Studie beleuchtet Geiger und Geigenmusiken im Vogtland

Musikwissenschaftler Albin Buchholz schließt eine Lücke in der vogtländischen Musikgeschichte. Im Fokus stehen 72 Personen aus vier Jahrhunderten.

Reichenbach.

In den Schriften des Neuberin-Museums Reichenbach ist soeben als Band 46 "Vogtländische Geiger und Geigenmusiken" von Albin Buchholz erschienen. Der bekannte Plauener Musikwissenschaftler und Publizist, der aus der Niederlausitz stammt und seit 1965 im Vogtland lebt, greift darin ein Thema auf, dessen Wurzeln im obervogtländischen Musikinstrumentenbau liegen. "Das ist vermutlich meine finale Schrift", sagt er 82-Jährige. Das Buch ist das Ergebnis von vielen Jahren Arbeit.

Vorgestellt werden auf 185 Seiten Leben und Werk von 38 Geigern aus dem Vogtland, die in der Region und in der Ferne profilgebend wirkten, sowie 34 Komponisten aus dem Vogtland, die sich um eine ansprechende Violinliteratur bemühten. Das Buch schlägt dabei den Bogen über 400 Jahre. Von 1619, als Johann Rosenmüller im vogtländischen Oelsnitz geboren wurde, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts neben Dietrich Buxtehude und Johann Pachelbel als populärster zeitgenössischer Komponist galt - bis in die heutige Zeit, in der Artashes Stamboltsyan, Sergei Synelnikov und Stephan Freund in der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach Violine spielen. Eine einzigartige Sammlung von A wie Herbert Anrath (Geiger aus Markneukirchen) bis Z wie Klaus Zoephel (Musiker, Komponist und Dirigent aus Plauen). Auch Hofkapellmeister Alban Förster und Kantor Walther Böhme aus Reichenbach finden sich darin.


Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts werden im oberen Vogtland Geigen gebaut. Aus Heimarbeit und Manufaktur entwickelte sich ein weltweit bekannter Industriezweig im Musikwinkel, erinnert Buchholz. Geigen waren zu Tausenden da und wollten gespielt werden. "Früher gab es im Vogtland kaum eine Familie, in der das Geigenspiel nicht gepflegt wurde. Aus diesem bewundernswerten Angebot gingen zu allen Zeiten Violinvirtuosen hervor, die später im professionellen Bereich - vielfach auch international - Spitzenpositionen einnahmen", erklärt der Autor. In Markneukirchen etablierten sich ab 1950 die Geigenwettstreite der Musikhochschulen und ab 1965 der Violinwettbewerb als Teil des Internationalen Instrumentalwettbewerbs.

Im Vogtland, so weist Buchholz nach, entstanden über ein Dutzend Violinkonzerte. Das Gros der Kompositionen aber bildet eindrucksvolle Kammermusik, allen voran das klassische Streichquartett. Die Violinsonate darf nicht fehlen. Unterhaltungs- und Volksmusik nutzen ebenso die Geige. Zur kurzen biografischen Informationen, die die Violinisten und Komponisten und ihr gesellschaftliches Umfeld charakterisieren, gesellen sich Bilder. Da viele der Werke öffentlich schwer zugänglich oder unbekannt sind, hat Buchholz den Texten Notenbeispiele und Verlagshinweise beigefügt.

Als Glücksfall für seine Arbeit bewertet Albin Buchholz die in der Walter-Merkel-Sammlung des Vogtlandmuseums Plauen deponierten, größtenteils autorisierten Biografien vogtländischer Musiker, die er als Quellen heranziehen konnte. Gleiches gelte für zahlreiche unveröffentlichte Noten und mehrere Fotos. Dank sagt er ebenso verschiedenen sächsischen Archiven und Bibliotheken und einigen Verlagen.

Marion Schulz, die kürzlich als Museumsleiterin in den Ruhestand ging, freut sich, dass mit "Vogtländische Geiger und Geigenmusiken" jetzt das zweite Buch von Albin Buchholz in der Schriftenreihe des Neuberin-Museums erschien. 2018 wurde als gemeinsame Edition bereits sein Buch "Arno Hilf - Violinvirtuose, Lehrer, Komponist" herausgegeben. Das neue Werk wurde durch den Kulturraum Vogtland-Zwickau aus regional bedeutsames Projekt gefördert und durch die Stadt Reichenbach, das Neuberin-Museum und die Neuberin-Gesellschaft mitfinanziert.

Seit 1975 beschäftigt sich Albin Buchholz mit der Musikgeschichte des Vogtlandes. Er veröffentlichte dazu mehrere Bücher und zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze. Er gab einen Nachdruck des Sertum musicale oder Musicanten Buch Plauen von 1637 heraus, veröffentlichte das lexikologisch angelegte Buch "Orgeln im sächsischen Vogtland" sowie den kleinen Ableger "Orgeln im Ascher Ländchen". Aktuell hat er Clara Wieck/Schumann und ihre Plauener Gastspiele 1834 und 1835 im Visier.

Das Buch "Vogtländische Geiger und Geigenmusiken" von Albin Buchholz kann für 19,90 Euro im Neuberin-Museum Reichenbach, Johannisplatz 3, erworben werden.

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