Note 4+ für Innenstadt: Händler fordern bessere Kommunikation

In Reichenbach hat der City-Manager die Ergebnisse der Händlerbefragung vorgestellt. Dabei schlugen die Wogen hoch.

Reichenbach.

Wenn es Schulnoten für die Entwicklung der Reichenbacher Innenstadt in den letzten fünf Jahren gäbe, so stünde da aus Sicht der Händler und Dienstleister auf dem Zeugnis eine 4+. Exakt liegt der Wert bei 3,6. Das hat die Händlerbefragung ergeben, deren Ergebnisse City-Manager Severin Zähringer am Dienstagabend in der Brasserie Forbriger beim Gewerbestammtisch des Oberbürgermeisters vor 29 Interessenten vorstellte.

Von 94 verteilten Fragebögen kamen 44 und damit weniger als die Hälfte ausgefüllt zurück. "Mehr als 50 Prozent der Händler ist egal, was passiert", kommentierte OB Raphael Kürzinger (CDU) dies und fragte, wie man diese Gruppe in Zukunft erreichen kann. Zähringer erklärte, man habe alle mehrfach angesprochen. "Wir wollen alle, die schon aktiv sind, mitnehmen und die anderen animieren. Wichtig ist, dass die Stadt lebendiger wird", sagte er.

29 Umfrageteilnehmer sind Einzelhändler, dazu kommen je fünf Dienstleister und Gastronomen, vier Handwerker und ein Gesundheitsbetrieb. 43 Prozent haben mehr als nur eine Filiale. Die Verkaufsfläche beträgt im Schnitt 103 Quadratmeter. 57 Prozent der Betriebe haben zwei bis fünf Mitarbeiter, 25 Prozent nur einen. 68 Prozent betreiben eine eigene Internetseite, 52 Prozent eine Facebook-Business-Seite. Die Hälfte beteiligt sich am Stadtgutschein-Projekt. 50 Prozent der Teilnehmer sind Mitglied im Gewerbeverein.

Die Stimmungslage zeigt klar Defizite und Wünsche auf. Verbesserungsbedarf wird sowohl in der Arbeit der Stadtverwaltung als auch in jener des Gewerbevereines zuallererst in der Kommunikation, sprich im gegenseitigen Austausch, gesehen. Es folgen: schnelleres Umsetzung von Ideen und die Stärkung des Wir-Gefühls. Erwartet wird, dass der Bestand gestärkt und neuer Handel in der Innenstadt angesiedelt wird. Leerstand und der Zustand der alten Post stehen unter Kritik.

Mike Simon vom Tierfachgeschäft lieferte sich einen hitzigen Disput mit dem OB. Er kritisierte, dass seit einem Jahr nichts sichtbar in der Zwickauer Straße passiert sei, und verwies auf das "Ab in die Mitte"-Projekt und die übel aussehenden Blumenkübel. Kürzinger erklärte, das Projekt habe neu angepasst werden müssen, als die Fußgängerzone nach dem Aufstand der Händler vom Tisch war. Der OB beschuldigte Simon, die Stadt mit seinen Facebook-Posts schlecht zu reden, worauf dieser aufstand und ging.

Das mit den Blumenkübeln habe er binnen drei Tagen mit der Stadt klären können, sagte Severin Zähringer. Er sei für solche Hinweisedankbar, ohne dass gleich alles auf Facebook stehen müsse. "Deshalb sind wir froh, dass es den City-Manager gibt. Es gibt immer ein paar Ecken, die besser werden müssen. Es ist ein Lernprozess", fand Bernd Müller von Expert Müller.

Frisörin Claudia Damisch erklärte: "Ich nehme heute nichts mit nach Hause. Es ist mir zu langatmig, zu träge." Zähringer hielt gegen, er könne ja nicht wild leer stehende Läden plakatieren, um Händler zu finden. Silke Baumann, 2. Vorsitzende des Gewerbevereins, sah zwei Gründe allen Übels: Zum einen das fehlende Wir-Gefühl. Zum anderen werde über das Negative gesprochen, statt das Positive zu stärken.

Die Präsentation der Ergebnisse findet sich im Internet auf:

www.dein-reichenbach.de


Kommentar: Das Wirgeht besser

Die Stimmungslage in der Innenstadt ist eher kritisch. Note 4+ eben. Und mit der Kommunikation klappt es nicht. Sie muss besser werden, sowohl seitens der Stadtverwaltung als auch seitens des Gewerbevereins. Das sind Hausaufgaben, die aus der Händlerbefragung des City-Managers resultieren.

Schwarz-Weiß-Denken hilft dabei nicht weiter. Knapp 50 Prozent Rücklauf bei einer Fragebogenaktion gelten eigentlich als top. Warum also meint der OB, der anderen Hälfte der Händler wäre egal, was passiert? Und ist, wer Negatives klar benennt, ein Nestbeschmutzer? Oder kann sich nur so etwas zum Positiven wenden? Kräfte vereinen statt spalten - das ist die Kunst. Und der Ton macht die Musik. Fest steht für Reichenbach: Das Wir geht besser.

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