Spannung vorm ersten Gespann-Treffen

Der Oldtimer- und Biker-Stammtisch Talsperre Pöhl lädt zum ersten Oldtimer-Gespanntreffen an die Göltzschtalbrücke ein. Ein Organisator der anschließenden Tour ist Jürgen Bär. Der Unterheinsdorfer fährt eine seltene Pannonia - seine Frau steuert sogar etwas Einmaliges.

Unterheinsdorf.

Sonntagvormittag ist an der Talsperre Pöhl Stammtischzeit. So um die 50 Leute versammelt dort die Liebe zu aufgemöbeltem Blech, das einst die Straßenbilder nicht nur der Region bestimmt hat. Es geht um Ersatzteile, um irgendwo in einer Scheune vergessen vor sich hinschlummernde Raritäten und auch um den nächsten Treff mit anderen, die dieses Gen im Blut haben. Jürgen Bär aus Unterheinsdorf ist einer von denen, die zum Oldtimer- und Biker-Stammtisch Talsperre Pöhl gehören und stets verrückte Einfälle haben. Die jüngste Idee kommt am Samstag durchaus öffentlichkeitswirksam im Vogtland zur Verwirklichung.

Das 1. Oldtimer-Gespanntreffen steigt an der Göltzschtalbrücke - mit 40-Kilometer-Rundfahrt durch die Region (siehe Grafik) und der Wiederankunft an der Brücke. "Das ganze ist völlig unverbindlich, es gibt keine Teilnehmergebühr, und wir schicken auch keinen weg, der nicht mit einem Gespann da ist", sagt Jürgen Bär, der Treffen und Rundfahrt mit dem Reichenbacher BMW-Gespann-Piloten Heinrich Scholz auf die Räder gestellt und via Flyer und Internet Werbung dafür gemacht hat. "Wir sind gespannt, wer so alles kommt, auch Schau- lustige an der Brücke und an der Strecke sind willkommen."

Treffpunkt ist 10 Uhr an der Göltzschtalbrücke der Parkplatz vor Ketzels Mühle. Bevor es so gegen 11.30 Uhr auf die Strecke geht, ist die Teilnahme an einer Führung durch die Mühle möglich. Für Spätfrühstücker hat zudem das Mühlen-Kaffee geöffnet. Auf der Strecke selbst sind zwei Halte geplant. Der erste mit Mittagspause am Gasthof Kahmer, der zweite mit Gruppenfoto auf dem Gelände des Traditionsvereins Rollbockbahn Oberheinsdorf. Dort trifft dann quasi Gummi- auf Schienen-Nostalgie; gegen 14.30 Uhr erreicht das Peloton die Brücke.

Jürgen Bär selbst nimmt den Samstag mit einem seltenen Gespann in Angriff: Seine 250er Pannonia wurde 1959 in der ungarischen Motorradschmiede Csepel gebaut. Gekauft hat die Rarität Jürgen Bärs Vater in Reichenbach: Am 2. Oktober 1959 in der Reichenbacher Kfz-HO für stolze 2600 Mark. 1979 blitzten dann Jürgen Bärs Augen im Chrom der Maschine, als Papa ihm das Motorrad zum 18. Geburtstag schenkte. Für die Restauration des seltenen Stücks (noch bis zu 150 in ganz Deutschland) vor zwei Jahren besorgte sich Jürgen Bär einen einst ebenfalls in Ungarn produzierten Duna-Seitenwagen. "Jetzt stecken in dem Gespann 450 Stunden, vom Geld reden wir erst gar nicht", sagt Jürgen Bär vor dem Anlassen der Maschine: Ja, so klingt Motorrad. Der Pannonia-Fan sieht das so: "Ich fahre 80 Sachen, ganz entschleunigt. Nur wenn im Seitenwagen niemand sitzt, wird's Arbeit." Besonders in den Rechtskurven, wenn der Seitenwagen immer leichter wird.

Das Pannonia-Gespann ist im Hause Bär nicht die einzige Rarität. Jürgen Bärs Frau Ramona fährt eine 125er Csepel - zwei Jahre vor der Pannonia ebenfalls in dem 1974 geschlossenen Motorradwerk auf der gleichnamigen Donau-Insel gebaut. Diese Csepel ist nach Lage der Dinge das einzige in ganz Deutschland zugelassene Motorrad seiner Art.

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