Seltene Einblicke am Denkmaltag

Zwei Perlen der Architekturgeschichte in Reichenbach und Mylau waren am Sonntag zugänglich. Mancher blickte zurück bis in die Schulzeit.

Reichenbach/Mylau.

Zum Tag des offenen Denkmals hat es über mehrere Jahre hinweg in Reichenbach nur wenige Angebote gegeben. Dieses Mal jedoch hatten die Interessierten die Qual der Wahl. Im Mittelpunkt standen eine Villa an der Ackermannstraße sowie die ehemalige Orchesterschule und Sternwarte in Mylau. Dieses Gebäude ist in der dem Bauhaus-Stil nahen Neuen Sachlichkeit verortet und wurde kürzlich in die Denkmalliste aufgenommen. An beiden Orten standen schon vor Öffnung um 9 Uhr die neugierigen Besucher vor der Tür.

Christoph Zöbisch hatte in der früheren Sternwarte gegen 14 Uhr 300 Besucher gezählt. Nicht gezählt hatte er die Treppenstufen, die er bis dahin nach oben wie nach unten überwinden musste. Eine ähnliche Situation zeichnete sich in der Villa Clad, zu DDR-Zeiten Pflegeheim und seit vielen Jahren leer stehend, ab. Hendrik Schäfer, einer der drei Eigentümer, hatte am frühen Nachmittag bereits sieben Führungen hinter sich. Doch der Besucherstrom riss nicht ab. Viele schauten sich beide Gebäude an, zollten den Bauherren ihren Respekt und äußerten, wie gespannt sie auf das Endergebnis sind. Beide Projekte erscheinen ehrgeizig. Die Villa Clad soll im Sommer 2021 bezugsfertig sein, die frühere Sternwarte bereits Ende 2020.

Die Gebäude zeigen auch, wie Schule einen Menschen prägen kann. Viele Besucher an der Ackermannstraße erzählten, wie sie als Schüler auf die Villa geschaut oder den Traum vom Besitz eines solchen Hauses gehegt hatten. In Mylau konnte man Gesprächen lauschen, wie sie sonst bei Klassentreffen geführt werden: "Die Besucher waren zu etwa 80 Prozent Mylauer. Viele gingen hier in den Hort oder hatten Astronomieunterricht in der Sternwarte", sagte Bianca Böttcher, die das Haus gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ausbaut. Sie wollten mittags kurz verschwinden und sich die Villa Clad anschauen, doch daraus wurde angesichts der vielen Gäste nichts. Bianca Böttcher: "Wir haben verschiedene Unterlagen, Bilder und Informationen bekommen. Die vielen Eindrücke müssen wir erst verarbeiten." Das meiste Material stammte aus Sternwartenzeit.

Zur Orchesterschule war kaum etwas dabei. Über die wurde kurz in der Villa Clad gesprochen, wo sich Michael Hopfer mit einem früheren Musiker der Vogtland Philharmonie unterhielt. Der wiederum kannte Musiker, die noch in die "Stadtpfeiferschule" gegangen waren. Michael Hopfer hat eine besondere Verbindung zur Villa Clad. Sie gehörte seinem Urgroßvater Charles Clad. Auch sein Großvater wohnte dort. Nach dem Tod von Charles Clad hatte seine Witwe Elise das Prachtstück verkauft, um während der Weltwirtschaftskrise noch das Geld zu verlieren. Er erklärte: "Die Familie war sehr schnell durch ein Patent zur Wollentfettung zu großem Reichtum gekommen. Hier war das Beste gerade gut genug, der Garten von der fürstlichen Gärtnerei in Greiz angelegt, die Türen aus kanadischer Fichte." Sein Traum wäre eine Verbindung der Villa zur ans Grundstück angrenzenden Musikschule gewesen, mit Nutzung der unteren Räume als Konzertsaal. Doch da hätte jemand viel Geld aufbringen müssen. Jetzt ist er froh, dass der Verfall gestoppt und das Haus saniert wird.

Hendrik Schäfer freute sich über das Interesse der Einheimischen: "Die Villa ist eine große Herausforderung. Wir möchten die Reichenbacher einbinden, denn das Haus ist ein Stück der Stadt. Die Leute sollen sehen, wie es hier aussah und was mit den Fördergeldern wird, die wir bekommen." Dass alles wieder so prunkvoll wie einst wird, sei nicht zu erwarten. Der Investor: "Wir stehen für Pragmatismus, sonst werden wir hier nie fertig. Was wir im Moment nicht restaurieren können, wird konserviert und vielleicht später in Angriff genommen. Wir haben ein großes Bild im Kopf, nicht nur Details." Er hatte das Projekt angeschoben und mit Christian Suhr und Erik Schmidt zwei Mitstreiter gefunden. Im Haus wird es eine vierte Wohnung geben. Für die wird noch ein Interessent gesucht.

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