Nicht alles wird als Waffe eingestuft

Horst-Günter Hagemann hat von der Polizei im Mai beschlagnahmtes Material zurückerhalten. Die Liste der Gegenstände, die verwahrt bleiben, ist jedoch fast genauso lang.

Reichenbach.

In der Werkstatt von Horst-Günter Hagemann in Reichenbach stapeln sich 25 Kisten und mehr als 20 Kartons. Das Landeskriminalamt hat dem 70-Jährigen am vergangenen Freitag Gegenstände zurückgebracht, die im Mai zur Durchsetzung des gegen ihn erlassenen Waffenbesitzverbotes beschlagnahmt worden waren.

"Es handelt sich hierbei um die Sachen, die nach der bisher durchgeführten Überprüfung nicht unter das Waffengesetz fallen", erklärt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Zwickau, Ines Leonhardt, auf Anfrage. Darunter befinden sich zum Beispiel Patronenhülsen, Magazine, Gewehrkolben, Messer, Vermessungsgeräte sowie ein Bogen samt Pfeilen. Auch das Firmenschild von Büchsenmacherei, Waffenfachhandel und Metallbau bekam er wieder.

Die Liste der Gegenstände, die beschlagnahmt bleiben, weil sie voraussichtlich unter das Waffengesetz fallen, ist allerdings fast genauso lang. Auch sie liegt Hagemann Schwarz auf Weiß vor. Darauf stehen Vorderlader, Schreckschusswaffen, Luftdruck- und Softair-Waffen, eine Reihe scharfer Patronen, Teleskopschlagstöcke, Bajonette, Dolche, ein Schwert und eine Armbrust. "Diese Gegenstände müssen noch begutachtet werden, sodass das Ermittlungsverfahren wegen Verstoß gegen das Waffengesetz noch nicht abgeschlossen werden konnte", teilt Staatsanwältin Ines Leonhardt mit.

Horst-Günter Hagemann, Diplom-Ingenieur für Artillerie-Technik und Bewaffnung und bis 1994 Major der Bundeswehr, betrieb danach eine Büchsenmacherei und einen Waffenfachhandel in Reichenbach. Mittlerweile liegt jedoch ein bestandskräftiges, unanfechtbares Waffenbesitzverbot gegen ihn vor.

Dass er heute nicht einmal erlaubnisfreie Waffen führen darf, entlockt ihm ein Kopfschütteln. 2007 waren ihm alle Waffenbesitzkarten entzogen sowie die Waffenhandels- und -herstellungserlaubnis widerrufen worden. Er sei "unzuverlässig und persönlich nicht geeignet", begründete der Vogtlandkreis. Denn Hagemann, der seinerzeit zu den Reichsbürgern gezählt wurde und sich heute als Bürger der DDR versteht, erkenne die BRD und ihre Gesetze nicht an.

2012 folgte die Verschärfung: Laut Jagd- und Waffenbehörde des Vogtlandkreises wurde es ihm "ab sofort untersagt, Waffen oder Munition, deren Erwerb und Besitz nicht der Erlaubnis bedarf, zu erwerben oder zu besitzen". Der Anlass: Auf der Fahrt zum Bodensee hatte ihn die bayerische Autobahnpolizei kontrolliert und einen Teleskopschlagstock unterm Lenkrad, ein Bajonett im Kofferraum und eine Machete in einem Rucksack gefunden. Letztere seien Anschauungsstücke für potenzielle Kunden gewesen, sagt Hagemann. Damals sei doch sein Gewerbe noch angemeldet gewesen. Erst Jahre später wurde es von Amtswegen abgemeldet.

Und was wird jetzt mit den Kisten und Kartons? "Die müssen raus aus der Werkstatt", sagt Hagemann, der hier bald einen alten Ural, einen sowjetischen Militär-Lkw aus DDR-Zeiten, wieder aufbauen will.

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