Oldtimer pflegt Oldtimer

Günter Schmidt aus Mylau hat einem 1932 in den Prager Flugzeugwerken gebauten Aero 662 neues Leben eingehaucht - und was für einem. Die Rarität könnte bei den Vogtland Classics rollen.

Mylau.

Wer diese Rarität auf vogtländischen Straßen sehen will, der braucht viel Glück. Günter Schmidt aus Mylau ist mit seinem Aero 662 nämlich erst ein einziges Mal auf Achse gewesen. Vor drei Jahren brach auf der Fahrt nach Mühlwand die Kurbelwelle. Es gab nicht wenige, die da beim Vorbeifahren große Augen gemacht hatten. So ein Interesse könnte es in Kürze wieder geben, wenn Günter Schmidt mit dem in vielen Jahren restaurierten Kleinwagen bei der vom Oldtimerclub Reichenbach am 14. September organisierten Ausfahrt im Rahmen der Reihe Vogtland Classic am Start ist. "Eventuell mach ich da mit, mal sehen", sagt Günter Schmidt, der von sich selbst augenzwinkernd sagt: "Oldtimer pflegt Oldtimer."

Und das seit 1997. Damals kaufte der gelernte Werkzeugmacher und studierte Maschinenbauer den Aero von einem Autoliebhaber nahe Chemnitz ab. Da hatte er schon zwei Jahre lang ein Auge auf die Rarität aus Tschechien geworfen - zunächst vergeblich. "Doch dann wollte der Mann ein Haus bauen und brauchte Geld, da hat er ihn mir verkauft." Und zwar in einem eher desolaten Zustand. Die Kolbenringe waren festgebrannt, kein Rad lief rund, und die Bremse funktionierte nicht. "Und aus dem Tank hat's getropft wie aus einem Sieb."

Günter Schmidt, der noch andere Raritäten in ihre Kleinteile zerlegt und restauriert hat, nahm sich auch für den 1932 in den Prager Flugzeugwerken gebauten Patienten viel Zeit. "Für so etwas braucht man Lust und Laune. Immer, wenn ich Muse hatte, hab ich gebaut", erzählt der Tüftler über die eine oder andere Besonderheit seines als Dreisitzer deklarierten Flitzers: Wer den dritten Sitz sucht, muss die Heckklappe öffnen - dort befindet sich der so genannte Schwiegermuttersitz. Zudem verfügt der Rechtslenker über lediglich eine gebremste Achse, weshalb Günter Schmidt für die Straße eine Sondergenehmigung braucht.

Außerdem hat das Modell einen wassergekühlten, 18 PS starken Zweizylinder-Zweitaktmotor, der dem Vernehmen nach seinerzeit Begehrlichkeiten bei anderen Produzenten geweckt haben soll. So habe die Auto Union dieses Patent gekauft.

Fakt ist, dass der Aero sehr robust war und dies bei vielen Motorsport- und Langstreckenfahrten unter Beweis stellte. Am Steuer saß dabei meist Rennfahrer-Legende Bohumil Turek. Auch Günter Schmidt schätzt das in einer Auflage von etwa 2500 Stück gefertigte Fahrzeug wegen seiner eher einfachen Bauart. "Der Flitzer war für Leute mit kleinem Geldbeutel gedacht und erinnert mich immer an den Trabi."

Gebaut wurde dieser Aero von 1931 bis 1934 als Cabriolet und Limousine. Das Modell geht indes zurück auf den zweisitzigen Enka, den der tschechische Ingenieur Bretislav Nowotny entwickelt hatte und der mit einem Einzylinder-Zweitaktmotor ausgestattet war. Ab 1929 entwickelten die nun auch Autos produzierenden Prager Flugzeugwerke das Auto weiter.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...