Regionalbauern-Chef: Die Hitze lässt Weizen aus dem Süden kalt

Im Durchschnitt zu gering, aber vereinzelt doch ganz gut. So sieht die Bilanz der Ernte bei einer wichtigen Getreideart im Vogtland nach dem heißen und regenarmen Sommer aus. Für die Zukunft regt ein Fachmann zum Umdenken an.

Reichenbach.

Die Ernte ist im Vogtland abgeschlossen, das letzte Getreide gedroschen. Die Mehrzahl der vogtländischen Landwirte muss sich mit unterdurchschnittlichen Erträgen zufrieden geben. Was sich bereits im Juli bei der Wintergerste abzeichnete, setzte sich bis hin zum Weizen fort. Die Anbauer verzeichnen Erntemengen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.

Daniel Hirsch, der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Vogtland, schätzt ein: "Die Erntemengen, insbesondere beim Weizen, liegen zwischen 15 bis 35 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Preissteigerungen liegen aber nur bei 15 bis 20 Prozent. Es gibt also Betriebe, die Verluste hinnehmen müssen."

Den Weizenanbau im Vogtland infrage stellen würde Daniel Hirsch deswegen aber nicht, auch wenn sich insbesondere dieses Jahr gezeigt hat, dass der Roggen deutlich besser mit der Hitze zurechtkam als der Weizen. Das hänge mit dem tiefer reichenden Wurzelsystem des Roggens zusammen, so Hirsch. Der Roggen brachte deshalb eine gute Qualität. Das merken auch die Mitarbeiter in den Mühlen. Dietrich Klopfer, Senior-Chef der gleichnamigen Lengenfelder Mühle, bestätigt: "Der Roggen ist gut, sowohl von der Korngröße her als auch von den Inhaltsstoffen." Klopfer kann sich noch gut erinnern, dass das Vogtland früher eine typische Roggenanbau-Region war. "Die Wurzeln dieses Getreides reichen bis in einen Meter Tiefe. Somit können sich die Pflanzen Wasser aus tiefen Bodenschichten holen."

Klopfers, die Getreide auch aus angrenzenden Regionen kaufen, sind große regionale Unterschiede aufgefallen. Dietrich Klopfer: "Teile von Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg haben richtig gute Ernten eingefahren." Aber selbst dort schwanken die Ergebnisse stark, wie auch im Vogtland. Manche Felder haben einfach ein paar Regengüsse mehr abbekommen als andere, und diese können innerhalb weniger Kilometer bereits große Unterschiede im Ernteergebnis bewirken.

Ein Umdenken beim Weizenanbau im Vogtland hält Daniel Hirsch trotzdem für angebracht, zumindest was die Sortenauswahl betrifft. Sogenannter Grannenweizen sei eine gute Alternative. Die in Frankreich für den trockenen Süden gezüchteten Sorten bringen auch in vogtländischen Hitze-Sommern akzeptable Erträge. Hirsch: "Wir in Coschütz bauen seit sechs Jahren diese Sorten an. Etwa sieben Tonnen pro Hektar haben wir geerntet. Die anderen Sorten brachten im Schnitt eine Tonne weniger an Ertrag." Er ist gleichzeitig der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Am Kuhberg.

Auch in der Marienhöher Milchproduktion hat der trockene Sommer die Weizenernte beeinträchtigt. Geschäftsführer Heiko Hölzel berichtet: "Im Durchschnitt haben wir 5,5 Tonnen pro Hektar geerntet. Unter diesen Bedingungen müssen wir damit zufrieden sein." Ob die Qualität zum Verkauf als Backweizen ausreiche, müssen die Laboruntersuchungen erst noch zeigen.

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