Schriftführer erhält neues Teil für Puzzle zum Alpenverein vor 1945

Der Plauener Michael Frotscher erforscht emsig die Geschichte der vogtländischen Sektionen. Ein besonderes Fotoalbum der Auerbacher Jugendgruppe half ihm jetzt weiter.

Auerbach/Plauen.

Einem Puzzlespiel gleicht die Arbeit des Plaueners Michael Frotscher. In seiner Freizeit sucht der Schriftführer der Plauener Sektion des Deutschen Alpenvereins Fakten über die Auerbacher Sektion zusammen. Die Erfolge wie kürzlich, als er ein selbst gebasteltes Fotoalbum der Jugendgruppe zugeschickt bekam, werden seltener. Das Problem: Die Sektion existierte nur von 1906 bis 1945. "Es gibt immer weniger Leute, die noch aus eigenem Erleben von den Bergfahrten berichten können", sagt Frotscher.

Er rechnet, dass die letzten Mitglieder der Auerbacher Sektion, die aktiv an Ausflügen teilgenommen haben, um das Jahr 1925 geboren worden sind. "Die ohnehin schon wenigen Zeitzeugen, die den Krieg überlebt haben, werden weniger. Das Wissen ist noch da, aber es wird schwieriger heranzukommen." Beispielsweise bei der Suche nach Informationen über den Auerbacher Sektionsleiter Otto Galle fand er zwei Schwestern, die noch lebten. Kontakt hatte er außerdem mehrfach mit einem Enkel Galles.

Eine Lücke kann Frotscher mithilfe des kleinen Fotoalbums schließen, das ihm eine Teilnehmerin der Touren zugeschickt hat: "Es enthält Bilder von der Ausfahrt der Jugendgruppe vom 23. Juli bis 6. August 1943 in die Schladminger Tauern." Das ist eine Gebirgsgruppe der österreichischen Alpen.

Ein Bild zeigt die Gruppe beispielsweise an der 2459 Meter hohen Steirischen Kalkspitze. Junge Leute, wie sie das Zusammensein und die Berge genießen. Der Krieg scheint weit weg zu sein. Wie viele Mitglieder der Auerbacher Sektion im Krieg geblieben sind, belegen Namenslisten, die Frotscher zusammengetragen hat.

"Viele der jungen Kerle waren noch nicht mal 20 Jahre alt, als sie in den Krieg ziehen mussten und gestorben sind."

Das Besondere an dem kleinen Album: Es ist mit viel Liebe selbst gebaut. Die Pappdeckel sind mit Stoff überzogen. Anstelle von Klammern werden Einband und Seiten mit einem Bindfaden zusammen gehalten. Der Schriftführer freute sich über das Büchlein, weil er bis dahin nicht wusste, welches Ziel die Ausfahrt der Auerbacher im Sommer 1943 hatte. Dass sich die Gruppe im Juli 1944 in der Gebirgsgruppe Verwall im Westen Österreichs aufhielt, war ihm bekannt. "Das war die letzte Ausfahrt." Die letzte Veranstaltung der Auerbacher Sektion, die er gefunden hat, war ein Vortrag im Januar 1945. Informationen erhofft er sich auch noch über andere Bilder, die er vor kurzem erhalten hat. Darauf sind Bergsteiger zu sehen, die die Teufelssteine bei Johanngeorgenstadt erklimmen.

Der Plauener würde sich freuen, wenn er Informationen zu den Erlebnissen vogtländischer Bergsteiger vor 70, 80 Jahren erhält. Schwierig gestaltet sich die Forschung auch dadurch, dass die Auerbacher eine Pause machten. "Die Jugendgruppe existierte von 1929 bis 1931 und wurde 1939 wiederbelebt. Schluss war nach dem Krieg."

Was historisches Material betrifft, erlebt Frotscher bei der Suche nach Informationen über die Auerbacher, Reichenbacher und Plauener Sektion noch eine komfortable Situation. Die hatten jeweils mehrere 100 Mitglieder. "Problematischer ist es bei kleinen Sektionen mit weniger als 100 und zum Teil weniger als 50 Mitgliedern." Als Beispiele nennt er Adorf, Falkenstein, Lengenfeld, Markneukirchen, Klingenthal, Oelsnitz und Greiz. "Weniger Mitglieder haben zum Teil weniger unternommen und weniger aufgeschrieben. Und davon ist noch weniger erhalten geblieben."

Wer Hinweise zu den vogtländischen Alpenvereinssektionen hat, kann sich unter Ruf 0174 1712614 oder E-Mail schriftführer@dav-plauen-vogtland.de bei Michael Frotscher melden.

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