Seniorenkolleg startet in sein drittes Jahrzehnt

Der Reichenbacher Verein hat dieses Jahr einen runden Geburtstag gefeiert. Das Interesse an der Institution ist groß. Trotzdem ist nicht alles in Butter.

Reichenbach.

Wie wäre es mit einem Vortrag über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung? Oder lieber was Musikalisches über Franz Schubert? Oder doch einfach beim Bowling die Kugel rollen lassen? Das vogtländische Seniorenkolleg Reichenbach hat alles im Programm - und noch ein bisschen mehr. Seit 20 Jahren gibt es diese Institution mittlerweile. Und wenn es nach dem Willen der Vorstandsmitglieder geht, ändert sich so schnell auch nichts daran. "Uns würde etwas fehlen, wenn es das Kolleg nicht mehr gäbe", sagt Helgard Gruner, die schon fast die ganzen 20 Jahre dabei ist. Ihre Kollegen und Kolleginnen aus dem Vorstand des Vereins sehen das ebenso.

Also alles prima rund um das Seniorenkolleg? Soweit wollen die Vorstandsmitglieder nicht gehen. "Wir haben zurzeit 121 Mitglieder - und diese Zahl ist prinzipiell völlig ok", sagt Monika Wagner. "Aber nur relativ wenige bringen sich aktiv ein." Veranstaltungen auf die Beine stellen, Fachleute im Bekanntenkreis ansprechen, ob sie nicht vielleicht einmal als Dozent einen Vortrag halten könnten - all dies macht Arbeit und kostet Zeit. Dabei herrscht in und um Reichenbach an Senioren eigentlich wirklich kein Mangel.

Aber die Zeiten haben sich nun einmal geändert. "Ich denke, das Heraufsetzen des Rentenalters macht sich da bemerkbar", schätzt Helgard Gruner ein. "Mit 60 packt man so etwas eher neu an, als mit 70." Außerdem würden sich viele Senioren mittlerweile nebenbei etwas dazuverdienen. Da geht also schon Zeit ab. Auch bei sportlichen Aktivitäten werden mittlerweile kleinere Brötchen gebacken. Die Wandergruppe von einst gibt es mittlerweile nicht mehr. Dies ist ebenfalls eine Folge des Alters. "Ehrlich gesagt könnten wir schon jüngere Mitglieder brauchen", sagt Helgard Gruner. Diese könnten vielleicht auch andere Themen in das Seniorenkolleg tragen.

Bei Computerkursen liegen die Probleme dagegen woanders. Da haben die Macher des Seniorenkollegs mittlerweile einfach Probleme, geeignete Räume zu finden. "Allerdings ist da auch das Interesse nicht mehr so groß", schätzt Ursula Viebahn ein, die Vorsitzende des Vereins. Deshalb ist es aus ihrer Sicht kein wirklich großes Problem, dass es zurzeit keine Computerkurse beim Seniorenkolleg gibt.

Mit solchen und ähnlichen Problemen müssen sich die Macher und Macherinnen des Vogtländischen Seniorenkollegs Reichenbachs auseinandersetzen. Aber entmutigen lassen sie sich nicht davon. Immerhin bieten sie ein Angebot, das in der Umgebung seinesgleichen sucht. Und das für vergleichsweise wenig Geld. Solange das Interesse der Senioren in und um Reichenbach groß bleibt, wollen die Vorstandsmitglieder bei der Stange bleiben und auf den 30. Geburtstag des Vereins hoffen.

Immerhin kann von einer Überalterung bei ihnen keine Rede sein - auch wenn das für ein Seniorenkolleg vielleicht erst mal seltsam klingt. "Das Durchschnittsalter unserer männlichen Mitglieder liegt bei 78 Jahren und bei den Frauen bei 74 Jahren", sagt Monika Wagner. "Und das hat sich seit zehn Jahren nicht geändert."

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