Tausende pilgern zum Kalten Feld

Vor 25 Jahren startete das Industrie- und Gewerbegebiet. Ein großes Fest rückte das Areal in den Blickpunkt und zeigte, wo echter Bürgersinn lebt.

Heinsdorfergrund.

Dass in einem Autohaus Autos verkauft und repariert werden und dass eine Spedition Güter transportiert, kann sich jeder vorstellen. Was aber hinter den verschlossenen Türen von Firmen wie Systec oder Rehand passiert, wissen nur die Wenigsten. Deshalb luden viele der 36 im Industrie- und Gewerbegebiet Am Kalten Feld ansässigen Unternehmen am Samstag zu einem großen Fest ein und öffneten ihre Türen. Anlass war das 25-jährige Bestehen des Gewerbestandortes vor Reichenbachs Toren auf Flur der Gemeinde Heinsdorfergrund.

Tausende nahmen die Gelegenheit wahr, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Vom großen Interesse und den vielen Fragen war so mancher Firmenmitarbeiter überrascht. Überrascht war auch so mancher Besucher, als er hörte, auf welch hohem Niveau die Wirtschaft am Standort im Nordvogtland brummt.


Ein buntes Rahmenprogramm lockte viele Besucher an, die vormittags kamen, das Mittagessen zu Hause ausfallen ließen und stattdessen in das Gelände eintauchten.

Dass es für einen Tag so viele verschiedenen Angebote gab, war dem Gemeinschaftssinn aller Beteiligten zu verdanken: den Firmen, die nicht nur Rundgänge organisierten, sondern ihre Gäste auch bewirteten oder zum Rahmenprogramm beitrugen, Verwaltungsmitarbeiter der beteiligten Kommunen, hauptsächlich Heinsdorfergrund und Reichenbach, sowie die vielen Vereine und die Feuerwehr des Dorfes, die sich alle für diesen Tag etwas ausgedacht hatten. Auch Einrichtungen aus dem Umland oder Firmen, die sich mit dem Gewerbegebiet verbunden fühlten, zeigten Flagge.

Der Heimatverein Heinsdorfergrund organisierte eine Pflanzenbörse. Tauschen, Kaufen, Verschenken, alles war möglich. Der Faschingsverein bot aus seiner Kostümsammlung überzählige Stücke zum Verkauf an. Die Kleintierzüchter hatten etwas fürs Herz mitgebracht: Niedliche Küken und Kaninchen zum Streicheln. Etwas für die Muskeln bot die Trainingsgemeinschaft Strongman aus Reichenbach. Unter Mitwirkung des Vereins Mac Gregor 1999 aus Prießnitz konnten verschiedene Kraftsportdisziplinen ausprobiert werden.

Trotz vieler Besucher war entspanntes Bummeln möglich, denn auf dem weitläufigen Gelände gab es Platz für alle. Da die Firmen ganz unten an der Schmalzbachsiedlung und die kurz vor Schneidenbach mehrere hundert Meter weit auseinanderliegen, war der Einsatz der Kleinbahn aus Reichenbach ein guter Gedanke, den viele Gäste zu schätzen wussten. Fast immer bis auf den letzten Platz besetzt, drehte die Bahn ihre Runden.

Was wäre ein Jubiläum ohne Feierstunde? Dazu strömten die geladenen Ehrengäste schon am Samstagvormittag. Getränkegroßhändler Lippert hatte kurzerhand einen Teil seines überdachten Außengeländes mit Hilfe von Getränkekisten in eine nach einer Seite offenen Festhalle verwandelt. Dort machte die Bigband der Musikschule Vogtland mit flotter Musik schon zeitig auf das bevorstehende Ereignis aufmerksam.

Nicht nur die geladenen Gäste, sondern jeder, der wollte, konnte die Festreden und Ehrungen mit verfolgen, niemand musste sich ausgegrenzt fühlen. Im Mittelpunkt stand dabei Altbürgermeister Horst Kunzmann. Ihm sei es ganz wesentlich zu verdanken, dass vor 25 Jahren an der Autobahnanschlussstelle Reichenbach der Grundstein für den Gewerbe- und Industriestandort gelegt werden konnte.


Chronologie

Im Juni 1992 fiel der Startschuss für das Gewerbegebiet "Am Kalten Feld". Im Dezember 1990 hatte der Gemeinderat Heinsdorfergund den Aufstellungsbeschluss gefasst, im September 1991 lag der Satzungsbeschluss vor. Die Erschließung kostete 4,3 Millionen D-Mark. Klaus Dieter Kögler aus Schneidenbach stellte als erste einen Bauantrag für ein Autohaus.

1500 Menschen sind am Standort in insgesamt 35 Firmen beschäftigt. Es gibt 120.000 Quadratmeter Produktions- und Bürofläche. Das Areal ist mehr als 125 Hektar groß.

1996 gründeten Reichenbach und Heinsdorfergrund den Zweckverband Pia (Planungszweckverband "Industrie- und Gewerbegebiet Autobahnanschlussstelle Reichenbach), der die Flächen vermarktet. 2009 kam Lengenfeld dazu. Jüngste Erweiterung: das Industriegebiet Pia III auf Schönbrunner Flur. (sia)


Zitate zum Fest

Sylke Hammerl, Faschingsverein Hauptmannsgrün: "Es ist schön, dass jeder Verein hier mitzieht. Mir persönlich gefällt, dass man einmal in die Betriebe schauen kann."

Herbert Müller aus Unterheinsdorf:

"Man bekommt viele Einblicke, was eigentlich im Gewerbegebiet jeden Tag passiert. Beim Durchfahren merkt man davon nicht viel."

Isabel Uhlig, Reichenbach: "Ich kenne das Gewerbegebiet ganz gut, weil meine Tante hier arbeitet. Aber heute mal in die Firmen hineinzuschauen, das ist schön. Und die kleinen Tiere vom Kleintierzuchtverein, die sind schon sehr niedlich."

Martin Naumann, Maler- und Lackiermeister bei Firma Oehme: "Unser Betrieb ist von Anfang an dabei. Ich bin hier schon als Dreijähriger mit dem Dreirad rumgefahren. Hätte nicht gedacht, dass so viele Leute kommen. So mancher Besucher hat mir gesagt, dass er gar nicht wusste, dass es hier eine Lackiererei gibt."

Marion Dick, Bürgermeisterin Heinsdorfergrund: "Es wäre wünschenswert, dass an der Lohngerechtigkeit gearbeitet wird. Der überwiegende Teil der Beschäftigten leistet gute Arbeit - und für gute Arbeit muss es auch gutes Geld geben."

Dominique Bräuer, Produktionsleiter bei Systec: "Viele Fachkräfte gehen lieber in große Städte. Wir wollen uns heute in der Region bekannt machen und zeigen, dass Firmen in ländlichen Regionen einiges zu bieten haben. Bei uns sind das zum Beispiel gleitende Arbeitszeiten, Betreuung durch einen Physiotherapeuten, freie Getränke und Essenversorgung." (sia)

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