Oster-Bräuche im Wandel

Während noch vor 75 Jahren auch beim Osterfest im Vogtland strenge Regeln galten, gehen es die Menschen heute lockerer an.

Plauen.

Ostern ist vor Weihnachten und Pfingsten das wichtigste kirchliche Fest, an dem die Christen die Auferstehung Jesu Christi feiern und damit den Sieg des Lebens über den Tod. Der Name des Festes hat aber keinen kirchlichen Ursprung, er stammt von der germanischen Frühlingsgöttin Ostara ab. Das Fest ist also eine Vermischung christlicher und andere Bräuche, die zum Teil Jahrtausende zurückreichen. Während einige alte Bräuche in Vergessenheit geraten sind, kamen neue hinzu - auch im Vogtland.

Ein Älteren noch bekannter vogtländischer Brauch ist das Holen des Osterwassers: Eine Jungfrau musste sich am Ostersonntag in einem Bach mit frischem Quellwasser das Gesicht waschen und Osterwasser mit nach Hause nehmen. Über den Bach musste eine Brücke führen, über die im Jahr zuvor ein Leichenzug gegangen war. Bei ihrem Tun durfte die Jungfrau nicht sprechen. Es hieß, wer sich mit diesem Wasser wusch, blieb von Krankheiten verschont und wurde schön. Das könnte zum Teil sogar der Wahrheit entsprochen haben, denn ein anderer Brauch besagte, dass sich die Menschen in der Woche vor Ostern nicht waschen durften. Das Waschen mit frischem Quellwasser dürfte dann tatsächlich eine Wohltat gewesen sein. Da heute in den Bächen kaum frisches Quellwasser fließt, Jungfrauen schwer zu finden sind und es keine Leichenprozessionen mehr gibt, ist der Brauch in Vergessenheit geraten.

In der Karwoche vor Ostern war es auch üblich, keine Finger- und Fußnägel zu schneiden, keine Betten zu überziehen und nicht zu schlachten. Auch Tanzen und Heiraten waren nicht erlaubt. Ähnliche Verbote sind auch von den Raunächten nach Weihnachten bekannt. Am Palmsonntag - Sonntag vor Ostern - feiern Vogtländer und Erzgebirger die Konfirmationen. Etwa seit dem Ersten Weltkrieg ist es üblich, die Konfirmanden zu beschenken.

Obwohl im Neuen Testament nichts von Ostereier versteckenden Osterhasen steht, hat sich dieser Brauch sowohl bei Christen als auch bei Nichtchristen etabliert. Das war schon vor etwa 75 Jahren so. Das geht aus einer historischen Überlieferung im Lengenfelder Stadtmuseum hervor. Kantoren und Lehrer aus der Stadt und den umliegenden Dörfern hatten in den 1930er Jahren Bräuche in ihren Orten gesammelt.

Während damals das Ostereiersuchen auf den Gründonnerstag beschränkt war, sehen das die Menschen heute weniger eng. Neue Bräuche haben sich etabliert. So boten in den Vorjahren Kommunen wie Plauen, Reichenbach und Lengenfeld öffentliche Ostereiersuchen meist samstags an. In Waldkirchen traf sich die Dorfgemeinschaft voriges Jahr am Ostermontag zum Ostereier-Wettrollen. Ein Brauch mit Eiern aus früheren Zeiten, den es unter anderem um Ellefeld gab, hieß Eierhärten: Eier mit harter Schale wurden mit der Spitze aneinandergestoßen. Der Besitzer des Eis mit der härtesten Schale war der Sieger.

Quer durch das thüringische, sächsische und böhmische Vogtland zieht sich seit dem Jahr 2000 der von der thüringischen Stadt Berga ausgehende Osterpfad. Zehn Kommunen, darunter Bad Elster und Neumark, beteiligen sich daran mit Festen, Märkten und geschmückten Ortszentren. Das Schmücken der Ortsmitte mit Osterkronen oder dem Verzieren von Brunnen mit Osterdekoration gehört zu den alten Bräuchen, die in vielen vogtländischen Gemeinden entweder wiederbelebt oder neu entdeckt wurden, so in Elsterberg, Großfriesen, Neustadt, Irfersgrün oder Klingenthal.

Ostern markiert auch den Beginn des Fruchtbarkeitszyklus. Lamm, Hase und Eier stehen für diese Fruchtbarkeit, auch im Vogtland. Lammbraten gehört auch in der Region zu den Klassikern. Zu keiner Zeit des Jahres setzen die Geschäfte so viele Eier ab. Lamm und Hase kommen nicht nur gebraten auf den Tisch, sondern in allen Varianten, gebacken oder in Schoko-Form.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.