Tote Fische lassen Streit um Waschteich in Reuth hochkochen

Scheinbar unversöhnlich stehen sich Naturschützer und Angler gegenüber. Die einen wollen Fischbewirtschaftung, die anderen nicht. Der Bürgermeister versucht zu schlichten.

Reuth.

Um die Nutzung des unter Naturschutz stehenden Waschteiches in Reuth ist ein Streit zwischen der Reuther Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) und dem Angelverein Neumark entbrannt. Die Naturschützer werfen den Anglern vor, durch den hohen Fischbesatz die Wasserqualität derart geschädigt zu haben, dass ein drastischer Artenrückgang die Folge ist. Die Angler hingegen sind der Überzeugung, nichts falsch gemacht zu haben. Auch eine Aussprache aller Beteiligten während einer Ortschaftsratssitzung Mitte November in Reuth, gemeinsam mit Bürgermeister Sven Köpp (FDP), konnte die Wogen nicht glätten. Der Bürgermeister kündigt für dieses Jahr an, alle Beteiligten noch einmal an einen Tisch holen zu wollen, um vielleicht doch noch einen Kompromiss zu finden und den dörflichen Frieden wieder herzustellen.

Der Bürgermeister räumt jedoch ein: "Für mich als Laie ist schwer festzustellen, ob hier fachliche Fehler vorliegen. Ich kann beide Standpunkte verstehen. Die beiden Gruppen verfolgen aber so unterschiedliche Ziele, dass es schwer sein dürfte, einen gemeinsamen Nenner zu finden." Hochgekocht sind die unterschiedlichen Standpunkte, als im Oktober vorigen Jahres der Angelverein das Wasser aus dem Teich abließ, um Fische zu entnehmen.

Die Naturschützer werfen den Anglern vor, dass tausende kleine Fische im Schlamm verendet sind und legen zum Beweis Fotos vor. Reiner Tschaschke, der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe, beschreibt die Vorgänge: "Niemand hat die toten Fische entfernt. Es hat bestialisch gestunken, bis die Kadaver letztendlich im Schlamm versunken sind. Das ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz."

Die Angler dagegen haben das Landratsamt auf ihrer Seite. Ein Vertreter der Naturschutzbehörde sei beim Ablassen zugegen gewesen. Bedingt durch die hohe Schlammschicht seien Moderlieschen und Plötzen verendet. Die Pressestelle des Landratsamtes teilt dazu mit: "Tausende stimmt aber nicht. Es handelt sich um eine überschaubare Zahl." Und weiter: "Die Angler bewegten sich teilweise bis zur Brust im Schlamm. Unter diesen Bedingungen ist keine vollumfängliche schadlose Entnahme des Fischbesatzes möglich." Die Angler selbst wollen zu den einzelnen Vorwürfen keine Stellung beziehen. Der Vorsitzende des Angelvereins, Nico Trommler sagt lediglich: "Es ist alles korrekt abgelaufen."

Das sieht Reiner Tschaschke, der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe ganz anders. Aufgrund der Trockenheit in den Vorwochen und dem fehlenden Frischwasserzulauf hätte der Teich aus seiner Sicht überhaupt nicht abgelassen werden dürfen. Es habe Wochen gedauert, bis das Gewässer wieder seinen ursprünglichen Füllstand erreicht hatte. Dazu das Landratsamt: "Das Ablassen erfolgte nicht während einer Trockenperiode." Herbstliches Ablassen entspreche zudem der guten fachlichen Praxis in der Fischerei.

Das Landratsamt erklärt weiter, dass die Angler den Teich im Rahmen eines Förderprogramms bewirtschaften. Es handelt sich dabei um eine Richtlinie, die der Teichpflege und der naturschutzgerechten Teichbewirtschaftung dient. Das ist auf der Internetpräsentation des Freistaates nachzulesen. Der angewandten Richtlinie zufolge dürfen sich in dem 3,3 Hektar großen Gewässer maximal 1,3 Tonnen Fisch aufhalten. "Es ist fraglich, ob eine solche Menge im Teich vorhanden war", heißt es dazu in der durch die Pressestelle übermittelten Antwort aus der Naturschutzbehörde.

Ginge es nach Reiner Tschaschke und seinen Mitstreitern, dürften die Angler überhaupt keine Fische im Teich aufziehen. Ein natürliches Gleichgewicht sei das Beste. Das würde bedeuten, im Teich leben nur die Fische, die sich von selbst darin ansiedeln, erklärt Tschaschke. Das, was sich im Waschteich abspiele, habe aber nichts mit natürlichem Gleichgewicht zu tun: "Die Karpfen wühlen ständig den Schlamm auf. Deshalb ist das Wasser so trüb und stinkt", erklärt der Naturschützer. Die Folge davon: "Taucherenten, die klares Wasser brauchen, um etwas zu sehen, wie zum Beispiel Zwerg- und Haubentaucher, gibt es auf dem Teich so gut wie keine mehr", sagt Tschaschke.

Der Überbesatz an Raubfischen habe auch die Amphibien dezimiert. "Das Froschkonzert ist seit Jahren verstummt, weil der Teichfrosch verschwunden ist. Es findet sich auch kein Laich mehr von Grasfröschen oder Erdkröten", hat Tschaschke zudem festgestellt. Die Artenvielfalt, die vor knapp 70 Jahren die Unterschutzstellung des Waschteiches begründete, sei zumindest im Gewässerbereich stark zurückgegangen, seit der Angelverein die Bewirtschaftung übernommen habe, so der Vorwurf der Naturschützer.

3Kommentare
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  • 2
    0
    Tauchsieder
    13.01.2020

    Wie so oft spielt die Untere Naturschutzbehörde des LRA Vogtlandkreis hierbei eine mehr wie schlechte Rolle. Sie scheint aus Fehlern nicht zu lernen und da gibt es doch genügend Beispiele wo sie von Gerichten teils direkt, teils indirekt gerügt wurde. Als Beispiel möchte ich hier nur die Vernichtung eines Flächennaturdenkmals bei Rodau ansprechen, der illegale Eingriff des LRA in ein FFH-Gebiet bei Adorf für den Bau eines Radwegs und und ... . Auch sieht diese Behörde derzeit keinen Handlungsbedarf bei einer geplanten Baumaßnahme der LTV am Vogelschutzbecken an der Tsp. Pirk, einem Schutzgebiet von überregionaler Bedeutung.
    Als Außenstehender stellt sich einem die Frage, ob deren Sichtweise so von oben angewiesen wird, oder man diesbezüglich inkompetent ist, oder was auch immer. Hier in diesem Fall "Waschteich" irrt die UNB schon wieder. Dieses Gebiet ist ein FFH-Gebiet. Dazu gibt es Richtlinien für den Erhaltungszustand und den Handlungsbedarf für Eingriffsmaßnahmen. Was dort abging hat nichts mit den Erhaltungszielen für dieses Gebiet zu tun. Doppelt schwer wiegt noch dazu, dass angeblich ein Mitarbeiter dieser Behörde bei dieser Aktion zugegen war.

  • 3
    0
    GrauerWolf
    12.01.2020

    Before the courts and on the high seas, we are in God's hands...
    Die Rechtsgrundlage für das Naturschutzgebiet Waschteich Reuth ist die Verordnung des Regierungspräsidiums Chemnitz zur Festsetzung des Naturschutzgebiets "Waschteich Reuth" vom 2. Januar 2006, zuletzt geändert durch Verordnung des Regierungspräsidiums Chemnitz vom 5. April 2007. Das Naturschutzgebiet (§ 23 BNatschG, § 14 SächsNatschG) wird rechtsverbindlich durch gesonderte Rechtsverordnung festgesetzt. Es gilt ein allgemeines Verbot von jeglichen Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung führen können. Sowohl der allgemeine als auch der besondere Artenschutz erfährt
    Einschränkungen als auch Erweiterungen durch das spezifische Fachrecht z.B. dem Jagdrecht, dem Agrarecht, dem Pflanzenschutzrecht. Darüber hinaus enthält das BNatSchG weitere Ausnahmen.
    Leicht erkennbar, dass Naturschutzrecht höherwertiges Recht ist, also Jäger und Angler grundsätzlich diesem Recht folgen. Natürlich wissen das auch die fleißigen Naturschutzhelfer vom NSG Waschteich Reuth, schließlich besuchen sie regelmäßig Seminare über das Naturschutzrecht.
    Meint ihr Grauer Wolf

  • 6
    0
    Tauchsieder
    12.01.2020

    Hier geht es nicht nur um das Tierschutzgesetz, hier spielt das Sächs. Fischereigesetz die Hauptrolle. Somit ist der Fischereiausübungsberechtigte(Angelverein) für den Fischbestand und deren Schutz verantwortlich. Wer also nicht in der Lage ist den ordnungsgemäßen Umgang mit den Fischen zu gewährleisten hat somit einen Verstoß gegen das SächsFischG begangen. Hierzu müsste die örtl., staatl. Fischereiaufsicht diesen Fall bearbeiten und den Vorgang zur Anzeige bringen. Damit irrt wie so oft die Naturschutzbehörde des LRA, wie auch soll dies anders sein. Ist doch keiner der Damen und Herren dieser Behörde im Besitz eines Fischereischeins und besitzt somit überhaupt Kenntnisse über den Umgang mit Fischen. Dies wiederum setzt man aber von den Mitgliedern des Angelvereins voraus. Hier wirkt ein solches Vorgehen für den Angelverein doppelt schwer.



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