Tafel-Tomate gedeiht im Gully

Die Reichenbacher Tafel kümmert sich nicht nur um ihre 1000 Gäste. Im Hinblick auf den Tafeltag gilt die Fürsorge der sozialen Einrichtung auch einem Überlebenskünstler.

Reichenbach.

Zu einem bebilderten Post unter der Überschrift "Tafelgarten 2.0" bekommt die Reichenbacher Tafel in sozialen Netzwerken gerade mehr Daumen-hoch gepostet als sonst. Es könnten grüne Daumen sein, bezieht sich doch die Zustimmung der Kommentatoren auf ein von Mitarbeitern der sozialen Einrichtung liebevoll gehegtes Tomatenpflänzchen - das an der Auffahrt zum Tafeleingang aus den Tiefen eines Gullys emporwächst. "Wir hoffen im Hinblick auf den Tafeltag auf reiche Ernte", scherzt Tafelsprecherin Beate Werner und berichtet über Herkunft und Überlebenskampf des Tafelzöglings.

Demnach ist ein mit dem Gemüsekeller-Wischwasser ausgeschüttetes Samenkörnchen im Gully-Schmutzfang hängen geblieben und "trotzte dort heißem Wischwasser, den wenigen Regengüssen, Zigarettenkippen und Gullylatschern", wie Beate Werner im Tafel-Post berichtet. "Das Pflänzchen fiel auf, als wir den Einlass reinigen wollten, seither kümmern sich vor allem die Fahrer rührend darum", erzählt das Vorstandsmitglied des Tafelvereins. Sogar eine Rankhilfe wurde installiert. Die stützt nicht nur, sondern verhindert ein versehentliches Ausreißen vermeintlichen Unkrauts.


Trägt die Mühe der Tafel-Gärtner wie erhofft Früchte, spielt der Tafelzögling beim Tafeltag am 25. September eine Rolle. Dann nämlich sollen die Tomaten nebst Bildern vom Wachsen und Gedeihen gezeigt und im Rahmen einer Mitmachaktion verschenkt werden. "Da überlegen wir uns etwas Schönes, ein bisschen Spaß muss sein", sagt Beate Werner. Schließlich haben die Mitarbeiter auch ordentlich ranzuklotzen, um die etwa 1000 Tafelgäste versorgen zu können.

Das gilt auch für die aktuell acht Fahrer und Beifahrer der Tafelfahrzeuge, die beim Abholen der von Märkten und Geschäften gespendeten Lebensmittel ein straffes Programm zu absolvieren haben. "Um die Lage etwas zu entspannen, suchen wir noch einen Fahrer, der auch nebenbei Gärtnern darf", sagt Beate Werner und meint das nicht nur im Hinblick auf Tomatenpflanzen in Gullys. Bereits im Vorjahr nämlich haben die Fahrer einen grünen Daumen nachgewiesen, als sie aus Jux am Hang hoch zum Parkplatz eine Kartoffel gesteckt hatten. "Im Herbst haben wir da einen ganzen Eimer geerntet und verkocht."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...