Musiker erweist sich als politischer Texter

Jochen Distelmeyer spielte im Reichenbacher Neuberinhaus Songs der Rockgeschichte. Zudem hatte er etwas zum Präsidentschaftswahlkampf in den USA zu sagen.

Reichenbach.

Zum Konzert mit Jochen Distelmeyer waren am Freitagabend die eingefleischten Fans des Sängers ins Foyer das Neuberinhauses gekommen, einige aus Chemnitz. Sie hatten den früheren Blumfeld-Sänger und -Gitarristen im März in Chemnitz erlebt und waren so begeistert, dass sie die Fahrt ins Vogtland unternahmen.

Distelmeyer, der von Daniel Florey (Gitarre, Keyboard) musikalisch unterstützt wurde, hatte Probleme bei der Reise ins Vogtland: Er sprach von einer "ausführlichen Autobahnfahrt". Am Tag zuvor war er in den Kammerspielen Bochum aufgetreten.

Für Irritationen hatte das Ankündigungsplakat mit dem Titel "Otis" gesorgt. "Otis" ist der bei Rowohlt 2015 erschienene Gegenwartsroman des Hamburger Musikers, den er im Rahmen einer Lesereise vorgestellt hat. Ein Jahr später erschien das Solo-Album "Songs from the Bottom" mit Coversongs. Der Roman spielte jedoch eine untergeordnete Rolle am Abend.

Distelmeyer bot am Freitag nur einen kleinen Auszug aus dem Buch, frei vorgetragen. Mit dem Satz "Die Sonne hatte sich den Himmel zurückerobert und schien über den Häusern der Stadt" beginnt die moderne Odyssee um Christian Funke und das Berliner Großstadtleben. Mit dem einen Textauszug wollte es Distelmeyer bewenden lassen.

Auch die inzwischen vergriffene CD wurde nicht rauf und runter gespielt. Die Zuhörer erlebten eine bunte Mischung mit Songs von den Brüdern Gibb (Bee Gees), Roberta Flack, Nick Lowe oder Supertramp. Den Bandnamen Supertramp sprach er auf besondere Art aus und übte das auch mit dem Publikum, das zunehmend besser mit dem scharfen Eingangs-S, dem fast schon französisch nuancierten U und dem spitzen T zurechtkam.

Einen Song widmete er der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, der er wünscht, "dass sie sich gegen den wahnsinnigen Faschisten" durchsetzt, obwohl auch bei ihr nicht alles unproblematisch sei. Dafür erhielt er Zustimmung aus dem Publikum.

Distelmeyer hatte sich schon mit der Band Blumfeld gegen rechts engagiert, zum Beispiel nach den Anschlägen auf Flüchtlingsheime im Rostocker Neubaugebiet Lichtenhagen. Die beiden Musiker wurden am Freitagabend erst nach mehreren Zugaben entlassen.

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