Schau erklärt Herkunft der süßen Pflaumentoffel

In der Ausstellung auf Burg Mylau gab es viele spannende Details rund um die Pflaumentoffeln zu sehen. Man musste sich nur Zeit dafür nehmen.

Mylau.

Wer den Turbo einschaltete, verpasste das Beste. Die Ausstellung mit Räuchermännern und Pflaumentoffeln in der Mylauer Burg war voll von spannenden Details rund um eine interessante und nicht mehr alltägliche Tradition. Leider hatten es viele Besucher, darunter etliche Familien, Sonntagnachmittag sehr eilig. Schade! Ihr Museumsbesuch hätte anders verlaufen können.

Kinder und Eltern wären möglicherweise stehengeblieben und hätten den Erzählungen von Ronald Hanusch aus Freital gelauscht und sich von Ludwig Lenk aus Lengenfeld die Räuchermänner-Sammlung erklären lassen. Sie hätten Kaffee, Tee oder Sekt trinken und Plätzchen essen können und wären alle möglichen Fragen losgeworden. Sie hätten erfahren, dass Pflaumentoffel kein Schimpfwort ist, der Toffel hingegen schon. Sie wüssten jetzt, dass diese Figur in ihren verschiedenen Varianten eine ursächsische Erfindung ist, auch wenn es in Süddeutschland etwas Ähnliches gibt, und dass sein Ursprung nicht etwa in Dresden liegt. Thomas Petzoldt vom Reichenbacher Kulturbund hätte den Nachweis für das Jahr 1800 gezeigt, aus dem Intelligenz-Blatt der Churfürstlich-Sächsisch-Voigtländischen Kreisstadt Plauen, wo der Pflaumentoffel am 19. Dezember erstmals erwähnt wurde. In Dresden geschah das erst 1801.

Die Eltern hätten ihren Kindern von ihren Großeltern oder Urgroßeltern berichten können, deren Weihnachtsgeschenke noch nicht so üppig ausfielen und womöglich einen der Pflaumentoffel mit lustigem Gesicht enthielten. Ronald Hanusch hatte geschildert, dass Rohrzucker und Bienenhonig ein Vermögen kosteten. Die Menschen trockneten daher Pflaumen hinter dem Ofen und steckten sie anschließend mit Stäben, Nüssen und ein wenig Deko zu den lustigen Gesellen zusammen.

Die Kinder hätten etwas von einer Frau aus Chemnitz erfahren, die den Pflaumentoffel aus ihrer Kindheit nach 30 Jahren an der gleichen Stelle auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt wieder entdeckt hat. 30 Jahre - für die Kinder eine Ewigkeit und etwa so das Alter ihrer "alten" Eltern. Dabei ist der älteste Pflaumentoffel in der Ausstellung sogar 50 Jahre alt. Heidi Petzoldt, die die Ausstellung mit organisiert und aufgebaut hat, hätte auf die Bastelbeutel in der Vitrine verwiesen, die es auch heute noch zu kaufen gibt. Sie und Besucher hatten damit schon im Lengenfelder Heimatmuseum bei einer Weihnachtsausstellung Pflaumentoffel gebastelt.

Ronald Hanusch hätte an das erste Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg in Dresden erinnert, wo Jugendliche in so genannten Jugendwerkstätten alles Mögliche gebaut haben. Ihre 5000 Pflaumentoffel waren auf dem Weihnachtsmarkt in 5000 Sekunden an den Mann gebracht. Sogar die Polizei sei zur Hilfe gerufen worden, um den Stand zu sichern, so groß sei der Andrang gewesen. Vielleicht hätten die Eltern auch einen Räuchermann entdeckt, der ihnen bekannt vorgekommen wäre, aus ihrer Kindheit oder vom Boden der Großeltern. Zumindest den Sigmund Jähn hätten sie gekannt, der als erster Deutscher im All Geschichte geschrieben hat und auch als Vorbild für eine solche Figur diente.

Die Sonderschau kann bis zum 23. Februar während der Museumsöffnungszeiten besichtigt werden. Die sparsamen Erklärungen geben Auskunft zu den Pflaumentoffeln und ihrer Geschichte sowie zu der Räuchermänner-Sammlung.

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