Neue Schau im Vogtlandmuseum: Spitzenmäßige Raritäten zu sehen

Besucher können seit Sonntag über Kreationen der Plauener Kunstschule staunen. Ein Kandinsky-Bild spielt auch eine Rolle.

Plauen.

Mehr als 75 Jahre nach ihrem Ende kommt die wichtige Bildungsstätte der vogtländischen Textil- und Spitzenindustrie jetzt nochmals zu Ehren. Am Sonntag eröffneten der Direktor des Vogtlandmuseums, Martin Salesch, und der Leiter des Kunstgewerbemuseums Dresden im Schloss Pillnitz, Thomas Geisler, die gemeinsame Schau "Nouveautés - Kunstschule und Spitzenindustrie in Plauen" in den Räumen an der Nobelstraße. Nouveautés steht für Neuheiten.

Marion Ackermann, die Direktorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, schwärmte vor etwa 50 geladenen Gästen im Festsaal des Hauses: "Es sind wunderschöne Räume." Die Erforschung der Geschichte der von 1877 bis 1945 bestehenden Einrichtung an der oberen Bahnhofstraße sei den Kunstsammlungen "eine Herzenssache". In Dresden werde viel industriell gefertigte Spitze aufbewahrt. "Wir wollen, dass die Kooperation weitergetrieben wird", so Ackermann. Sie sei begeistert von dem Begleitkatalog zu Ausstellung. Es sei einer der schönsten, den sie bisher in den Händen gehalten habe.

Nicht weniger interessant sind die ausgestellten Sammlungsstücke und Dokumente. "Das ist ein Original-Film aus der Kunstschule", erklärte Katrin Färber, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Vogtlandmuseum, bei einer ersten Führung. Den Streifen mit bewegten Aufnahmen aus dem Gebäude fanden die Forscher im Bundesfilmarchiv. Auf einem Monitor ist das Zeitdokument zu betrachten.

Auch ein nicht weit davon entferntes Foto stellt eine Rarität dar. Es zeigt das einst im Schulhaus hängende Wassily-Kandinsky-Bild "Schwarzer Streifen". Das Bild selbst ist verschollen. Nach einer erfolgreichen Ausstellung von Kandinsky in der Kunstschule 1927 hatte sich Direktor Karl Hanusch um den Ankauf bemüht. 1928 hielt er das Werk in Händen. Das Foto davon stammt "von einer Ministeriums-Akte im Staatsarchiv", berichtete Ute Thomas, eine der Ausstellungsmacherinnen. Gemeint ist das Ministerium für Volksbildung der DDR, wie man unter dem Exponat nachlesen kann.

Anders als gewohnt sieht der Besucher viele Spitzenstücke diesmal nicht in Vitrinen. Darauf hat die ebenfalls an dem Forschungsprojekt beteiligte Beate Schad hingewiesen - einst Leiterin der Schaustickerei in Reusa. Durch die Zusammenarbeit mit den Dresdenern habe sich ihre persönliche Sichtweise geändert. Edle Spitze gehöre auch edel präsentiert. Davon sei man in der Vergangenheit oft ausgegangen, und habe sie in Vitrinen gezeigt. Diesmal umgeben gerüstartige Stangen und Rollen die zarten Muster. Im Museum spricht man von "Maschinen". Die filigranen Stücke sind industriell mittels großer Maschinen angefertigt worden. Genau das wird mit dieser Art der Präsentation verdeutlicht. Das zarte Material sei ein Kontrast zur Technik, so Kuratorin Kerstin Stöver in ihrer Ansprache.

Gabriele Rudolph, Leiterin der Schaustickerei, zeigte sich begeistert von der Exposition. "Das haben wir als Replik bei uns", sagte sie stolz von einem der Exponate.

Den Katalog zur Ausstellung "Nouveautés - Kunstschule und Spitzenindustrie in Plauen" gibt es für 24 Euro im Museumsshop. Die Schau dauert bis zum 10. Januar.

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