Reichenbach ist nicht mehr unterversorgt

Sektlaune an der Zwickauer Straße: Mit der Eröffnung einer Eigenpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung am Montag wird ein Versorgungsgrad von mehr als 50 Prozent erreicht. Die Patienten standen schon gestern Schlange.

Reichenbach.

Wenn es noch eines Beweises der Hausärzte-Unterversorgung in Reichenbach bedurft hätte - an der Zwickauer Straße ist er gestern angetreten worden. Obwohl die neue Eigenpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) dort erst am Montag eröffnet wird, hatten Ioan Vetrov und seine Mannschaft schon gestern alle Hände voll zu tun. 26 Patienten hat der aus Rumänien kommende Arzt in den seit August umgebauten Räumlichkeiten der einstigen Physiotherapie Weck behandelt. "Alles gut, ich freue mich, hier arbeiten zu können, jetzt geht's gleich richtig los", kommentierte der von der KVS über eine Vermittlungsfirma angeworbene Mediziner seinen ersten vollen Arbeitstag in Reichenbach.

Mit der Eigenpraxis - es ist die erst dritte der KVS in ganz Sachsen - macht Reichenbach indes einen großen Schritt aus der Hausärzte-Unterversorgung heraus. Nach Informationen von Carmen Baumgart, Geschäftsführerin der KVS-Bezirksgeschäftsstelle Chemnitz, gilt die Stadt mit einem Versorgungsgrad von nunmehr mehr als 50 Prozent nicht mehr als unterversorgt. Und die lange Zeit angespannte Situation entschärft sich weiter, wenn wie angekündigt im Januar eine weitere Praxis eröffnet wird - von einer Hausärztin Am Graben. Die Neueröffnungen - dazu zählt auch die im Mai eröffnete Hausarztpraxis im Medizinischen Versorgungszentrum der Paracelsus-Klinik - lassen dann den Versorgungsgrad auf mehr als 80 Prozent schnellen. "Damit rücken für uns andere Brennpunkte in der Region wieder stärker in den Vordergrund, obwohl wir natürlich weiter an der Verbesserung der Situation in Reichenbach arbeiten", sagte Carmen Baumgart.

Um das weitere Vorgehen auch im Hinblick auf den von Stadt und Wohnungsbaugesellschaft vorangetriebenen Bau des Wohn- und Ärztehauses am Solbrigplatz abzustimmen, gibt es nach der Eröffnung der Praxis Am Graben einen weiteren Termin aller Beteiligten, kündigte OB Raphael Kürzinger an. "Auf jeden Fall haben wir jetzt dank der Initiative der KVS einen großen Schritt in die richtige Richtung getan", sagte der OB auch im Hinblick auf das etwa 6000 Menschen große Einzugsgebiet an der Zwickauer Straße.

In der neuen Praxis wird Ioan Vetrov noch bis März von Facharzt Norman Seidel in medizinischer und organisatorischer Hinsicht unterstützt. Der gut Deutsch sprechende Hausarzt fängt zudem in einer papierlosen Praxis an, in der im Prinzip bis auf Belege für Patienten auf das Beschreiben von Papier verzichtet wird: "Das ist ökologisch sinnvoll, vereinfacht und beschleunigt Arbeitsgänge. Außerdem ist die Praxis top ausgestattet." Auch in dieser Hinsicht stellt die Neueröffnung also "einen Glücksfall dar", wie es gestern KVS-Vorstands-Vize Claus Vogel sagte: "Darüber können wir alle froh und dankbar sein."

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