Neuer im Stadtrat will Bürger mobilisieren

Erfahrung in der Kommunalpolitik hat Matthias Böttger aus Waldkirchen noch keine. Ideen, mit denen er die Arbeit des Stadtrates in Lengenfeld mitgestalten will, hegt er schon.

Waldkirchen.

Einen Erfolg beim ersten Anlauf zur Kommunalwahl im Mai erzielte der 40-jährige Matthias Böttger aus Waldkirchen. Böttger holte auf Anhieb 666 Stimmen und damit die zweithöchste Stimmzahl aller für den Stadtrat Lengenfeld kandidierenden Bewerber. Vor ihm liegt lediglich noch der ebenfalls für die BIL angetretene Ingo Zöbisch mit 1764 Stimmen. Die BIL setzte den Waldkirchener, der kein Mitglied der Bürgerinitiative ist, auf Listenplatz Nummer 3.

Böttger, selbst überrascht von seinem Ergebnis, bezeichnet sich als kommunalpolitischen Neuling ohne Erfahrung: "Trotzdem möchte ich mich mit eigenen Ideen in den Stadtrat einbringen." Blauäugig tritt er nicht an: "Ich weiß, dass es hier um Sacharbeit geht und dass der Stadtrat oft nicht das entscheidende Gremium ist, sondern an Verfahren nur beteiligt wird und sich dabei an die bestehende Gesetze zu halten hat." Um sich fit für seine künftigen Aufgaben zu machen, wälzt Böttger derzeit kommunalpolitische Fachliteratur. Was ihm bei seiner Arbeit aber besonders wichtig sein wird, weiß er schon jetzt: "Ich möchte mich für das bürgerschaftliche Engagement einsetzen. Ich bin mir sicher, in Lengenfeld geht da noch mehr. Es gibt viele Leute, die bereit sind, sich einzubringen. Man muss sie nur abholen und ihnen eine Plattform bieten", so Böttgers Vorstellungen.


Die Vorzeichen in Lengenfeld stehen gut, findet der Neueinsteiger. Es gebe schon jetzt viele Dinge, die leben nur, weil sie eben nicht unter rein wirtschaftlichen Aspekten betrachtet werden, sondern weil sich Menschen, egal ob nun Stadträte oder andere Ehrenamtliche, dazu bekennen. Das Freibad sei so ein Beispiel oder die beiden Museen und nicht zuletzt alle Vereine. Böttger empfindet das so: "Das Gesamte wird nur so gut, wie der Einzelne bereit ist, sich einzubringen."

Matthias Böttger, der seit 17 Jahren verheiratet ist und mit seiner Familie, dazu gehören zwei eigene und ein Pflegekind, seit 2011 in Waldkirchen wohnt, fühlt sich wohl in seiner Heimat. Als Pendler und Softwareentwickler hat er auch einige Jahre in Basel und Köln gearbeitet. Seine Heimatstadt endgültig verlassen, das wollte er jedoch nie. "Ich fühle mich hier wohl und ich finde, Lengenfeld hat sich gut entwickelt." Ein Maßstab dafür sei die Anzahl junger Familien und das soziale Miteinander. Außerdem liege Lengenfeld zwischen den Zentren Plauen und Zwickau günstig mit kurzen Verkehrswegen zur Autobahn. Das Gewerbegebiet ist belegt, Wohnungsbau finde statt. Alles Zeichen dafür, dass der bisherige Stadtrat mit seinem Bürgermeister eine gute Arbeit geleistet haben.

Der Leerstand von Geschäften, den es auch gibt, sei kein alleiniges Lengenfelder Problem. Obwohl aus Böttgers Sicht weitere Gastronomie und belebte Geschäfte der Stadt gut tun würden, weiß er, wie schwierig das ist: "Den Stein des Weisen für das Kleingewerbe habe ich auch noch nicht gefunden, aber vielleicht können wir als Stadträte gute Ideen fördern." So versucht Matthias Böttger, sich gedanklich an dieses schwierige Thema heranzutasten.

Seinen und den Eintritt einiger anderer, jüngerer Neulinge in den Stadtrat sieht Böttger auch als Generationswechsel. Ein paar altgediente Stadträte, wie Bernd Reiher aus Waldkirchen oder Friedhold Böttger aus Wolfspfütz, scheiden aus. Andere sind noch dabei. "Darüber bin ich auch froh, sozusagen im Fahrwasser der Leute mit Erfahrung das Metier kennenlernen zu können. Genauso finde ich es richtig, dass der alte Stadtrat den Haushalt beschließen soll und nicht wir Neuen, die wir damit gar nichts zu tun hatten."

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