Obduktion: Säugling kam lebend zur Welt

Staatsanwaltschaft führt Untersuchungen zur Todesursache fort

Plauen.

Das kleine Mädchen, dessen Leiche Polizisten am Dienstagnachmittag in einer Wohnung an der Straße der Deutschen Einheit fanden, lebte nach der Geburt noch. Das ist das erste Ergebnis der gerichtsmedizinischen Untersuchung. Damit erhärtet sich der Totschlagsverdacht gegen die Kindsmutter. Zeichen einer äußeren Gewalteinwirkung fanden die Gerichtsmediziner aber nicht, teilte die Staatsanwaltschaft Zwickau am Freitag mit.

Weitere Untersuchungen sollen die Todesumstände klären. Woran der Säugling starb, ist noch unklar, sagte Ines Leonhardt, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ebenso unklar ist, wie lange das Kind gelebt hatte. Die 30-jährige Mutter liegt im Krankenhaus und ist weiterhin nicht vernehmungsfähig, was die Ermittlungen erschwert. Sie hatte zu Hause entbunden. Der Zeitpunkt der Geburt ist nicht bekannt. "Es kann sein, dass die Entbindung schon zwei Tage zurücklag. Aber im Rahmen der Obduktion finden dazu noch Untersuchungen statt", sagte Leonhardt.

Am Dienstagmorgen wollte die Mutter der 30-Jährigen ihre hochschwangere Tochter besuchen. Sie rief den Notarzt. Die Sanitäter fanden kein Baby und schalteten die Polizei ein. Die Beamten suchten mit einem Spürhund das Gelände ab. Den toten Säugling fanden sie mehrere Stunden später versteckt in der Wohnung der Kindsmutter.

Vom Kindsvater lebt sie getrennt. "Zu ihm können wir keine Aussagen treffen, weil wir die Frau noch nicht vernehmen können", so Leonhardt. Die dreifache Mutter war Crystal-Konsumentin. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Blutuntersuchung an, die klären soll, ob sie zum Zeitpunkt der Geburt unter Drogen stand. Das Ergebnis steht noch aus, da das Blut nach mehreren Wirkstoffen analysiert wird.

Indes wächst der Druck auf das Jugendamt. Die Behörde hat sich bislang nicht geäußert. Sie beruft sich auf den Datenschutz. Boulevardblätter berichten, dass eine der beiden älteren Töchter den Kindergarten nicht mehr besuchen durfte, weil die Mutter dort Schulden hatte. Ob in dem Moment ein Frühwarnsystem gegriffen hat, dazu gibt das Landratsamt keine Auskunft. In einer Stellungnahme heißt es: "Das Jugendamt erhält nicht zwangsläufig eine Information, wenn Kinder ihre Kindergartenplätze aufgrund nicht gezahlter Gelder verlieren."


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