene, bei der Pferde vor einer Kreuzotter erschrecken und durchgehen, während der Pferdewagen auf der Seite am Boden liegt und ein Bauer alles fallen lässt, um zu helfen. Gleich nebenan ist eine winzige Bachratte zu sehen, die einen Schwan ärgert, der hochfliegen will.

Eberhard Pfeifer: "Wir kommen jedes Jahr her, denn es interessiert uns, wie sich alles entwickelt." Seine Frau ist genauso begeistert. Helga Pfeifer: "Was die Modellbahner hier machen, ist einfach spitze. Man sieht außerdem Sachen, die es gar nicht mehr gibt." Der ehemalige Staatszirkus Busch ist genauso Geschichte wie das einst gut funktionierende Bahnbetriebswerk Reichenbach samt seiner Drehscheibe.

Der Vereinschef erinnerte sich auch an weniger glückliche Stunden seiner Schulzeit: "Hier in der Lessingturnhalle hatten wir Sportunterricht." Die Halle steht nicht mehr. Gleich um die Ecke in der Feldstraße befindet sich eine Baustelle, auf der ein Mann mit Presslufthammer pickert - auf Knopfdruck. Daneben klopft jemand einen Teppich aus. "Man kann dazu noch Geräuschmodule kaufen", meint Dörfel. Allerdings ist es in den Räumen unter dem Dach des Schützenhauses schon laut, wenn die Züge über die Gleise schnaufen, in einen Schieferbruch mit leerem Waggon einfahren und vollem herauskommen oder das einzigartige Göltzschtalbrücken-Modell überqueren. Dazu kommen die Autogeräusche oder auch ein Feuerwehreinsatz mit viel Tatütata, während die Heiligen drei Könige an der roten Ampel warten oder ein Mann seiner Angebeteten nach dem Bad im Swimmingpool den Bademantel zum Umziehen hält.

Die vielen Details eignen sich wunderbar für ein Suchspiel. Doch das haben die Modellbahner mit mäßigem Erfolg ausprobiert: "Die Leute sind nur noch herumgerannt und haben gesucht und nicht mehr auf die Züge geschaut", so der Vereinschef.

Wer das Ausstellungswochenende verpasst hat, kann am 6. und 7. sowie 13. und 14. Januar in das Schützenhaus in Netzschkau kommen. Oder es so machen wie Lucas (5) und seine Uroma, die im vorigen Jahr an allen Ausstellungstagen da waren, weil Lucas sich vor allem für die selbst fahrenden Autos interessierte.

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